Gewaltprävention

03. Juli 2009 18:31; Akt: 07.07.2009 11:37 Print

Alkohol als Grundübel bei Jugendgewalt?Alkohol als Grundübel bei Jugendgewalt?

Nach dem brutalen Angriff dreier Zürcher Schüler auf einen Passanten in München diskutieren Gewaltexperten mögliche Präventionsmassnahmen. Als eine der Ursachen gilt klar der übermässige Alkoholkonsum. Ein höheres Schutzalter sei eine Möglichkeit.

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Alkoholverbote sind schnell aufgestellt, durchzusetzen sind sie schwer - und könnten auch kontraproduktiv wirken. (Bild: Keystone)

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Die Gewalttat von München habe auch ihn überrascht, sagte der Beauftragte für Massnahmen gegen Gewalt im schulischen Umfeld im Kanton Zürich, Enrico Violi. Er sprach von einem aussergewöhnlichen Fall: «Im Normalfall passieren auf einer Abschlussreise keine so schwerwiegenden Vorfälle.»

Neben der Gruppendynamik sieht der Fachmann vor allem im Alkoholkonsum eine Ursache für die Gewalttat. Aus Studien sei bekannt, dass bei rund 40 Prozent aller Gewaltdelikte Alkohol im Spiel sei. «Es ist daher festzulegen, was man den Jugendlichen erlauben will und was nicht», findet Violi, der sich von den Lehrern klare Verhaltensregeln für Schüler auf Klassenreisen wünscht.

Höheres Schutzalter?

Zwar sollten Schüler weiterhin auch auf Schulreisen ohne Begleitung ausgehen dürfen. Zu überprüfen sei aber, ob ein Alkoholverbot etwas bringen würde. Weiter müsse auch überprüft werden, ob das Alkohol-Schutzalter grundsätzlich mit 16 Jahren richtig angesetzt sei.

Als wenig wirksam erachtet das Alkohol-Schutzalter der Kinder- und Jugendpsychologe Allan Guggenbühl. Im Gegenteil: Trinken werde sogar attraktiver, wenn es verboten sei. Er finde es daher wichtiger, dass man Jugendlichen den richtigen Umgang mit Alkohol lehre.

Bei Verstössen sofort heimschicken

«Schwierig führbare» Jugendliche und Alkohol sind neben Haftungsfragen und Gerichtsurteilen auch zunehmend die Gründe für wachsende Vorbehalte gegen Schulausflüge, wie der Lehrerdachverband LCH feststellt. Die Bereitschaft, Ausflüge zu organisieren, habe in den letzten zehn Jahren merklich abgenommen, sagt Anton Strittmatter vom LCH.

Der Leiter der Pädagogischen Arbeitsstelle stellt zugleich fest, dass den Lehrpersonen ein Merkblatt mit den Sorgfaltspflichten auf Klassenausflügen zur Verfügung stehe. Eltern würden vor Ausflügen fast immer klare Weisungen zur Kenntnisnahme und Unterschrift vorgelegt. So könnten Teilnehmende bei Alkohol- und Drogenkonsum, aber auch bei Mobbing gegen Mitschüler heimgeschickt werden.

Die Probleme seien je nach Altersklasse unterschiedlich: Während bei den Primarschülern vor allem Mobbing im Vordergrund stehe, seien es in der Pubertät zwischen dem 14. und 17. Altersjahr andere Gewaltformen und der Alkohol.

(dapd)