Münchner Schläger

13. Oktober 2010 18:45; Akt: 13.10.2010 20:25 Print

Benji D. will gestehenBenji D. will gestehen

Dramatische Wende im Fall der Schläger von München: Benji D., einer der Schläger von München, wird am Donnerstag ein Geständnis ablegen. Sein neuer Anwalt kritisiert zudem seinen Vorgänger scharf.

Bildstrecke im Grossformat »
Eine Klasse der Weiterbildungs- und Berufswahlschule Küsnacht tritt am Montag, 29. Juni 2009, eine Klassenreise nach München an. Die Reise findet zum Abschluss des 10. Schuljahres statt. Zu den Schülern der Klasse gehören Mike B., Ivan Z. und Benji D. - alle drei vorbestraft. So mischte sich Mike B. 2008 nachts in der S-Bahn in einen Konflikt um einen rauchenden Jugendlichen ein. Er schlug dem Mann, der sich beklagte, unvermittelt die Faust ins Gesicht und brach ihm die Nase. Mike prahlte auch damit, schon im Ausgang in Zürich Leute verprügelt zu haben. Zudem mobbte er in der Sekundarschule gern schwächere Mitschüler. Er wurde zum Haupttäter der Prügelattacken in München erklärt und zu sieben Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Auch Benji D. ist kein unbeschriebenes Blatt. Er schlich sich 2008 in eine Supermarktfiliale und liess sich dort einschliessen. Dann stahlen er und seine Kollegen Tabakwaren und Alkoholika. Benji D. wurde während vom Münchner Gericht zu vier Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Ivan Z. forderte 2008 einen Jugendlichen auf, seinen IPod auszuhändigen. Als dieser sich weigerte trat er ihn mehrmals. Dabei brach er ihm das Jochbein und der Jugendliche erlitt eine Hirnerschütterung. Ivan Z. erhielt die kürzeste Freiheitsstrafe vom Münchner Gericht. Er sollte zwei Jahre und zehn Monate absitzen. Die deutschen Behörden schoben ihn allerdings nach etwas mehr als 20 Monaten am 21. März 2011 ab. Seither ist er wieder in Stäfa ZH und auf freiem Fuss. Zurück in München: Am zweiten Abend essen Schüler und Lehrer zusammen in der Münchner Innenstadt. Danach dürfen die Jugendlichen alleine losziehen - bis halb eins Uhr nachts, weil der Vorabend so geordnet verlaufen war. Sechs bis sieben Jugendliche begeben sich zum Hauptbahnhof und decken sich dort mit Vodka, Tequila, Jägermeister und Red Bull ein. Laut Staatsanwaltschaft kaufen sie auch Marihuana. Kurze Zeit später treffen sich rund ein Dutzend Jugendliche im Nussbaumpark zum «Saufen». Sie sitzen friedlich und schwatzen, trinken und rauchen. Doch dann bemerkt Mike, dass sein Portemonaie fehlt. Aus «Verärgerung» und um «ein bisschen Spass zu haben», beschliessen er und zwei Kameraden, «Leute wegzuklatschen». 23.15 Uhr: Ganz in der Nähe sitzen Mazedonier auf Baumstümpfen. Drei von ihnen werden die ersten Opfer von Mike, Ivan und Benji. Die drei schlagen und treten auf die Köpfe der Obdachlosen ein - zwei bleiben bewusstlos liegen. Die Schweizer Schüler rennen davon Richtung Unterkunft. Doch sie haben noch nicht genug «Spass» gehabt. Um 23.23 Uhr treffen sie beim Sendlinger Tor auf Wolfgang O. Der Versicherungskaufmann telefoniert gerade mit seiner Frau, als ihn Mikes Faustschlag von der Seite trifft. Der Mann geht zu Boden, ihm wird schwarz vor den Augen. Doch Mike und Benji treten weiter auf seinen Kopf ein. Sie zertrümmern ihm das Jochbein, Augen- und Kieferhöhlen. Wolfgang O. bleibt ohnmächtig zurück, aus seinem Ohr fliesst Blut. Laut Ärzten war sein gesamtes Mittelgesicht verschoben und musste rekonstruiert werden. Der Mann ging knapp am Tod vorbei. Die drei Jugendlichen rennen derweil weiter in Richtung Unterkunft. In der Sonnenstarasse, auf der Höhe der Hausnummer 24, begegnet ihnen um 23.25 Uhr ein 27-jähriger bulgarischer Student. Mike schlägt ihm unvermittelt den Ellbogen ins Gesicht. Ivan und Benji doppeln mit den Fäusten nach. Der Student hat danach Blutergüsse im Gesicht- und Halsbereich. Gegen 23.30 Uhr kommen die drei ins Jugendgästehaus des CVJM zurück. Sie wechseln ihre blutverschmierten T-Shirts und schauen gelassen einen Film, bis die Polizei beim Abspann hereinstürmt und die drei verhaftet. Die 10. Klasse aus Küsnacht bricht nach der Bluttat der Schüler die Klassenreise ab und reist zurück in die Schweiz. Die drei Täter bleiben zurück und sitzen seither in Bayern in U-Haft.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Benji D. will sein monatelanges Schweigen im Münchner Schlägerprozess brechen. Sein Anwalt, Steffen Ufer, bestätigte auf Anfrage von 20 Minuten Online eine Meldung der Nachrichtenagentur DPA, wonach Benji D. am Donnerstag vor dem Landgericht München ein Geständnis ablegen wird.

Zum Richtungswechsel in der Verteidigung hat Anwalt Ufer beigetragen. Erst vor kurzem hat der heute 18-Jährige seinen Rechtsvertreter gewechselt. Laut Ufer werde Benji D. das Geständnis wiederholen, das er zuvor bereits bei der polizeilichen Vernehmung abgelegt hatte. Er werde einräumen, an einer Körperverletzung teilgenommen zu haben. «Zudem wird er sich reuig zeigen und sagen, dass ihm die Tat leid tut», sagt Ufer.

Strategie des Schweigens aufgegeben

Damit gibt der Jugendliche seine bisherige Strategie des Schweigens auf. Gemäss Empfehlung seines früheren Anwaltes schwieg er seit Prozessbeginn am 8. März. Das Gleiche taten seine beiden Mitangeklagten. Ob der Kurswechsel Einfluss auf deren Verhalten hat, wird sich am Donnerstag zeigen. Rechtsanwalt Ufer zeigte sich auf Anfrage davon überzeugt, «dass mindestens einer der beiden Mitangeklagten ebenfalls ein Geständnis ablegen wird».

«Diese Mafia-Verteidigung, einfach nichts zu sagen, passt nicht zu den jugendlichen Taten, auch wenn sie noch so schwer gewesen sein sollten», sagt Ufer. Die Eltern seines Mandanten und Benji D. selbst hätten begriffen, dass es keinen Sinn mache, zu schweigen. Schliesslich hätten die Schläger ja bereits bei der Polizei ein Geständnis abgelegt.

Gemäss Prozessprogramm waren auf Donnerstag die Plädoyers von Verteidigung und Anklage angekündigt. Dass die Zeit nach dem Geständnis dafür reicht, bezweifelt der Anwalt. Wann in diesem Fall das Urteil eröffnet werden kann, ist noch offen.

Es drohen zehn Jahre Haft

Die drei Jugendlichen sind des gemeinschaftlichen versuchten Mordes und der gefährlichen Körperverletzung angeklagt. Bei einem Schuldspruch drohen ihnen bis zu zehn Jahre Freiheitsentzug.

Die drei ehemaligen Schüler der Berufswahlschule Küsnacht ZH sollen während der Klassen-Abschlussreise nach München Ende Juni 2009 fünf Passanten grundlos brutal zusammengeschlagen haben. Zwei Opfer wurden dabei lebensgefährlich verletzt. Seit der Tatnacht sind die drei Angeklagten in Haft.

(sda/rn)

20min Login Facebook Connect
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

  • Jürg Peters am 14.10.2010 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Verdient

    Die Drei haben meiner Meinung nach die Strafe verdient, wie manch anderer auch der in der Schweiz lebt. Zum "glück" haben sie die Tat in Deutschland begangen, in der Schweiz wären sie schon lange wieder auf freiem Fusse und würde weiter Menschen terrorisieren. 10 Jahre haft sind nur angemessen, sind ja selber Schuld dass sie sich ihr leben verbaut haben!

  • Norwin Schneiter am 14.10.2010 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    geschickte Strategie

    Eine geschickt gesteuerte Strategie des Anwalts um Einfluss auf das Strafmass zu nehmen. Wenn eine Person wahrhafte Reue bezeugt dann sicherlich nicht erst unmittelbar vor den Plädoyers. Ich hoffe nur dass alle drei die volle Härte des Gesetzes erfahren

  • Steve am 14.10.2010 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Eltern

    anstatt die Tat ihrer Sprösslinge zu verachten sagte ein Vater nur, "schade dies ist in DE passiert. In der Schweiz wären seine Kids schon wieder draussen" Da kann ich nur sgen, zum glück in einem Land welches eine bessere Umsetzung der Gesetzte praktiziert.