Nach Münchner Prügelorgie

04. Juli 2009 09:46; Akt: 07.07.2009 11:34 Print

Experte warnt vor «Hetzjagd»Experte warnt vor «Hetzjagd»

Der Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Jugendstrafrechtspflege, Dieter Hebeisen, hat skeptisch auf die Forderung nach einer Meldepflicht für Straftaten von Jugendlichen an Schulen reagiert. Dies könnte zu einer Hetzjagd führen, warnte er.

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Hebeisen nahm in der Sendung «HeuteMorgen» von Schweizer Radio DRS zur Forderung der Zürcher Regierungsrätin Regine Aeppli Stellung, die sich nach dem Gewaltexzess von Schülern aus dem Kanton Zürich in München für eine erweiterte Informationspraxis der Strafverfolgungsbehörden an Schulen ausgesprochen hatte. Es sei nachvollziehbar, dass unter dem Eindruck von schlimmen Ereignissen nach geeigneten Lösungen gesucht werde, sagte Hebeisen.

Nicht jede Kleinigkeit soll gemeldet werden

Es könne aber nicht sein, dass jede Tätlichkeit oder harmlose einfache Körperverletzung der Schule gemeldet werde und damit eine gewisse Publizität erhalte. Es müssten die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt und klar begrenzt werden, was gemeldet wird. Sonst komme es zu Hetzjagden, warnte Hebeisen. Und das wolle man sicher nicht erreichen.

Auch Zürcher Schulleiter fordern Meldepflicht

Nach der Zürcher Regierungsrätin Regine Aeppli hat auch der Verband der Schulleiterinnen und Schulleiter des Kantons Zürich (VSLZH) eine Meldepflicht für Straftaten von Jugendlichen an Schulen gefordert. Schulleitungen und Lehrpersonen stünden genauso unter Schweigepflicht wie alle anderen im Schulumfeld tätigen Personen, teilte der Verband am Samstag mit. Es sei daher nicht einzusehen, warum derartige Informationen von Polizei, Kinder- und Jugendpsychiatrischem Dienst oder der Vormundschaftsbehörde nicht an die Schulen weitergegeben werden sollten. Ein Informationsfluss würde laut dem Verband dem Wohl der Schule und der Schüler dienen, die Prävention verbessern und wäre heute schon im Rahmen der geltenden Gesetze möglich.

(dapd)