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Prügel-Prozess
16. Oktober 2010 23:55; Akt: 17.10.2010 04:35 Print
Glaube bringt Schläger zu Geständnis
Benji D., der sich für seine Prügelattacke in München jüngst entschuldigt hat, tat dies offenbar aus religiösen Gründen. Opfer Wolfgang O. ist währenddessen aus dem Saal gelaufen.
Im Strafprozess gegen drei Küsnachter Schüler gibt es neue Erkenntnisse. Benji D. brach am Donnerstag als Einziger sein Schweigen, nachdem die drei Jugendlichen seit dem Prozessbeginn vor sieben Monaten keine Aussagen zur Schlägerei Ende Juni 2009 in München gemacht hatten. Steffen Ufer, der neue Anwalt von Benji D., erklärt gegenüber der «SonntagsZeitung», dass die Eltern des Angeklagten sehr religiös sind und sein Mandant ebenso. Aus diesem Grund habe sich der Jugendliche zur Tat bekennen wollen.
Benji D. hat sein Schweigen gebrochen und eine Entschuldigung gegenüber Opfer Wofgang O. ausgesprochen. Benji soll aus religiösen Motiven gehandelt haben, sagt sein Anwalt.
Bisher setzten die Verteidiger auf Schweigen. Christian Bärnreuther verfolgt als Anwalt von Mike B. die neue Strategie. «Es ist nur ein einziger Tritt an den Kopf nachweisbar», erklärt er. Für das Gericht stellt sich damit die Frage, wer den Tritt ausgeführt hat. Wenn niemand eine Aussage macht, kann das Gericht auch nicht eruieren, wer der Täter war.
Die Angeklagten könnten dann nur wegen gefährlicher Körperverletzung, nicht aber wegen versuchten Mordes verurteilt werden. Das Strafmass wäre daher deutlich geringer. Benji D. hat vor Gericht offenbar zugegeben, dass er den Versicherungskaufmann Wolfgang O. getreten habe, aber nicht so fest. Den Tritt auf den Kopf habe ein anderer ausgeführt. Wen er belastet hat, wollten weder Bärnreuther noch Ufer offenlegen.
Opfer läuft aus dem Gerichtssaal
Laut der Zeitung «Der Sonntag» ist es am vergangenen Donnerstag auch zu einem bisher nicht bekannten Zwischenfall gekommen. Als sich Benji D.* bei Opfer Wolfgang O.* entschuldigt, steht dieser auf und läuft aus dem Gerichtssaal hinaus. Der Anwalt des mutmasslichen Haupttäters Mike B.*, Christian Bärnreuther, bestätigt dies gegenüber dem «Sonntag».
Bärnreuther kann nicht beurteilen, ob der 47-jährige Versicherungskaufmann von seinen Gefühlen übermannt wurde oder den Saal aus Unverständnis über die Aussage verlassen hat. Unmittelbar hinter O. sassen die Eltern von Mike B.. «Wir konnten sein Gesicht nicht sehen», so der Vater: «Er ging seitlich weg. Es ging schnell und war überraschend.»
Der Prozess gegen die drei Zürcher Schüler hatte mit der Aussage von Benji D. eine Wende genommen. Der heute 18-Jährige unterbrach das monatelange Schweigen auf Anraten seines neuen Rechtsanwalts Steffen Ufer. Er hatte die «Mafia-Verteidigung» seines Vorgängers kritisiert. Benji D. überreichte dem Gericht einen Brief an Wolfgang O. Es tue ihm leid, heisst es darin. Er habe sich schon lange entschuldigen wollen, so der frühere Schüler der Weiterbildungs- und Berufswahlschule Küsnacht ZH. «Ich wälzte mich vor Reue im Bett», wurde er von einer Gerichtssprecherin zitiert.
«Benji versucht sich rauszureden», sagt Mikes Verteidiger Bärnreuther jetzt zum «Sonntag». Ob jetzt auch Mike reden und sich entschuldigen werde, lässt Verteidiger Bärnreuther offen.
(rub)


























