Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Münchner Schläger
22. November 2010 15:30; Akt: 22.11.2010 16:19 Print
Reinhold Baier, der Mann für alle Fälle
Der Münchner Richter Reinhold Baier kennt sich aus mit jungen Gewalttätern. Der Prozess gegen die Prügler von Küsnacht war nicht sein erster delikater Fall.

Richter Rainhold Baier: «Wenn der Kampf gewonnen war, hat man nicht nachgetreten»
Er gilt als einfühlsam, doch mangelt es seinen Entscheidungen nicht an Strenge. Im September 2010 verurteilte Rainhold Baier, Vorsitzender der Jugendkammer am Münchner Landgericht, zwei junge Männer wegen des gewaltsamen Todes eines Geschäftsmanns am Münchner S-Bahnhof Solln zu langen Haftstrafen. Am Montag sprach er nun das Urteil gegen die drei Schweizer Schüler, die im Sommer 2009 in der Münchner Innenstadt fünf Passanten brutal zusammengeschlagen hatten.
Infografik Die Blutspur der München-PrüglerGegen die jungen Schweizer hat Baier zu deren Schutz seit März hinter verschlossenen Türen verhandelt - die drei waren zur Tatzeit erst 16 Jahre alt. Der Prozess gegen die S-Bahn-Täter hingegen war öffentlich - einer der beiden Angeklagten war schon 18.
Im S-Bahn-Fall stand am Ende ein hartes Urteil: Der zur Tatzeit 18-jährige Haupttäter bekam neun Jahre und zehn Monate Haft wegen Mordes. Das Gericht blieb damit nur zwei Monate unter der höchstmöglichen Jugendstrafe. Gegen den ein Jahr jüngeren Komplizen verhängte die Jugendkammer sieben Jahre wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge.
Richter Baier urteilte schon die U-Bahn-Schläger ab
Vor zwei Jahren verurteilte Baier schon die sogenannten Münchner U-Bahn-Schläger zu langen Haftstrafen. Die beiden hatten einen pensionierten Lehrer lebensgefährlich verletzt, nachdem dieser sie auf das Rauchverbot in der U-Bahn hingewiesen hatte.
Mit zwölf Jahren Haft für den damals 20-jährigen Täter und achteinhalb Jahren Haft für den 17-jährigen Mittäter ahndete das Gericht die nach Baiers damaligen Worten «völlig sinnlose Tat auf sittlich niedrigster Stufe».
Gewalttaten aus nichtigem Anlass
Bei den Gewalttaten Jugendlicher sieht er eine neue Intensität. Prügeleien habe es früher auch gegeben, sagte er zu Jahresbeginn in einem Interview. Aber «wenn der Kampf gewonnen war, hat man nicht nachgetreten».
Auffällig sei auch die Nichtigkeit der Anlässe: «Da gehts nicht mehr um die Freundin, die einem ausgespannt wurde. Oder um einen lang schwelenden Konflikt. Heute wird offenbar einfach Frust entladen, das entsteht aus dem Nichts.»
Baier, der die Jugendkammer am Münchner Landgericht seit vier Jahren leitet, ist auch Vizepräsident des Bayerischen Fussball-Verbandes (BFV). Dort hat der gebürtige Münchner mit der Gewaltprävention zu tun - er führt beim BFV die Arbeitsgemeinschaft «Gemeinsam und fair».
Der Fall am S-Bahnhof München-Solln, aber auch die Tat der Schweizer Schläger oder der Überfall in der U-Bahn vor nunmehr fast drei Jahren erregten deutschlandweit Aufsehen. Dennoch will Baier sie nicht herausgehoben sehen: Die Verfahren, die seine Kammer verhandelt, seien letztlich «Prozesse wie alle anderen», sagte er einmal.
(sda)



























