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Schweinegrippe
19. November 2009 10:31; Akt: 19.11.2009 14:53 Print
Zwei Grippetote in Winterthur
Die Grippepandemie hat in der Schweiz bisher drei Todesopfer gefordert, zwei davon im Kantonsspital Winterthur. Die Schweinegrippe dürfte noch rund acht bis zwölf Wochen dauern. Der Peak wird in rund fünf Wochen erreicht sein.
In der Schweiz sind seit gestern Abend «zwei neue Todesfälle» bekannt geworden, sagte Patrick Mathys, Pandemiebeauftragter beim Bundesamt für Gesundheit (BAG). Eine 54-jährige Frau im Kanton Zürich, die an Diabetes erkrankt ist, ist am 18. November an den Folgen der Schweinegrippe gestorben. Den Fall machte heute der «Tages-Anzeiger» publik. Eine 46-jährige Frau, die an Herzschwäche litt und HIV-positiv war, ist heute Donnerstagmorgen ebenfalls an der Schweinegrippe gestorben, so Mathys weiter. Laut ersten Informationen waren die beiden Personen nicht gegen die Schweinegrippe geimpft. Beide waren im Kantonsspital Winterthur in Behandlung. Zwischen den beiden Patientinnen bestehe aber kein Zusammenhang, sagte der Sprecher der Zürcher Gesundheitsdirektion, Urs Rüegg, auf Anfrage der Nachrichtenagentur AP. Sie hätten sich nicht gegenseitig angesteckt.
Schweinegrippe Impfung: Wer, wann und wo?:Die Organisation der Impfungen obliegt den einzelnen Kantonen. Praktisch stündlich werden neue Informationen über das jeweilige Prozedere in den Kantonen kommuniziert. Wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) mitteilt, sollen zunächst Personen mit einem erhöhten Komplikationsrisiko immunisiert werden. Dazu gehören:
- Schwangere Frauen (Impfung empfohlen ab dem 2. Trimester) und Wöchnerinnen
- Kinder (ab 6 Monaten), Jugendliche und Erwachsene mit einer chronischen
Erkrankung der Lungen, des Herzens oder der Nieren oder mit einer Störung
der Immunabwehr
- Frühgeborene Kinder, die während der Grippezeit unter 24 Monate alt sein
werden (ab dem Alter von 6 Monaten)
- Die Impfung ist auch für all diejenigen empfohlen, welche mit Personen mit
erhöhtem Komplikationsrisiko zusammenleben oder -arbeiten (z. B. Gesundheits-
und Krippenpersonal), einschliesslich das familiäre und berufliche Umfeld von
Säuglingen (unter 6 Monaten)
Nicht überall werden alle Risikogruppen sofort geimpft. Wer sich über das Prozedere in seinem Kanton informieren will, findet auf dieser Seite des BAG in der rechten Spalte aktuelle Hinweise.
Bereits am Sonntag ist ein Säugling in Basel gestorben. Damit sind in der Schweiz bislang drei Personen an den Folgen der Scweinegrippe gestorben.
4500 bestätigte Schweinegrippe-Fälle
Letzte Woche haben sich über 20 000 Personen wegen Grippesymptomen beim Arzt gemeldet. Es müsse davon ausgegangen werden, dass die meisten dieser Personen an der Schweinegrippe erkrankt sind, weil die saisonale Grippe derzeit kaum aufgetreten sei. Laut Patrick Mathys hat sich die Zahl der im Labor nachgewiesenen Schweinegrippe-Erkrankungen in der letzten Woche beinahe verdreifacht. Mittlerweile gibt es in der Schweiz über 4500 laborbestätigte Fälle. 85 Personen mussten hospitalisiert werden. 17 befinden sich in Intensivpflege. Das BAG schätzt, dass die Pandemie rund acht bis zwölf Wochen dauern werde, sagte Mathys. Der Peak sollte in den nächsten vier bis fünf Wochen erreicht sein, die Fallzahlen werden danach abnehmen. Erwartet wird, dass die Zahl der Schweinegrippe-Erkrankungen bis zu dreimal höher sein wird als bei einer saisonalen Grippe. Bereits letzte Woche sei die Zahl auf dem Niveau der saisonalen Grippe von vor zwei Jahren gewesen.
Zeltner kritisiert Schwyzer Kantonsarzt
Der Direktor des BAG, Thomas Zeltner, zeigt Verständnis für den Ärger der Ärzte im Zusammenhang mit der Impf-Kampagne gegen die Schweinegrippe. «Ich verstehe den Unmut der Ärzte», sagte Zeltner vor den Medien in Bern. In der Schweiz sei man sich aber nicht gewohnt, dass medizinische Güter knapp oder rationiert seien. Knapp seien die Impfstoffe im Übrigen in allen europäischen Ländern.
Dass es bei der Verteilung der Impf-Dosen teilweise zu Verzögerungen kam, wollte Zeltner nicht im Detail kommentieren. «Ich weigere mich, hier den schwarzen Peter auszuteilen», sagte er. Nach Gründen für Fehler und Verbesserungsmöglichkeiten solle erst am Ende der Impf-Kampagne gesucht werden.
Zeltner machte deutlich, dass er dieses Vorgehen von allen Beteiligten erwartet. Kritik musste in dieser Frage der Schwyzer Kantonsarzt einstecken. Er habe am Mittwoch nicht an der BAG-Telefonkonferenz teilgenommen. Dennoch habe er danach in einer Medienmitteilung Vorwürfe erhoben.
Für Zeltner ist klar, dass die föderale Organisation des Schweizer Gesundheitswesens Vor-, aber auch Nachteile hat. Die Weltgesundheitsorganisation habe vor einigen Jahren bereits gesagt, dass die Schweiz wegen dieser Organisation ein Gouvernanz-Problem habe. Die Aufteilung der Verantwortlichkeiten zwischen Bund und Kantonen könne zu Schwierigkeiten führen.
(meg/sda)




























