Pilgerfahrt
04. November 2009 15:31; Akt: 04.11.2009 16:51 Print
Mekka bangt wegen der Schweinegrippe
Die Behörden von Saudi-Arabien sind besorgt: Ende November werden 2,5 Millionen Muslime zur jährlichen Pilgerfahrt in Mekka erwartet – ein idealer Nährboden für die Schweinegrippe.
Riesige Zeltstädte beherbergen die Mekka-Pilger. (Bild: Keystone/Mohamed Messara)
Als die Schweinegrippe ausbrach, glaubten manche Muslime, sie wären gegen die Krankheit immun, weil sie keinen Kontakt mit den «unreinen» Tieren haben. Längst aber hat die Pandemie auch die islamische Welt erreicht. In Saudi-Arabien wurden bislang mehr als 5000 Ansteckungen und 62 Todesfälle registriert, zitierte die «GlobalPost» einen Sprecher des Gesundheitsministerium. Und das Schlimmste könnte erst noch bevorstehen.
In der letzten Novemberwoche beginnt der Hadsch, die Pilgerfahrt in die heilige Stadt Mekka. Sie gehört zu den fünf Säulen des Islam und muss von allen Gläubigen, die körperlich und finanziell dazu in der Lage sind, mindestens einmal im Leben unternommen werden. Die Behörden erwarten rund 2,5 Millionen Pilger aus bis zu 160 Ländern, zahlreiche sind bereits unterwegs oder schon in Mekka angekommen. Sie werden mehrere Tage auf engstem Raum zusammenleben und sich den religiösen Riten unterziehen.
Infizierte Pilger aussortieren
Einen idealeren Nährboden für die Schweinegrippe gibt es kaum. Zahlreiche Mekkapilger könnten sich anstecken und das Virus in ihren Heimatländern weiter verbreiten. Das absolute Horrorszenario ist die von Experten befürchtete Mutation, mit der die Gefährlichkeit des bislang relativ harmlosen Erregers zunehmen könnte. Auch dafür sind die Voraussetzungen in Mekka gegeben.
Die Behörden äussern sich jedoch gemäss Ministeriumssprecher Khaled Al Marghalani «sehr zuversichtlich», dass sie die notwendigen Vorkehrungen getroffen haben. Bereits im Juli wurde Angehörigen von Risikogruppen wie Kindern, Senioren und chronisch Kranken empfohlen, dieses Jahr auf den Hadsch zu verzichten. An den Flughäfen sollen infizierte Pilger aussortiert werden. Jeder Ankömmling soll zudem ein Set erhalten mit Gesichtsmasken, Desinfektionsmitteln und Informationsmaterial.
Feldärzte sollen Alarm schlagen
76 Kliniken und 7 Spitäler in und um Mekka werden für den Notfall gerüstet sein. Gemäss Al Marghalani werden Feldärzte unterwegs sein, die sofort Alarm schlagen, wenn sie einen kranken Pilger finden, damit die Ausbreitung des Virus eingedämmt werden kann. Der Sprecher verwies zudem auf die jahrzehntelange Erfahrung der Behörden im Umgang mit ansteckenden Krankheiten während der Zeit des Hadsch.
Zuversichtlich stimmen zudem die Erfahrungen während dem Fastenmonat Ramadan im September, als rund zwei Millionen Besucher in Mekka gezählt, aber nur wenige Fälle von Schweinegrippe registriert wurden. Allerdings lassen sich diese Erfahrungen nicht einfach auf den Hadsch übertragen, schreibt die «GlobalPost». Es werden deutlich mehr Pilger aus Entwicklungsländern erwartet, ebenso aus der nördlichen Hemisphäre. Und dort breitet sich die Schweinegrippe derzeit rasant aus.
(pbl)





























