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Höchste Alarmstufe
11. Juni 2009 16:05; Akt: 11.06.2009 18:20 Print
Die Schweinegrippe ist eine Pandemie
Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Schweinegrippe zur Pandemie erklärt und die höchste Alarmstufe ausgerufen. Damit hat die WHO zum ersten Mal seit 41 Jahren eine weltweite Grippepandemie erklärt.
Die Warnstufe wurde von 5 auf 6 erhöht, was einen globalen Ausbruch bedeutet, wie WHO-Generaldirektorin Margaret Chan am Donnerstag vor Journalisten in Genf erklärte. Chan hatte sich am Donnerstag mit dem Notfall-Komitee der WHO beraten und zudem alle UNO-Botschafter zu sich geladen.
Drei Pandemien im 20. JahrhundertEine Pandemie ist eine Epidemie grossen Ausmasses. Eine ursprünglich nur regional auftretende ansteckende Krankheit (Epidemie) verbreitet sich dabei in vielen Ländern, unter Umständen auch weltweit. Grippe-Pandemien hat es Schätzungen zufolge seit dem 16. Jahrhundert bereits etwa 30 Mal gegeben. Im 20. Jahrhundert kam es drei Mal zu den Pandemien, nämlich 1918, 1957 und 1968. Im Schnitt liegen nach Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation WHO knapp 30 Jahre zwischen zwei Pandemien; jetzt waren es sogar 41 Jahre.
Experten warnen seit Jahren vor einer Grippe-Pandemie, zuletzt im Zusammenhang mit der Vogelgrippe aus Asien. Für den Fall einer Pandemie haben deutsche Behörden aufwendige Vorsorge- und Krisenablaufpläne erarbeitet und unter anderem grosse Mengen antiviraler Medikamente eingelagert.
Dass Viren von Tieren so mutieren, dass sie für Menschen gefährlich werden, ist nichts Neues: So war schon der Erreger der Spanischen Grippe von 1918 ursprünglich ein reines Vogelvirus. Damals starben weltweit mindestens 20 Millionen Menschen. Neuere Schätzungen setzen die Zahl sogar noch höher an.
Wegen des dichten Flugnetzes können Infektionskrankheiten heute weitaus schneller in entlegene Regionen der Welt vordringen. Auch der Aids-Erreger HIV wurde so vergleichsweise rasch in alle Welt verbreitet. (ap)
Inzwischen erkrankten fast
Die letzte Pandemie, die Hongkong-Grippe von 1968, hat rund eine Million Menschenleben gefordert. Den Folgen einer normalen Grippe erliegen weltweit jährlich rund
Virus weiter als «mild» eingestuft
Die Ausrufung der ersten Pandemie in diesem Jahrtausend bedeute aber nur, dass sich das Virus geografisch ausbreite und nicht, dass es gefährlicher werde, hatte ein WHO-Sprecher am Donnerstagmorgen in Genf erklärt. Die WHO betrachte die Schweinegrippe als «milden» Erreger. Bislang starben nach WHO-Angaben 141 Menschen daran.
Mit der Erhöhung der Pandemiestufe fünf auf sechs sind die Staaten dazu aufgerufen, weitere Massnahmen gegen die Ausbreitung des Schweinegrippevirus' zu ergreifen - vor allem soll die Produktion eines Impfstoffes gegen das Virus in grossem Stil anlaufen.
Schweiz auf ausländischen Impfstoff angewiesen
Die Schweiz hat selbst keine Impfstoffproduktion. Sie ist deswegen auf Lieferungen aus dem Ausland angewiesen. Der Bund hat 2006 einen Vertrag mit dem Pharmariesen GlaxoSmithKline für die Lieferung eines Pandemie-Impfstoffes geschlossen. Dieser soll in Deutschland hergestellt werden.
Den Vorrat an Mitteln zur Behandlung von Grippeerkrankungen hat die Schweiz bereits aufgestockt. Das BAG wollte sich am Nachmittag noch nicht äussern: es kündigte aber für den Abend - nach der WHO- Pressekonferenz ein Communiqué an.
Roche in den Startlöchern
Als eines der effizientesten Mitteln gegen die Schweinegrippe gilt Tamiflu des Basler Pharmakonzerns Roche. Bei Bedarf könnte Roche die Tamiflu-Produktion erhöhen, sagte Roche-Sprecherin Martina Rupp am Donnerstag der Nachrichtenagentur SDA. Die maximale Produktionskapazität liege bei 400 Millionen Packungen pro Jahr.
Zur Zeit gehen bei Roche laufend Tamiflu-Bestellungen von Regierungen ein. Angaben zu Zahlen und Ländern wollte Rupp nicht machen. Die Verhandlungen mit den einzelnen Ländern würden meistens vertraulich geführt.
Stufe 6 noch nicht in der Schweiz
Auch wenn die WHO den Pandemie-Alarm auf Stufe sechs erhöht, ist die Schweiz nicht dazu verpflichtet, dies der WHO nachzutun. Der Bund erhöht erst auf Stufe sechs, wenn auch in der Schweiz das Virus sich rasch ausbreitet. Derzeit steht in der Schweiz der Pandemie- Alarm auf Stufe 5.2.
Der Pandemie-Plan von Bund und Kantonen unterscheidet auf Stufe sechs zwei Unterstufen: Stufe 6.1 bedeutet, dass ein Virus zwar weltweit anhaltend von Mensch zu Mensch übertragen wird, aber nicht in der Schweiz. Die allerhöchste Stufe ist 6.2: Dann breitet sich ein Pandemie-Virus auch hierzulande rasant aus.
Der Pandemie-Plan sieht dann zahlreiche Massnahmen vor, die Bund und Kantone ergreifen können: von der Empfehlung, Masken zu tragen, über Versammlungsverbote, Schulschliessungen, Impfkampagnen, Aufgebote von Sanitätssoldaten, bis hin zu Notstandsmassnahmen.
Quelle: SDA/AP



























