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Immer mehr Infizierte
23. Juli 2009 16:42; Akt: 23.07.2009 17:27 Print
Rasante Ausbreitung der Schweinegrippe
Die Schweinegrippe breitet sich jetzt auch in Deutschland sprunghaft aus. In nur 24 Stunden schnellte die Zahl um 637 auf 2455 hoch - das sind dreimal so viel wie vor einer Woche. In der Schweiz sind es schon über 300 bestätigte Fälle.
Quelle: Flutracker.rhizalabs.com
Gelb: Verdachtsfälle / Orange: Bestätigte Fälle / Rot: Todesfälle / Zahl: Anzahl Fälle
Gemäss dem Situationsbericht des Bundesamts für Gesundheit (BAG) vom Donnerstag sind mit 301 erkrankten Personen innerhalb eines einzigen Tages zehn neue Fälle hinzugekommen. Insgesamt haben sich bisher 52 Erkrankte in der Schweiz angesteckt. In der Schweiz werden nicht mehr alle Fälle einzeln abgeklärt; der Fokus richtet sich mit der am 9. Juli vom BAG lancierten Strategie auf Risikogruppen.
Symptome der SchweinegrippeDie Symptome der Schweinegrippe ähneln der einer ganz normalen Grippe: Fieber, Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Husten. Einige Patienten berichteten auch über Schnupfen, Halsschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Ohne Laboruntersuchung gibt es keine Gewissheit.
Die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch ist sehr kurz, manchmal erkranken Infizierte schon binnen Stunden, die meisten spätestens innerhalb von drei Tagen. In dieser Zeit sind die Patienten schon ansteckend, da die Virenausscheidung über die Schleimhäute des Nasen-Rachen-Raums beginnt. Diese Ausscheidung dauert in der Regel bis zu sieben Tage, bei geschwächten Menschen auch länger. (ap)
Verhaltensregeln für den Ernstfall
Sprunghafter Anstieg in Deutschland
Der in Deutschland vom Robert-Koch-Institut registrierten Anstieg der Fallzahlen ist inzwischen von Tag zu Tag steiler. In den 24 Stunden bis Dienstag, 15.00 Uhr, wuchs die Zahl um 263 auf 1818, in den folgenden 24 Stunden bereits um die genannten 637 Fälle. Das RKI veröffentlicht die Zahl jeweils am folgenden Tag. Erst am 15. Juli waren deutschlandweit nur 834 Fälle der Neuen Grippe vom Typ H1N1 bekannt.
RKI-Präsident Jörg Hacker warnte dennoch abermals vor Panik. Die Zahlen nähmen europaweit zu, sagte er im Fernsehen. «Es könnte durchaus sein, dass wir weiter höhere Fallzahlen bekommen und dann natürlich auch gelegentlich schwerere Verläufe. Das ist einfach eine Frage der Menge an Erkrankten.»
Reisende kehren mit Virus zurück
Die meisten neuen Fälle, nämlich 528, wurden bei Urlaubsrückkehrern diagnostiziert. Gezählt werden auch neue Fälle, bei denen nach Angaben des RKI selbst keine Labordiagnose durchgeführt wurde, die aber Kontakt zu laborbestätigten Erkrankten hatten. Die weitaus meisten Erkrankungen gibt es mit 943 in Nordrhein-Westfalen.
Bisher verlaufen die Erkrankungen meist leicht und werden mit antiviralen Mitteln wie Tamiflu behandelt. Letztlich in den Griff zu bekommen ist die Epidemie aber aus Sicht der Regierung nur mit Impfungen.
Hoffen auf Impfstoff
Die Deutsche Regierung setzt jetzt alles auf den Impfstoff, der bis Anfang Oktober bereitstehen soll. Zwei Drittel der Bevölkerung müssen aber noch länger warten, weil zunächst Menschen auf einer Vorrangliste geimpft werden.
Man erwarte den Impfstoff Ende September oder Anfang Oktober, sagte Gesundheits-Staatssekretär Klaus Theo Schröder im Deutschlandfunk. Trotz der grossen Eile werde das Serum genau getestet, um Risiken so gering wie möglich zu halten, versicherte er. Die gesamte Impfkampagne will sich Deutschland zwei Milliarden Euro kosten lasten - das ist nicht unumstritten.
100 000 Ansteckungen in England
In Europa ist England - Stand heute - am schlimmsten von der Schweinegrippe betroffen. Nach Schätzungen der Gesundheitsbehörden wurden in der vergangenen Woche in England rund
Wegen der rasanten Ausbreitung können sich an der Schweinegrippe Erkrankte ab sofort über eine Telefon-Hotline und über das Internet das Grippe-Medikament Tamiflu verschreiben lassen, ohne einen Arzt zu konsultieren - ein weltweit einmaliger Service. Betroffene könnten sich per Telefon oder Internet eine Diagnose einholen, ob sie tatsächlich an dem Virus A (H1N1) erkrankt seien. Sie bekämen dann das Anti- Grippemittel verschrieben und könnten es aus Apotheken beziehen.
Mit der Massnahme, die nur in England, nicht aber in den anderen Teilen Grossbritanniens gilt, sollen vor allem Hausärzte entlastet werden. Ausgenommen sind besonders schwere Fälle, etwa bei schwangeren Frauen, Kleinkindern und Menschen, die bereits Gesundheitsprobleme haben. Diese müssen auch weiterhin einen Arzt aufsuchen. Die Behörden erwarten mehr als
Alte und Kranke sollen nicht nach Mekka
Auch rund um die französische Hauptstadt Paris wurden allein am Mittwoch 64 neue Fälle von Schweinegrippe bestätigt. In den arabischen Ländern raten inzwischen die Gesundheitsminister Alten, Kindern und chronisch Kranken von einer Pilgerfahrt nach Mekka ab (20 Minuten Online berichtete). Zu einer völligen Absage der Hadsch konnten sich die in Kairo versammelten Minister aber nicht durchringen.
Erstmals zeigte sich in Kanada ein Schweinegrippepatient resistent gegen die verfügbaren Arzneien: Der 60-jährige in der Provinz Quebec sprach auf eine vorbeugende Behandlung mit Tamiflu nicht an (20 Minuten Online berichtete). Seit Beginn der Schweinegrippewelle im April handelt es sich um den weltweit vierten Fall einer solchen Resistenz.
(ast/sda/dapd)




























