Parallelimporte

05. Juni 2008 12:03; Akt: 05.06.2008 13:42 Print

Nationalrat hält an Verbot festNationalrat hält an Verbot fest

Parallelimporte sollen verboten bleiben. Der Nationalrat ist am Donnerstag mit 93 zu 88 Stimmen bei 14 Enthaltungen dem Bundesrat gefolgt, der Einfuhren am offiziellen Vertriebskanal vorbei strikt ablehnt.

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Damit setzten sich SVP und FDP mit Unterstützung eines Teil der CVP durch. Die Wirtschaftskommission (WAK) des Nationalrates hatte vorgeschlagen, Parallelimporte aus Europa zuzulassen, und mit 15 zu 9 Stimmen beantragt, die so genannte euro-regionale Erschöpfung von Patenten ins Patentgesetz zu schreiben.

Monopolrenten ausschalten

Die Kommissionsmehrheit versprach sich von diesem Systemwechsel, der auch für Medikamente gelten sollte, einen Beitrag zur Senkung der hohen Preise in der Schweiz, wie Kommissionssprecherin Susanne Leutenegger OberholzerDas ParlamentSusanne Leutenegger Oberholzer
SP, BL
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(SP/BL) sagte. Parallelimporte würden den Wettbewerb beleben und Monopolrenten ausschalten.

Mit der euro-regionalen Erschöpfung würden die Eigentumsrechte der Patentinhaber nicht geschmälert, sagte Leutenegger Oberholzer. Patentschutz sei nicht Preisschutz. Das Patentrecht schütze Innovationen, nicht aber Vertriebswege. Der Forschungsstandort und die Medikamentensicherheit würden nicht gefährdet.

Es sei nicht einzusehen, weshalb die Konsumentinnen und Konsumenten in der Schweiz für das gleiche patentgeschützte Produkt mehr bezahlen müssten als im benachbarten Ausland, sagte Alec von GraffenriedDas ParlamentAlec von Graffenried
Grüne, BE
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(Grüne/Bern). Deshalb sollte Importeuren erlaubt werden, dort einzukaufen, wo die Güter am billigsten seien.

Keine Preissenkungen

Für Georges TheilerDas ParlamentGeorges Theiler
FDP, LU
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(FDP/LU) müssen der Innovationsschutz und die Eigentumsgarantie höher bewertet werden als der Wunsch nach tieferen Preisen. Es gehe ohnehin nur um einen Betrag von schätzungsweise 200 Millionen Franken pro Jahr. Der Forschungsplatz Schweiz dürfe nicht verunsichert werden.

Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf erklärte, die Schweiz sei nicht wegen des Patentrechts eine Hochpreisinsel. Ein Systemwechsel würde nicht für tiefere Preise sorgen. Der Importhandel würde die «Innovationsprämie» des Patentschutzes abschöpfen, ohne in Forschung und Entwicklung investiert zu haben.

Das Verbot von Parallelimporten habe keine preistreibende Wirkung, sagte Widmer-Schlumpf. Patente schützten nicht vor Konkurrenz durch austauschbare Produkte. Patentinhaber könnten keine Monopolpreise durchsetzen. Die neuen Kompetenzen der Wettbewerbskommission (Weko) im Kartellrecht seien denn auch noch nie angerufen worden.

Keine Lex Pharma

Der Bundesrat wolle dafür sorgen, dass mit Neupatentierung geringfügiger Art Importe verunmöglicht würden, sagte Widmer- Schlumpf. Der Patentinhaber müsse vor Gericht nachweisen, dass ihm eine echte Innovation gelungen sei. Die euro-regionale Erschöpfung brächte der Schweiz zudem Probleme mit der WTO.

Nach dem Entscheid gegen einen Systemwechsel entfielen Anträge, die Medikamente, deren Preis staatlich festgelegt wird, speziell zu schützen (»Lex Pharma» von CVP-Präsident Christophe DarbellayDas ParlamentChristophe Darbellay
CVP, VS
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). In der Gesamtabstimmung passierte die Patentgesetzrevision mit 104 zu 67 Stimmen bei 20 Enthaltungen. Sie geht an den Ständerat.

(sda)