Höchste Schweizerin
23. November 2009 15:05; Akt: 23.11.2009 17:41 Print
Bruderer ist einmal mehr die Jüngste
Sie ist jung, umtriebig, sie sei unkompliziert und undogmatisch – und seit heute ist sie auch die höchste Schweizerin, glanzvoll gewählt mit 174 von 182 gültigen Stimmen. Die Aargauerin Pascale Bruderer hat die Politleiter unheimlich schnell erklommen.
Im Lebenslauf der 32-jährigen Sozialdemokratin Pascale Bruderer häufen sich die Superlative: Im Herbst 1997 gewann sie als jüngstes Mitglied des Einwohnerrats (Parlament) in Baden AG ihr erstes politisches Mandat. 2001 schaffte sie den Sprung in den Aargauer Grossen Rat.
Pascale Bruderer freut sich über ihre Wahl zur Nationalratspräsidentin.(Bild: Keystone/Peter Schneider)
Frauenpower im Parlament
In der Herbstsession werden voraussichtlich gleich drei hohe Ämter in weibliche Hände gegeben: Pascale Bruderer und Erika Forster sollten am Montag zu den Präsidentinnen von National- und Ständerat gewählt werden, und Bundesrätin Doris Leuthard wird in der zweiten Sessionswoche wohl erstmals zur Bundespräsidentin gewählt. Ansonsten steht die Wintersession traditionsgemäss im Zeichen des Budgets, wo sich aber keine grossen Grabenkämpfe abzeichnen. Im Nationalrat stehen zudem unter anderem die von der vorberatenden Kommission abgelehnte 4. Revision des Arbeitslosenversicherungsgesetzes, die 11. AHV-Revision sowie die Volksinitiative «Gegen neue Kampfflugzeuge» auf dem Programm. Der Ständerat wird sich unter anderem mit dem Strafrecht, dem Postgesetz, der Buchpreisbindung sowie der Steuergerechtigkeitsinitiative der SP befassen. In beiden Räten findet weiter eine ausserordentliche Session zu den Themen Milchpreis und Landwirtschaftspolitik statt, und zwar im Nationalrat in der zweiten Sessionswoche und im Ständerat in der dritten Woche. (ap)
Nur ein Jahr später sass sie bereits im Nationalrat. Sie rutschte auf den Sitz des zurückgetretenen Hans Zbinden in die Grosse Kammer nach. Mit 24 Jahren löste sie den damals 27-jährigen Toni Brunner (SVP/SG) als jüngstes Parlamentsmitglied ab.
Bei den Wiederwahlen 2003 und 2007 erzielte sie jeweils das beste Resultat unter den Frauen im Aargau. Im Nationalrat gehört sie derzeit der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) an.
Jüngste Nationalratspräsidentin
Längst hat die mediengewandte Pascale Bruderer die Jeansjacke der ersten Sessionstage gegen elegante Anzüge ausgetauscht. Die Superlative bleiben jedoch. Die Aargauerin ist mit 32 Jahren die jüngste Frau, die je den Nationalrat präsidiert hat.
«Im Vordergrund meiner Arbeit steht das Miteinander anstatt das Gegeneinander», sagt sie im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA. «In einem anderen politischen System wäre ich wohl kaum in die Parlamentsarbeit eingestiegen.»
Für spektakuläre und provozierende Politik sei sie weniger zu haben. «Ich bin ein typisches Kind der Konkordanz», betont sie. Das Etikett der frischen und frechen Jungpolitikerin haftet ihr an. Profiliert hat sie sich jedoch in den vergangenen sieben Jahren in der Bildungs- und Sozialpolitik.
Politologin mit Erfahrung bei UBS
Seit 2008 bietet sie Geschäftsführungen von Nonprofit- Organisationen und Beratungen in Kommunikation und PR an. So steht sie seit Mitte 2009 der Krebsliga Aargau als Geschäftsführerin im Mandat vor.
Ihre erste Arbeitserfahrung sammelte sie bei der Schwerhörigenschule Landenhof in Unterentfelden AG. Später arbeitete sie in verschiedenen Abteilungen der Grossbank UBS und war Projektmanagerin bei Microsoft Schweiz.
Nach der Arbeit mit Schwerhörigen studierte sie an der Universität Zürich Politologie, Staatsrecht sowie Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Ein Teil des Studiums absolvierte sie in Växjö in Schweden.
In ihrer Freizeit geht Bruderer mit dem Hund spazieren, betreibt Sport und liest gerne. Wichtig ist ihr gemäss ihrer Homepage auch ihre Familie. Die 32-Jährige hat vor ein paar Monaten den Marketingfachmann Urs Wyss geheiratet und heisst seither Bruderer Wyss.
Brücken schlagen zur Bevölkerung
Kommunikation wurde der jüngsten von drei Töchtern in die Wiege gelegt. Bruderer beherrscht die Gebärdensprache, betreibt ein Bürgerbüro, ein Facebookprofil und eine Internetseite. Geht es um das Interesse der Bevölkerung gegenüber der Politik, wird sie jedoch selbstkritisch.
«Bei den Menschen kommt manchmal zu wenig an, dass die Entscheidungen im Parlament direkt Einfluss auf ihren Alltag haben», sagt sie. Als höchste Schweizerin will sie deshalb eine Brücke aus dem Bundeshaus zur Bevölkerung schlagen.
Einen thematischen Schwerpunkt widmet sie im Präsidialjahr dem Dialog zwischen Jung und Alt. «Der Austausch zwischen den Generationen ist eine Chance für unsere Gesellschaft», betont sie.
Der Bevölkerung will sie zudem zeigen, das Politik nicht nur graue Materie ist. «Die Menschen dürfen ruhig spüren, dass Politik Freude macht.» Bei diesen Worten dringt wieder die Frische durch, der sie nach wie vor das Bild der Jungpolitikerin verdankt.
(sda/ddp)



























