Bauspar-Initiativen

15. September 2011 13:02; Akt: 15.09.2011 15:10 Print

Nationalrat will Bausparen belohnenNationalrat will Bausparen belohnen

Wer Geld für sein Eigenheim zusammenlegt, soll steuerlich begünstigt werden. Eine bürgerliche Mehrheit hat sich gegen die Linke durchgesetzt, die die Initiative als ungerecht verworfen hatte.

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Ginge es nach dem Willen des Nationalrates, sollen Bausparer von Steuerabzügen profitieren können. Den Kantonen würde dadurch Millionen von Franken entgehen. (Bild: Keystone)

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Gegen den Widerstand des Bundesrats, der Linken und der Grünen empfiehlt der Nationalrat dem Stimmvolk die beiden Bauspar-Initiativen zur Annahme. Der Entscheid fiel am Donnerstag mit deutlichen Mehrheiten. Die Vorlage geht nun wieder zurück in den Ständerat.

Mit 105 zu 62 Stimmen folgte der Nationalrat ausserdem der Empfehlung seiner Wirtschaftskommission, dem Volk zunächst nur die Initiative des Hauseigentümerverbandes (HEV) «Eigene vier Wände dank Bausparen» zu unterbreiten.

Werde zuerst über die HEV-Initiative abgestimmt, dann gebe dies den Initianten der anderen Initiative, der Schweizerischen Gesellschaft zur Förderung des Bausparens (SGFB), die Möglichkeit, ihr Anliegen im Falle einer Annahme der HEV-Initiative zurückzuziehen, argumentierte die Kommission. Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf nannte als mögliche Abstimmungstermine den 13. März 2012 oder den 17. Juni 2012.

Nur Wohlhabende können profitieren

Linke und Grüne lehnen die beiden Initiativen ab. Mit diesen würden die Falschen unterstützt, nämlich jene Kreise, die sich Wohneigentum ohnehin leisten könnten. Familien mit kleinen und mittleren Einkommen hingegen könnten von den Steuerabzügen nicht profitieren, da sie hierfür nicht genügend Geld beiseite legen könnten, argumentierte Hildegard Fässler (SP/SG) namens der Minderheit.

Im Falle einer Annahme der HEV-Initiative haben die Kantone mit Einnahmeausfällen in Höhe von rund 100 Millionen Franken und der Bund in Höhe von etwa 40 Millionen Franken zu rechnen. Nicht beziffern lassen sich die Ausfälle bei Annahme der SGFB-Initiative, da die Initianten es den Kantonen überlassen wollen, ob sie das Bausparen einführen wollen. Die Mehrheit der Kantone hat sich gegen die beiden Initiativen ausgesprochen.

Gegenvorschlag abgelehnt

Zur Abstimmung kommt es, weil im Juni ein indirekter Gegenvorschlag in der Schlussabstimmung am Nein des Ständerats gescheitert war. Bei Zustimmung wären die beiden Initiativkomitees zum Rückzug ihrer Begehren bereit gewesen. Allerdings wäre es vermutlich auch dann zu einer Volksabstimmung gekommen, weil die SP den Gegenvorschlag mit dem Referendum bekämpfen wollte.

Die beiden Initiativen verfolgen das gleiche Ziel, wenn auch auf etwas unterschiedlichen Wegen. Der HEV möchte, dass Bund und Kantone für den erstmaligen Erwerb von selbstgenutztem Wohneigentum während maximal zehn Jahren einen Abzug vom steuerbaren Einkommen bei Bund und Kantonen von bis zu 10'000 Franken zulassen.

Die SGFB-Initiative «Für ein steuerlich begünstigtes Bausparen zum Erwerb von selbstgenutztem Wohneigentum und zur Finanzierung von baulichen Energiespar- und Umweltschutzmassnahmen» will es den Kantonen überlassen, das Bausparen einzuführen.

Als Grundlage schlägt sie das Bausparmodell vor, das bis zur Einführung des Steuerharmonisierungsgesetzes im Jahr 2005 im Kanton Basel-Landschaft praktiziert wurde und einen Steuerabzug von jährlich maximal 15'000 Franken zuliess. Hauseigentümer sollen zudem für energiesparende Sanierungsmassnahmen zu günstigen steuerlichen Bedingungen Kapital anlegen können.

Im indirekten Gegenvorschlag waren die zentralen Forderungen der beiden Initiativen aufgenommen worden. Das heisst, Bausparen sollte mit steuerlichen Begünstigungen gefördert werden.

Bauspar-Modelle sind in der Schweiz umstritten. So hatte das Stimmvolk 1999 die HEV-Initiative «Wohneigentum für alle» mit 58,6 Prozent abgelehnt. Auch im Rahmen der Abstimmung über das Steuerpaket 2004 schob der Souverän einem Bausparmodell einen Riegel. Grund waren unter anderem die Steuerausfälle für die Kantone, die deswegen das Referendum ergriffen.

(sda)

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  • Bruno Hochuli am 16.09.2011 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Kurzsichtig und unklug

    Der Nationalrat schminkt die Schweiz als Touristenland endgültig ab. Die Weitsicht der Räte ist nicht sehr groß und es ist an der Zeit, dass sie ersetzt werden.

  • Beat Blaser am 16.09.2011 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Schweiz

    Jammern über drohende Immobilienblase aber Bausparen und 0% Zins propagieren.Verdichtetes bauen fördern aber mit willkürlichen Baugesetzen Einsprachen provozieren. Selbst eine soziale Mietzinspolitik kriegt der Staat nicht geregelt.

  • monika am 15.09.2011 16:33 Report Diesen Beitrag melden

    Steuergeschenke für die Reichen

    Es ist immer das Gleiche in der Schweiz: Oben Steuern reduzieren, die beim Mittelstand (falls noch vorhanden) wieder rausgepresst werden.