Gewalt ohne Ende

08. Februar 2012 10:29; Akt: 08.02.2012 13:12 Print

Beobachter ziehen aus Homs abBeobachter ziehen aus Homs ab

Erneut sollen in der syrischen Stadt Homs Dutzende Menschen massakriert worden sein. Die Angaben der Aktivisten sind schwer zu prüfen. Zumal nun auch noch die Beobachter abgezogen werden.

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Unsere Infografik: Die Geschichte Syriens.

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Mit militärischer Macht und Milizenterror versucht das syrische Regime den Willen der Aufständischen zu brechen. Westliche und arabische Staaten verstärken ihrerseits den diplomatischen Druck auf Präsident Baschar al-Assad. In Moskau hält man dies für keine gute Strategie.

Syrische Aktivisten berichteten am Mittwoch, das Viertel Baba Amro in der Stadt Homs sei von der Armee unter Beschuss genommen worden. Sie sprachen von Dutzenden von Toten. Drei Familien seien von Milizionären in ihren Häusern massakriert worden, hiess es. Die Eindringlinge hätten 19 Menschen mit Messern getötet. In zwei Spitälern von Homs seien insgesamt 18 Frühchen in Brutkästen ums Leben gekommen, weil der Strom abgeschaltet worden sei.

Aufgrund der eingeschränkten Bewegungsfreiheit für Medienvertreter in Syrien ist es schwer, die Opferzahlen zu überprüfen.

Weiterer Journalist getötet

Bei den Angriffen auf Homs wurde auch ein Aktivist getötet, der für mehrere westliche Medien tätig war. Der unter dem Pseudonym «Omar der Syrer» arbeitende Mazhar Tayyara sei bei den Angriffen in der Nacht zum Samstag getötet worden, berichtete ein Freund Tayyaras.

Dem Freund zufolge half der 24-Jährige während der Angriffe auf das Stadtviertel Chalidija Verletzten, als er selbst getroffen wurde. Er sei mit schweren Verletzungen in ein Spital gebracht worden, wo er drei Stunden später gestorben sei.

Tayyara war als freier Mitarbeiter für mehrere Medien tätig, darunter auch der britische «Guardian» und «Die Welt». Als Reporter war er im Satellitensender Al-Dschasira und auf CNN zu sehen. Gelegentlich arbeitete er auch für den Video-Dienst der Nachrichtenagentur AFP.

Die oppositionellen Revolutionskomitees meldeten, Angehörige des syrischen Geheimdienstes hätten in Libanon nahe der Grenze zwei junge Männer aus der Stadt Homs verschleppt. Sie seien vom Geheimdienst der Luftwaffe zurück nach Syrien gebracht worden.

Beobachter sollen Syrien verlassen

Die Arabische Liga forderte unterdessen ihre Beobachter auf, Syrien zu verlassen. Das bestätigte ein Mitarbeiter der Liga in Kairo. Der Leiter der Beobachtermission, Mohammed al-Dabi, und sein Stab sollen jedoch vorerst noch in Damaskus bleiben.

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow hatte bei einem Treffen mit Präsident Assad am Dienstag noch erklärt, die Beobachtermission könne ausgeweitet werden.

Lawrow kritisierte den Abzug zahlreicher europäischer und arabischer Botschafter aus Damaskus als «unlogisch». Damit werde die Krise nicht gelöst, sagte der Aussenminister nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax am Mittwoch in Moskau.

Vize mit Reformen beauftragt

Lawrow erklärte, Assad habe seinen Vizepräsidenten Faruk al-Scharaa beauftragt, Reformen umzusetzen, Kontakt mit allen Oppositionsgruppen zu halten und einen nationalen Dialog zu organisieren. Diesem Dialog dürfe die Weltgemeinschaft nicht vorgreifen, forderte Lawrow.

Die syrische Opposition hat Gespräche mit dem Regime abgelehnt und erklärt, sie werde einzig einen Rücktritt des Präsidenten und keine Kompromisse akzeptieren. Russland hatte gemeinsam mit China am Wochenende im UNO-Sicherheitsrat eine Resolution gegen Syrien blockiert.

Weitere Soldaten desertiert

Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter meldete unterdessen, in der Provinz Daraa seien nahe der jordanischen Grenze ein Offizier und 17 Soldaten desertiert.

Der syrische Menschenrechtsanwalt Haitham al-Maleh sagte dem Nachrichtensender Al-Arabija, regimetreue Einheiten seien für die gewaltsame Unterdrückung der Proteste verantwortlich, nicht die regulären Truppen der Armee.

(sda)