Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Aufstände in Afrika
21. März 2011 15:31; Akt: 21.03.2011 16:29 Print
Diktatoren ersticken Proteste im Keim
von M. Faul/A. Shaw, AP - Auch in afrikanischen Ländern wie Uganda, Simbabwe oder Eritrea regieren Diktatoren. Trotzdem gibt es wenig Proteste. Doch das könnte sich bald ändern.
Afrikas Diktatoren.
Massendemonstrationen fegten in Tunesien und Ägypten die ewigen Herrscher aus dem Amt. In Simbabwe kann schon das blosse Betrachten von Filmaufnahmen des Aufstands zu einer Anklage wegen Hochverrats führen und mit der Todesstrafe enden.
Paul Biya, Herrscher von Kamerun, mit seiner Gattin.(Bild: Keystone)
Bildstrecken
Proteste nach Präsidentenwahl in der Elfenbeinküste
Infografik
Die Entkolonialisierung AfrikasDie arabische Welt im UmbruchAufruhr in der arabischen WeltTimeline KongoDarfur
Mit Einschüchterung und Verhaftungen, mit Tränengas und Zensur versuchen afrikanische Staatschefs wie der seit 32 Jahren in Zimbabwe regierende Robert Mugabe zu verhindern, dass der im Norden aufgeflammte Funke des Aufstands auch in ihren Ländern zündet. Bislang halten sie die Unzufriedenen in Schach.
Fernsehsender in Eritrea, Äquatorialguinea, Uganda und Simbabwe dürfen keine Aufnahmen aus Nordafrika zeigen, die die Demonstranten positiv darstellen. In Kamerun, wo Präsident Paul Biya seit 1982 am Ruder ist, mussten die Mobilfunkunternehmen den Twitter-Dienst abstellen, weil darüber von einem Grossaufgebot an Soldaten gegen einen Protestmarsch berichtet worden war.
Viele Ursachen des Aufstands im Norden finden sich auch südlich der Sahara wieder: steigende Lebensmittelpreise, Jugendarbeitslosigkeit und repressive Regimes, die durch Wahlmanipulationen die Demokratie zur Farce machen. Vor dem Aufstand in Tunesien waren 18 afrikanische Staatschefs beziehungsweise ihre Familien seit mehr als 20 Jahren an der Macht.
Mit aller Gewalt
Die arabischen Vorbilder inspirieren die Hoffnung und den Glauben der Afrikaner an die Kraft der Massenbewegung, wie Naeem Jeenah vom Afro-Middle East Center in Johannesburg sagt. So wie die Menschen in Swasiland.
Sie gingen in Scharen auf die Strasse, weil die Gehälter im öffentlichen Dienst eingefroren wurden, während König Mswati III. mit seinen 14 Ehefrauen seine Apanage um 24 Prozent erhöhte. Dass die Machthaber allmählich nervös werden, wie Jeenah glaubt, schlägt sich darin nieder, dass sie hart durchgreifen, um Proteste im Keim zu ersticken.
In Angola hat Präsident José Eduardo dos Santos massenweise Soldaten aufmarschieren und Kritiker verhaften lassen, um eine Demonstration für Demokratie zu unterbinden. In Dschibuti ging die Polizei im Februar gegen 6000 Teilnehmer einer Oppositionskundgebung vor; von fünf Toten und Dutzenden Verletzten wurde berichtet.
Eine zweite Demonstration fand wegen des massiven Polizeiaufgebots nicht statt, Oppositionsführer wurden verhaftet. «Keiner kommt gegen ihn an», sagt Oppositionsführer Abdourahman Boreh im Exil in London über Präsident Ismail Omar Guelleh. «Er setzt die ganze Macht ein, die Polizei, die staatlichen Instrumente und Institutionen, und brutale Gewalt.»
Riskantes Wahl-Beispiel
Der ugandische Politiker John Ken Lukyamuzi hält es für «sehr wahrscheinlich», dass sich der Protest nach Süden ausbreitet. In seinem Land schoss die Polizei Tränengas gegen Demonstranten, die gegen Wahlfälschung bei der Wiederwahl des seit 1986 amtierenden Staatschefs Yoweri Museweni protestierten.
Der Elfenbeinküste droht wieder ein Bürgerkrieg, weil Laurent Gbagbo seine Wahlniederlage vom November nicht akzeptieren will. Setzt er sich damit durch, ist er nach Mugabe und Mwai Kibaki in Kenia schon der dritte afrikanische Staatschef, der sich um ein Wahlergebnis nicht schert.
Das wäre ein riskantes Beispiel: Über ein Dutzend Präsidentschaftswahlen stehen in Afrika dieses Jahr an. Wenn es den Siegern freier und fairer Wahlen verwehrt wird, ihr Amt anzutreten, kann das die Unzufriedenheit im Volk nur noch schüren.



























