Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Ratloser Westen
27. April 2011 09:12; Akt: 27.04.2011 09:30 Print
Eine Knacknuss namens Syrien
von Peter Blunschi - Baschar Assad macht den Gaddafi: Syriens Diktator geht brutal gegen sein Volk vor. Doch der Westen hat kaum Möglichkeiten, ihn zu stoppen.
Einen Tag nach dem blutigen Militäreinsatz in der Stadt Daraa mit mindestens elf Toten ist das Regime in Syrien am Dienstag erneut gewaltsam gegen Oppositionelle vorgegangen. Nach Angaben von Menschenrechtlern sind bislang mindestens 350 Menschen bei den Protesten ums Leben gekommen. Präsident Baschar Assad zeigt damit unmissverständlich, dass er die Regimegegner mit allen Mitteln zum Schweigen bringen will.
Infografik Die arabische Welt im UmbruchAufruhr in der arabischen WeltDamit unterscheidet er sich kaum von Libyens Muammar Gaddafi. Doch während der Westen auf dessen brutales Vorgehen gegen das eigene Volk mit scharfen Sanktionen und einer militärischen Intervention reagierte, ist im Fall von Syrien nichts dergleichen in Sicht. Die USA erwägen zwar Sanktionen gegen die Führungselite, doch Regierungsvertreter räumten gegenüber der «New York Times» ein, dass die Möglichkeiten beschränkt sind.
Wenig Spielraum für Sanktionen
Das liegt zum einen an der syrischen Wirtschaft, die etwa so gross sei «wie jene von Pittsburgh». Wie wenig Spielraum die internationale Gemeinschaft besitzt, zeigt das Beispiel des israelischen Luftangriffs auf einen in Bau befindlichen mutmasslichen Atomreaktor im Jahr 2007. Die Regierung Bush verzichtete damals «mangels wirklich effizienter Sanktionen» auf eigene Schritte gegen Damaskus, so die «New York Times».
Zum anderen fürchten Kritiker laut CNN, dass Assad durch Sanktionen noch stärker in die Arme seines Verbündeten Iran getrieben wird. Denn hier liegt der eigentliche Knackpunkt und grosse Unterschied zu Libyen. Das wirtschaftliche Leichtgewicht Syrien ist politisch ein «Key Player» im Nahost-Konflikt. Es grenzt an die Türkei, den Irak, Jordanien, den Libanon und Israel und mischt in einigen dieser Nachbarstaaten aktiv mit. Ein Sturz des Regimes oder eine lange andauernde Instabilität könnten unabsehbare Folgen haben.
Unterstützung für Extremisten
In einer solchen Entwicklung liegt für Optimisten auch eine Chance. Denn Assad unterstützt zusammen mit dem Iran die schiitische Hisbollah im Libanon und hat sie mit zehntausenden Raketen aufgerüstet. Obwohl er seine Soldaten 2005 aus dem Nachbarland abgezogen hat, ist sein Einfluss beträchtlich. Syrien soll den Sturz des prowestlichen Regierungschefs Saad Hariri zu Beginn des Jahres aktiv befördert haben und in die Ermordung seines Vaters Rafik Hariri verwickelt sein. Auch sollen irakische Aufständische in Syrien Unterschlupf gefunden haben, und die radikalen Palästinenserorganisationen Hamas und Islamischer Dschihad haben ihr Hauptquartier in Damaskus.
Ein mit sich selbst beschäftigtes Regime oder gar ein Übergang zur Demokratie könnten die Extremisten in der Region schwächen, so das hoffnungsvolle Szenario. Dem steht die Befürchtung entgegen, dass ein Bürgerkrieg und damit ein Flächenbrand entstehen könnte. Denn das heutige Syrien entstand nach dem Ersten Weltkrieg aus den Trümmern des Osmanischen Reiches. Es ist ein ethnischer und religiöser Vielvölkerstaat, in dem die Minderheit der schiitischen Alewiten, der die Assads angehören, fast die gesamte Macht besitzt.
«Der Teufel, den wir kennen»
Pessimisten fürchten einen Ausbruch sektiererischer Gewalt wie im Irak, wo unter Saddam Hussein ebenfalls eine Minderheit – die Sunniten – die Herrschaft ausübte. «Wenn die Dinge in Syrien bachab gehen, könnte die ganze Region in einer Orgie der Gewalt versinken», warnte Patrick Seale, Autor eines Buches über Baschars Vater Hafis Assad und einer der besten Kenner Syriens, gegenüber CNN. Neben dem Irak könnten der Libanon und sogar die Türkei mit ihrem Kurdenproblem davon erfasst werden.
Die Furcht vor einer solchen Entwicklung lässt den Westen vor harten Massnahmen gegen Syrien zurückschrecken. Selbst für Israel ist Baschar Assad das kleinere Übel oder «der Teufel, den wir kennen». Trotz des ungelösten Streits um die Golan-Höhen und ihres Supports für die Hamas hat die Assad-Dynastie insgesamt für Stabilität an der Grenze gesorgt. Ein grösserer Einfluss für die Islamisten oder gar ein religiöser «Bruderkrieg» seien keineswegs die besseren Alternativen, erklärten Regierungsvertreter gemäss CNN.
Türkei soll mässigend wirken
Deshalb gilt das Prinzip Hoffnung: Der studierte Augenarzt Baschar Assad sei westlich erzogen und wolle nicht als brutaler, rückwärtsgewandter Diktator gesehen werden, erklärte ein hoher US-Regierungsvertreter der «New York Times». Andere hoffen auf einen mässigenden Einfluss der Türkei, die Assad zu Reformen ermutigt hat. Selbst die Falken in der US-Politik halten sich bei Syrien auffallend zurück. Er sehe «kein Szenario für einen Militäreinsatz der USA oder der NATO», sagte der republikanische Senator John McCain am Montag.
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
-
Alle 45 Kommentare






























Mit 14 Billionen Doller Schulden im Krig
Die USA versucht angeblich immer zu helfen, von wegen helfen die können sich doch selber nicht helfen mit 14 Billionen Doller schulden Tendenssteigend. und ausser dem kan bzw. sollte man sich nicht ihn fremde Angelegenheiten ein mischen
Genau
Ja nicht in fremde angelegenheiten mischen, lieber zuschauen wie die da unten massenhaft umgebracht werden gell?
Geschmacklose Aussage
Verlieren Sie nicht immer Ihren Gedanken vor den Ursprüngen der Handlungen. Die Vereinigten Staaten sollten keine Sündenböcke sein. Man soll sich nicht in fremde Angelegenheiten mischen, das tönt nicht wirklich sozial. Mann sollte immer eingreifen, sofern eine Unterdrückung stattfindet. Oder schauen Sie etwa einfach zu wenn eine Frau auf offener Strasse vergewaltigt wird? Wäre doch auch eine fremde Angelegenheit?
Seltsame EInstellung
Schon bemerkenswert und teilweise bemerkenswert einfältig dieses ewige USA-Israel Bashing. Wenn's irgendwo auf der Welt brennt, dann hat am stets die Schuldigen. Und wenn es in der Schweiz mal brennen sollte, sind die Amis und Israelis auch schuld. Einfacher geht's nimmer.
Bashing
Bashing, ou du... da hat wieder mal einer ein ganz schlaues Fremwort benutzt. Ist sicher eine ganz schlaue Person.
@Laredo
Wenn wundert es? Nicht alle sind fähig selbständig zu denken und die meisten von ihnen verfügen über eine mangelnde Bildung. Bei manchen spielen auch der Neid und die Missgunst eine grosse Rolle, sie sind frustriert, weil sie nichts erreicht haben. Solche Leute übernehmen ohne Überlegung, einfach die Feindbilder, welche andere geschaffen haben und gezielt verbreiten. So fühlen sich die Versager als dazugehörend, wenn sie ihrerseits diese Feindbilder weiter verbreiten. Das sind die Mitläufer, welche die grösste Schuld an Kriege und Unruhen haben.
Propaganda
Es soll sich niemand in die Angelegenheiten anderer Staaten einmischen! Ihr lässt euch so einfach von den Medien beeinflussen, obwohl ihr keine Ahnung habt, was in Syrien vor sich geht! Alles was in den Medien verbreitet wird, glaubt man! ZU UNRECHT! Es ist doch klar das die Amis und Israelis da etwas am Stecken haben.
Kehr erstmal vor der eigenen Tür
Verschwörungstheorien wie du gerade eine zum besten gibst (jaja, die Amis und Israelis sind an allem schuld... dass ich nicht lache, SO mächtig sind diese Staaten auch nicht), sind ebenfalls Propaganda!
Lachhaft
Aha, aber Ihnen soll ich dann glauben? Und jetzt hört endlich mal auf mit dem dauernden Ami-Bashing...
Un-logisch
Nichteinmischung in die Angelegenheiten anderer Staaten: logisch hiesse das , dass die Welt zuschauen muss, wie ein Diktator oder Regime das Volk abschlachtet. Nach dieser Logik hätte auch keine Krieg gegen das 3.Reich geführt werden dürfen. Das war eindeutig eine Einmischung in deren Angelegenheiten. Ginge es nach Leuten wie Ihnen, Surii, wäre also das NS-Pack noch an der Macht. Kein Wunder, dass auch China ,Russland und Nordkorea diesselbe Logik vertreten
@R.Namazadeh
Richtig. Genau so ist es.
fremde Angelegenheiten ein mischen
Das ist einfach feige und einfach gesagt. Zu Glück gibts Länder die das machen und etwas bewegen. Die Schweiz ist zu feige um endlich ihre unhaltbare Neutralität abzuschaffen.
Ein alter Hut
Ist doch ein alter Hut, seit 2500 Jahren werden die Zielländer oder dessen Regierungen schlecht gemacht bevor mans sie angreift, es ist so einfach leichter einen Krieg zu rechtfertigen. Sie Sun Tzu die Kust des Kriegs. Jedesmal wenn so eine Propoandaschlacht aufliegt, denken die Leute das es in Zukunft nichtmehr passiert, siehe Vietnam oder Irak, doch schon 1 Jahr später fällt wieder jeder drauf rein