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Krieg in Syrien
15. Februar 2012 18:10; Akt: 15.02.2012 22:46 Print
Mit Brieftauben gegen Assad
Twitter, Facebook oder eine SMS? Nicht in der syrischen Stadt Homs. Weil sie fast komplett von der Umwelt abgeschnitten sind, greifen Aktivisten zu einem uralten Kommunikationsmittel.
(Video: YouTube)
Syrische Aktivisten in der praktisch von der Aussenwelt abgeschnittenen Stadt Homs greifen in ihrer Verzweiflung auf uralte Traditionen zurück: Um miteinander zu kommunizieren, lassen die Oppositionellen in den belagerten Stadtteilen Brieftauben zum Einsatz kommen.
Bildstrecken Die Gewalt in Syrien eskaliert Infografik Syrien Video
Unterwegs mit dem syrischen Widerstand
Syrien: Mitten im Kugelhagel gefilmt - Homs
Schweizer Botschaft wird geschlossen
Die Schweiz schliesst «in den kommenden Tagen» ihre Botschaft in der syrischen Hauptstadt Damaskus. Dies kündigte Bundesrat Didier Burkhalter am Mittwochabend im Westschweizer Radio RSR an. Gleichzeitig lieferten sich syrische Sicherheitskräfte zum ersten Mal nahe dem Stadtzentrum von Damaskus Kämpfe mit Regimegegnern.
Der Schweizer Aussenminister riet allen Landsleuten, Syrien so schnell wie möglich zu verlassen. Den Botschafter habe Bern früh aus Damaskus abgezogen - im August vergangenen Jahres -, die Botschaft selbst aber offen gehalten, um den 150 bis 180 Schweizern im Land weiter zur Verfügung zu stehen, sagte Burkhalter. Die meisten von ihnen seien Doppelbürger.
«Von den Aktivisten in Alt-Homs an die in Baba Amr, lasst uns wissen, was Ihr an Hilfslieferungen, Medizin und Nahrungsmitteln braucht», heisst es in einer am Fuss einer Taube befestigten Nachricht (siehe Video oben). «Wir werden sie Euch zukommen lassen, so Gott will.»
«Wir danken Baschar, dass er uns zurück ins Mittelalter befördert hat», sagte der Aktivist Omar sarkastisch mit Blick auf Präsident Baschar al-Assad, der sich seit knapp einem Jahr Protesten ausgesetzt sieht, die er blutig niederschlagen lässt.
Obwohl sie nicht weit voneinander entfernt sind, können sich die Aktivisten in Homs nach eigenen Angaben wegen der Truppenpräsenz nicht auf die Strasse wagen. «Sie haben Homs in ein grosses Gefängnis verwandelt», sagte Omar.
Der Briefwechsel funktioniert aber: «Eure Nachricht hat uns erreicht. Lang lebe Syrien, nieder mit Baschar al-Assad», heisst es in einer Antwort.
Assad kündigt Verfassungsreferendum
Mit einer Volksabstimmung über eine neue Verfassung am 26. Februar will der syrische Präsident Baschar al-Assad der Protestbewegung die Spitze nehmen. Neu ist: Die Monopolstellung der Baath-Partei, mit der vor Assad schon sein Vater Hafis regiert hatte, fällt weg. Auch der Sozialismus wird offiziell aufgegeben.
Die Frage, wie das Referendum praktisch ablaufen soll, während in mehreren syrischen Provinzen Bürgerkrieg herrscht, blieb allerdings offen.
Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, Assad habe das von ihm eingesetzte Komitee, das den Verfassungsentwurf ausgearbeitet hatte, beauftragt, «die Artikel dieses Entwurfes den Bürgern zu erklären».
Im Entwurf heisst es, politische Aktivitäten auf Basis der Religion oder der Stammeszugehörigkeit seien verboten. Gleichzeitig wird betont: «Die islamische Jurisprudenz ist die Hauptquelle der Gesetzgebung.» Nur ein Muslim darf Präsident werden.
Russland begrüsst Abstimmung
Syriens enger Verbündeter Russland begrüsste das angekündigte Verfassungsreferendum. «Die politischen Reformen kommen spät - aber besser spät als nie», sagte Aussenminister Sergej Lawrow nach Angaben der Agentur Interfax. Das Referendum sei «ein Schritt vorwärts» zur Bildung eines Mehrparteiensystems, betonte er - und das sei gut.
Lawrow forderte die internationale Gemeinschaft auf, das Assad- Regime als Partner anzuerkennen und nicht weiter zu isolieren. Er reist an diesem Donnerstag nach Wien zu Syrien-Krisengesprächen mit UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon.
Die USA quittierten die Ankündigung aus Damaskus als «lächerlich», wie es am Mittwoch aus Washington zum angekündigten Verfassungsreferendum verlautete.
Russland kompromissbereit
In Wien will Lawrow mit seinem französischen Amtskollegen Alain Juppé über einen neuen Vorstoss Frankreichs für eine Syrien- Resolution sprechen. Sanktionen gegen Syrien könnte nur der UNO- Sicherheitsrat beschliessen, was Russland und China bislang verhindert haben.
In New York will an diesem Donnerstag laut Diplomaten auch die UNO-Vollversammlung über eine Syrien-Resolution abstimmen. Die Vollversammlung kann zwar offiziell Verurteilungen aussprechen. Diese haben aber rein appellativen Charakter.
Zwei Tage vor dem geplanten syrischen Verfassungs-Referendum soll in Tunis ein erstes Treffen der sogenannten Gruppe der Freunde Syriens stattfinden. Zu diesem Treffen werden vor allem arabische und westliche Politiker und Diplomaten erwartet sowie Vertreter der syrischen Opposition.
Der Syrische Nationalrat (SNC) will bis zur geplanten Syrien- Konferenz in der tunesischen Hauptstadt möglichst noch weitere Oppositionsgruppen an sich binden. Dies sagte ein führendes SNC- Mitglied am Mittwoch am Rande eines Treffens des SNC in Katar.
Blutvergiessen geht weiter
In den Zentren der Protestbewegung gegen Assad ging das Blutvergiessen unterdessen weiter. Auch in Birsa, einem Viertel im Norden von Damaskus, marschierte nach Angaben von Augenzeugen am Mittwoch die Armee auf. Schüsse waren zu hören. Aktivisten meldeten, die Soldaten hätten Gebäude angezündet.
Eine Explosion in der Rebellenhochburg Homs zerstörte eine Gasleitung. Laut Aktivisten flogen kurz vor der Explosion Kampfjets über den Explosionsort. Eine Granate soll nach diesen Angaben die Pipeline getroffen haben. Syrische Staatsmedien machen dagegen Terroristen für die Explosion verantwortlich.
Aktivisten zählten landesweit am Mittwoch 21 Tote. Unter diesen Opfern seien drei Unbekannte, deren Leichen in der Ortschaft Maarat al-Nuaman in der Provinz Idlib aus einem Auto der Armee auf die Strasse geworfen worden seien. Oppositionelle meldeten, bereits am Sonntagabend sei in Damaskus eine christliche Anti-Regime-Aktivistin festgenommen worden.
In Syrien wurden seit Beginn der Proteste gegen Assad im März vergangenen Jahres nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten mehr als 6300 Zivilisten getötet.
Video: Dunkler Rauch über Homs
Quelle: Youtube
(sda/dapd)
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Alle 4 Kommentare






























Heuchler
Die UNO & der Rest der Welt reissen den Mund auf wenn Regimes in Afgahnistan oder ein Diktator im Irak angegriffen werden, jedoch wenn Zivilisten im Sudan oder in diesem Falle in Syrien ermordet werden dann schaut man wieder zu den USA um es zu richten!!
So schlimm..
es ist aber es ist nicht Sache von Europa sich in fremde Staaten einzumischen. Sobald die USA sich einmischen geht der ganze Schlamassel erst richtig los dann wiürde es wie im Irak zu noch mehr Toten kommen.
freiheitskampf
wann greift die UNO endlich ein?nur weil russland und china freunde vom machthaber sind werden jeden tag freiheitsliebende menschen getötet..wir schauen einfach zu.traurig.
Unbequeme Wahrheit
Ich weiss, dass das manchen vor den Kopf stösst...aber es laut ihrer eigenen Charta nun mal nicht die Aufgabe der UN sich in die inneren Angelegenheiten eines Staates einzumischen.