Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Keine Syrien-Resolution
04. Februar 2012 08:29; Akt: 04.02.2012 23:39 Print
Russland und China legen ihr Veto ein
Die beiden Grossmächte Russland und China stützen weiterhin das syrische Regime, sie wollen keine UNO-Resolution. In der Stadt Homs kam es laut Aktivisten zu den schwersten Angriffen seit Beginn des Aufstandes.

Ein Aufständischer steht am 2. Februar in Homs neben einem zerstörten Panzer der Sicherheitskräfte von Präsident Assad. (Bild: Keystone/AP)
Trotz neuer Berichte über Dutzende Tote allein in einer Nacht zuvor bleibt der Weltsicherheitsrat in der Syrien-Krise auch weiterhin stumm. Mit einem Doppelveto brachten Russland und China am Samstag eine von einer breiten Mehrheit unterstützte Resolution zu Fall.
Bildstrecken Die Gewalt in Syrien eskaliert Infografik SyrienDie arabische Welt im Umbruch Obama fordert Rücktritt AssadsUS-Präsident Barack Obama hat den syrischen Machthaber Baschar Assad direkt zum Rücktritt aufgefordert. «Assad hat kein Recht, Syrien zu führen, und hat jegliche Legitimität bei seinem Volk und der internationalen Gemeinschaft verloren», erklärte er am Samstag kurz vor der Abstimmung im Weltsicherheitsrat über einen überarbeiteten Resolutionsentwurf zu Syrien, der von den Vetomächten Russland und China blockiert wurde. Das Assad-Regime halte sich an der Macht, indem es das syrische Volk terrorisiere, und offenbare dadurch nur seine Schwäche. Der Zusammenbruch des Assad-Regimes sei unvermeidlich. Dem syrischen Volk sagte er die Unterstützung der USA zu. (AP) Clinton verurteilt Nein zu Syrien-Resolution
US-Aussenministerin Hillary Clinton hat mit scharfen Worten auf die Ablehnung der UNO-Resolution zu Syrien durch Russland und China im UNO-Sicherheitsrat reagiert. Wer diese Resolution blockiere, mache sich mitverantwortlich für weiteres Blutvergiessen und einen Bürgerkrieg in dem Land.
«Es ist schwer vorstellbar, dass es nach dem bisher blutigsten Tag in Syrien immer noch jene gibt, die die internationale Gemeinschaft daran hindern wollen, diese Gewalt zu verurteilen», sagte sie am Samstag in München. «Ich möchte sie fragen: Was müssen wir denn noch wissen, um im UNO-Sicherheitsrat entschlossen zu handeln?»
Clinton sagte, sie habe gleichentags in München am Rande der Sicherheitskonferenz ihren russischen Amtskollegen Sergej Lawrow vom Veto gegen die Syrien-Resolution abzubringen versucht: «Das war nicht möglich.»
Clinton fürchtet eine Eskalation der Gewalt in Syrien, wenn Präsident Baschar al-Assad weiter an der Macht bleibt. «Ich weiss, was passieren wird: mehr Blutvergiessen, zunehmender Widerstand jener, deren Familien getötet werden und eine grösser Wahrscheinlichkeit eines Bürgerkriegs», sagte sie.
Syrer stürmen Botschaften
Aufgebrachte Syrer haben in der Nacht auf den Samstag in der ägyptischen Hauptstadt Kairo die syrische Botschaft gestürmt, um gegen die jüngste Gewalt in ihrem Land zu protestieren.
Der Eingang des Botschaftsgebäudes wurde demoliert, Mobiliar und Computer zerstört, der erste Stock war teilweise ausgebrannt, wie ein Reuters-Korrespondent berichtete.
In London versammelten sich rund 150 Menschen vor der syrischen Botschaft zu Protesten. Dabei gelang es fünf Männern, in das Gebäude im Zentrum der britischen Hauptstadt einzudringen, wie Scotland Yard mitteilte. Die Männer seien festgenommen worden. Laut der BBC sollen Fenster eingeschmissen worden sein.
Die anderen Staaten zeigten sich entsetzt. «Wir haben so viel versucht, um einen Kompromiss zu finden», sagte Marokkos UNO- Botschafter Mohammed Loulichki. Er hatte den von Arabern und Europäern unterstützen Entwurf vorgelegt und auf russisches Drängen immer wieder abgeschwächt.
US-Aussenministerin Hillary Clinton zeigte sich empört über das Veto Russlands und Chinas: «Es ist Zeit, dass wir uns erklären: Sind wir für Frieden und Sicherheit oder werden wir Komplizen bei fortgesetzter Gewalt und Blutvergiessen sein?» Sie sei enttäuscht über das Doppelveto: «Ich möchte Sie fragen: Was müssen wir denn noch wissen, um im UNO-Sicherheitsrat entschlossen zu handeln?»
Ähnliche äusserte sich der britische Aussenminister William Hague. Es stelle sich die Frage, «wie viele Menschen noch sterben müssen, bis Russland und China dem UNO-Sicherheitsrat erlauben zu handeln». Anstatt die syrische Bevölkerung zu unterstützen, hätten die beiden Vetomächte sich auf die Seite des «brutalen Regimes» von Syriens Präsident Baschar al-Assad gestellt, beklagte Hague.
Noch deutlichere Worte kamen von US-Botschafterin Susan Rice: «Wir sind angewidert, dass einige Mitglieder uns davon abhalten, unsere Pflicht zu tun.» Der Rat werde seit Monaten «in Geiselhaft gehalten von zwei Ländern, die nur an ihre eigenen Interessen denken.» Im Text seien Sanktionen nicht einmal erwähnt worden. «Und besonders schändlich ist es, dann auch noch Waffen zu liefern.»
2 gegen 13
Russland und China wehrten sich gegen die Vorwürfe; «Wir bedauern diesen Ausgang», sagte Russlands Botschafter Witali Tschurkin. «Aber dieser Entwurf war unausgewogen.» Russland habe einen Kompromiss finden wollen. «Aber diese Versuche wurden von Ländern unterlaufen, die zu viel wollten, sogar einen Regimewechsel.»
Chinas Botschafter Li Baodong forderte ein Ende der Gewalt, sagte aber auch: «Die Ordnung in Syrien muss so schnell wie möglich wieder hergestellt werden.» Syriens Souveränität müsse unangetastet bleiben.
Russland und China haben bislang jede Kritik am Waffenkunden Syrien unterdrückt. Vor genau vier Monaten hatten beide Staaten schon einmal ihr Veto gegen eine Syrien-Resolution eingelegt, wurden dabei aber noch von einigen anderen Staaten unterstützt. Diesmal stimmten alle 13 anderen Länder für die Resolution.
Blutigste Kämpfe seit Beginn des Aufstandes
Unmittelbar vor der Abstimmung im Weltsicherheitsrat erlebte das Land die blutigsten Kämpfe seit Beginn des Aufstandes vor elf Monaten. Bei einem stundenlangen Beschuss von Wohnvierteln mit Panzer- und Mörsergranaten waren in der Rebellenhochburg Homs mindestens 260 Menschen getötet und weitere 1000 verletzt worden, wie Aktivisten aus der belagerten Stadt berichteten.
In Homs hätten kriegsähnliche Zustände geherrscht. Die Protestbewegung berichtete, dass Regierungstruppen die Stadt gestürmt und dann Stadtviertel gezielt mit Panzergranaten beschossen hätten. «Menschen sterben im Schutt ihrer eingestürzten Häuser», sagte der Aktivist Aiman Idlibi.
Die syrische Opposition nannte das Veto Russlands und Chinas enttäuschend. «Dieses Veto geht auf Kosten des syrischen Volkes und seines Blutes», sagte Nadschi Taijara vom Syrischen Nationalrat. Er gehe davon aus, dass die Regierung sich des Vetos sicher war. «Deshalb hat das Regime das Massaker in Homs verübt», sagte Taijara.
Syriens Botschafter Baschar Dschaafari nannte sein Land «die Heimat der Toleranz». «Jeder friedliche Demonstrant ist willkommen», seine Regierung kämpfe nur gegen Terroristen. Er sprach erneut von einer «internationalen Verschwörung, die Syrien zerstören will».
(sda/dapd)
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 72 Stunden, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.
-
Alle 30 Kommentare






























ich kann Russland nur Gratulieren
ich finde es gut das Russland und China ein Veto eingeleg hat. dieses Aufstand müssen die Araber Selber lösen
Macht die Augen auf
Huch, einige Leser Regen sich mächtig auf. Bitte vergesst nicht, dass die Amis schon mehrere Male ohne UN Resolution angegriffen haben. Wieso glaubt ihr, dass die Allianz ISR-USA dieses mal die Füße still hält? Hier geht es definitiv nicht um Syrien, hier gehts um den Iran und wie man den Weg dorthin frei Räumt. Oder glaubt ihr wirklich den Amis und Israelis geht es um die Bevölkerung dort? Nicht Blauäugig sein! Darum sag ich, recht so China und Russland.
Problem
Das Problem von Russland u China ist, würde es Sanktionen geben, die gem. Papier ohne Interventionen gelistet ist, dürfte Assad kaum mehr die Macht behalten früher oder später. Somit verlieren Russland u China einen ertragreichen Kunden für Waffen u Öl, denn diese sind nicht nur die grössten Lieferanten in Sachen Waffen, sondern auch die grössten Abnehmer in Sachen Öl, was ihre eigenen Interessen schwächen würde. Daran haben sie natürlich kein Interesse u Menschenleben /-rechte interessieren diese Länder herzlich wenig.