Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Suche nach Frieden
29. Januar 2012 09:24; Akt: 29.01.2012 22:39 Print
Staaten überarbeiten UNO-Resolution
Europäische und arabische Länder bringen die UNO-Resolution zu Syrien nach dem Stopp der Beobachtermission «auf den neusten Stand». Syrien gab sich derweil «überrascht» wegen des Abzugs der Mission.
Der Bürgerkrieg in Syrien wird immer heftiger. Gegner des Regimes von Baschar al-Assad Angriffe griffen am Wochenende offenbar sogar in Damaskus an und eroberten Gebiete in der Provinz. Die Regierung antwortete mit brutaler Gewalt. Wegen der Eskalation setzte die Arabische Liga ihre Beobachtermission aus.
Infografik Die arabische Welt im UmbruchSyrienDie Liga zog ihre Beobachter am Wochenende aus den Krisenherden ab und rief sie vorerst in die Hauptstadt Damaskus zurück. Am kommenden Sonntag will die Liga darüber entscheiden, ob sie die Mission fortsetzt. Gemäss Liga-Generalsekretär Nabil al-Arabi bleiben die Beobachter bis zum Entscheid in Syrien.
Der Leiter der Beobachtermission, Mohammed al-Dabi, beklagte die Zuspitzung der Lage. In den drei Tagen vor dem Entscheid vom Sonntag seien bei mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen.
Die syrische Regierung zeigte sich überrascht. Sie warf Al-Arabi vor, vor seinem Auftritt im UNO-Sicherheitsrat am Montag den Druck für ein Eingreifen erhöhen zu wollen. Ausserdem ermutige der Abbruch die bewaffneten Gruppen zu weiterer Gewalt.
Auch Russland äusserte Unverständnis. «Uns ist unklar, warum auf diese Weise mit einem so nützlichen Instrument umgegangen wird», sagte Aussenminister Sergej Lawrow gemäss der Agentur Interfax. Die Beobachtermission ist umstritten. Der Einsatz verzögere ein internationales Eingreifen zum Schutz der Bevölkerung und könne die Gewalt nicht beenden, erklärten die Assad-Gegner.
Warten auf die UNO
Nun warten beide Seiten auf eine Reaktion des UNO- Sicherheitsrats. Doch dieser ist in der Syrien-Frage zerstritten. Am Montag will der Rat neben Liga-Generalsekretär al-Arabi auch den Syrienbeauftragten der Organisation, Katars Regierungschef Scheich Hamad bin Dschasim al-Thani, anhören.
Der Syrische Nationalrat (SNC) will ebenfalls in New York vorsprechen und den Sicherheitsrat um Hilfe bitten. Die Opposition fordert eine Schutzzone für Aktivisten und Deserteure an der türkischen Grenze. Seit Beginn des Konfliktes im März 2010 wurden nach UNO-Schätzungen in Syrien mehr als 5600 Menschen getötet.
UNO in der Sackgasse
Am Donnerstag hatte der Sicherheitsrat bereits über Syrien beraten. In einem auf Vorstellungen der Arabischen Liga fussenden europäisch-arabischen Resolutionsentwurf werden politische Reformen und ein Ende der Gewalt gefordert.
Die arabische Initiative sieht zudem die Bildung einer Einheitsregierung innerhalb von zwei Monaten vor, wobei Assad die Macht an seinen Stellvertreter abgeben soll.
Die Veto-Macht Russland lehnt den Entwurf gegen seinen Verbündeten Syrien bislang ab. UNO-Botschafter Witali Tschurkin bezeichnete den Entwurf als «inakzeptabel». Er sprach von «roten Linien», die nicht überschritten werden dürften. Dazu gehörten alle Andeutungen von Sanktionen und eines Waffenembargos. Russland beliefert Syrien weiter mit Waffen.
Gefechte auch in den Vororten von Damaskus
In Syrien spitzte sich die Lage am Wochenende weiter zu. Aus vielen Landesteilen wurden Gefechte gemeldet, besonders aus den östlichen Vororten der Hauptstadt Damaskus. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte starben allein am Sonntag landesweit mindestens 80 Menschen, die Hälfte davon Zivilisten.
Offenbar laufen immer mehr Soldaten zur Opposition über. Nach Angaben der oppositionellen syrischen Muslimbruderschaft lief in der Provinz Damaskus-Land ein hoher Offizier zusammen mit 300 Soldaten über. Solche Angaben lassen sich aber nicht überprüfen.
Deserteure griffen gemäss der Opposition in Damaskus auch eine Zentrale des Geheimdienstes der syrischen Luftwaffe an. Fahnenflüchtige Soldaten sollen zudem über einige Gebiete der Provinz Homs die Kontrolle übernommen haben. Nach Angaben der Beobachtungsstelle gab kam es unter anderem zu Kämpfen zwischen Fahnenflüchtigen und Regierungstruppen in der Stadt al-Rastan in Homs.
(sda)



























