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Aufruhr in Ägypten
31. Januar 2011 06:31; Akt: 31.01.2011 10:05 Print
USA im moralischen Dilemma
Laut Wikileaks wussten die USA seit längerem über die Probleme des Mubarak-Regimes in Ägypten. Trotzdem unternahm die Weltmacht nichts.
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Sehenden Auges sind die USA in das moralische Dilemma hineinmarschiert, das sich mit den Massenprotesten gegen den ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak nun nicht mehr wegretuschieren lässt:
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Da ist zum einen ihre Nähe zu einem autoritären Regime, das zugleich als unverzichtbarer Verbündeter bei der Wahrung der Sicherheitsinteressen in der strategisch wichtigen Region zählt und als Garant für die Einhaltung des Friedensvertrags mit Israel von 1979 galt.
Zum anderen sind da die demokratischen Ideale, die Washington gerne überall in der Welt verwirklicht sehen möchte, die aber Mubarak höchstens in ungenügenden Ansätzen zuliess. Bereits Ende 2008 beschrieb die US-Botschafterin in Kairo, Margaret Scobey, die Lage laut einer von Wikileaks veröffentlichten geheimen Diplomaten-Depesche so: «Eine andauernde Herausforderung bleibt das Ausbalancieren unserer Sicherheitsinteressen mit unseren Bemühungen zur Förderung der Demokratie.» Mubarak täusche demokratische Reformen nur vor.
Am Sonntag redete die Chefdiplomatin, Aussenministerin Hillary Clinton, in Fernsehinterviews auf ungewöhnliche Weise Klartext zur Lage in Ägypten. Unter dem Eindruck fast einwöchiger Massenproteste gegen Mubarak sagte sie: «Es geht nicht darum, wer die Macht behält. Es geht darum, wie wir auf die legitimen Bedürfnisse und Missstände reagieren, die vom ägyptischen Volk vorgebracht werden, und wie wir einen neuen Weg einschlagen. Dieser Weg muss eindeutig einer sein, der zu einer demokratischen Zukunft führt.»
Die Frustration über Mubarak hat in Washington bereits zu Überlegungen geführt, die 1,5 Milliarden Dollar Auslandshilfe für die ägyptische Wirtschaft und das Militär in Frage zu stellen. Nur Israel bekommt von den USA mehr Unterstützung. Die Hilfe für beide Länder geht auf das historische Friedensabkommen von 1979 zurück - Ägypten ist der erste arabische Staat, der Frieden mit Israel schloss.
Die von Wikileaks veröffentlichten US-Depeschen zur US-Nahostpolitik zeigen, dass die amerikanischen Diplomaten in der Region keine Illusionen über die autoritären Regimes hatten, die seit Jahrzehnten von Algerien über Tunesien, Libyen und Ägypten bis Saudi-Arabien an der Macht sind. Zugleich ist daraus immer wieder das Unbehagen herauszulesen, eine Schwächung oder der Sturz dieser Regimes könnte islamischen Fundamentalisten Auftrieb in einer Region geben, in der Israel der engste Verbündete Washingtons ist. Politische Instabilität war zudem eine Horrorvision angesichts der amerikanischen Abhängigkeit vom Öl aus Saudi-Arabien und den Golfstaaten.
Politik des sowohl als auch am Ende?
Von daher ist sich die Regierung von Präsident Barack Obama sehr bewusst, dass die Herrscher in Saudi-Arabien und Jordanien sehr genau den amerikanischen Umgang mit der ägyptischen Protestbewegung beobachten. Denn daraus lassen sich Schlüsse ziehen, wie es ihnen ergehen könnte, sollte der Funke aus Tunis und Kairo zu ihnen überspringen.
Seit Samstag hat Obama mit König Abdullah von Saudi-Arabien sowie den Regierungschefs von Israel, der Türkei und Grossbritannien telefoniert, teilte das Weisse Haus mit. Obama habe betont, dass die USA Gewalt ablehnten, aber auch für universelle Rechte wie die Versammlungs- und Redefreiheit einträten und für einen geordneten Übergang zu einer Regierung in Ägypten seien, die auf die Wünsche des Volkes eingeht. Die Telefonberatungen sollten fortgesetzt werden.
Zu Beginn seiner Amtszeit vor zwei Jahren hat Obama in Kairo eine Grundsatzrede zum Verhältnis der USA zur arabischen und islamischen Welt gehalten, in der er die amerikanische Freundschaft anbot, aber auch Demokratie forderte. Nun ist seine Regierung mit einer schweren aussenpolitischen Krise konfrontiert, mit der die lange betriebene Politik des «Sowohl als auch» ans Ende zu kommen scheint. Mit seinen Entscheidungen kann er entweder die arabischen Massen auf der Strasse verärgern, die jetzt nach dem tunesischen den ägyptischen Aufstand feiern. Oder er bringt andere arabische Autokraten gegen sich auf, die lange Jahre für ein Wohlverhalten bei Öllieferungen und der Israelpolitik von den USA gehätschelt wurden.
(dapd)


























