


John McCain und Sarah Palin stehen geduldig da und warten, bis auch das Erinnerungsfoto mit dem jüngsten Sohn der fünfköpfigen Familie geschossen ist. Das nächste Touristen-Pärchen steht schon an, die Kamera im Anschlag. McCain und Palin lächeln weiterhin geduldig vor sich hin und rühren sich nicht vom Fleck. Können sie auch gar nicht, denn sie sind aus Karton. So wie Barack Obama, der auf der anderen Seite der Tür steht.
Die drei Pappkameraden sind der perfekte Blickfang für Touristen, die gerade vom Weissen Haus kommen. Sie locken sie direkt in den kleinen Souvenir-Laden von James Warlick. «Political Americana» heisst sein Geschäft, in dem er alles verkauft, was irgendwie mit Präsidenten oder solchen, die es werden wollen, zu tun hat. Anstecknadeln, Teller, Porträts und Aufkleber gehören zum normalen Repertoire. Und das reicht vom ersten bis zum künftigen 44. Präsidenten. Deshalb ist jede Ecke bis zur Decke ausgefüllt mit Souvenirs. Die Regale stehen so eng, dass man sich kaum umdrehen kann, ohne ein Set Obama-Golfbälle oder einen Stapel McCain-Spielkarten vom Brett zu fegen.
Neue Mitarbeiter angestellt
Der lange Wahlkampf hat dem Geschäft sehr gut getan, erzählt Ronald Baker, der dort seit drei Monaten arbeitet. Er wurde eingestellt, weil sein Chef für den Ansturm neue Mitarbeiter brauchte. Seit 30 Jahren hätte er so etwas nicht erlebt. Selbst Ronald Baker ist erstaunt, wie sich der Accessoires-Hype in seinen drei Monaten als Verkäufer gesteigert hat. Der Hit sind die «Bobbleheads»: Kleine Plastikfiguren, deren riesige Köpfe unkontrolliert hin- und herwackeln, sobald man sie berührt. Viel Spass für 20 Dollar.
Zocken mit McCain ist auch angesagt, von ihm gibt es ein Kartenspiel, wahlweise mit oder ohne Sarah Palin. Gut über den Ladentisch geht auch die Republikaner-Tasse: Bei heissen Getränken verfärben sich alle blauen Staaten der USA rot – also republikanisch. Die Demokraten trumpfen mit Alkoholischem auf und stellen Schnapsgläser her, auf denen «Hope» steht. Und dann natürlich die T-Shirts. In allen Farben – nur nicht mehr in allen Grössen. Ein Mann möchte ein blaues Obama-T-Shirt eine Nummer grösser kaufen. Keine Chance: alle ausverkauft.
An der Anzahl der T-Shirts kann Ronald Baker die Beliebtheit der Kandidaten ablesen. Barack Obama an erster Stelle, dann die Republikaner Sarah Palin und John McCain, das Schlusslicht ist Joe Biden. «Wir haben bis auf einen Anstecker keine Souvenirs, auf denen Joe Biden allein abgebildet ist», stellt Ronald Baker fest. Trotz Joe Biden als Ladenhüter: Die Demokraten haben die Nase auch bei der Produktion von Accessoires vorn. Rund 2,5 Millionen Obama-Produkte stehen laut Medienberichten rund
Kondome nur im Internet
Die meisten davon werden über das Internet verkauft. Eine Konkurrenz, die auch Ronald Baker nicht unterschätzt. Denn im Internet gibt es Sachen, die es bei ihm nicht zu kaufen gibt. Zum Beispiel Kondome mit den breit lachenden Gesichtern der Kandidaten. Auf Palins Packung steht: «When abortion is not an option.» McCain wirbt mit «Old but not expired» für sich und Obama verkündet besonnen: «Use with good judgement.» Ronald Baker bedauert es, dass er sie nicht verkaufen darf. «Das wäre bestimmt lustig», vermutet er.
Über das Internet werden vor allem Produkte verkauft, die nicht von der offiziellen Kampagne, sondern von eigenständigen Unternehmern hergestellt werden. Wie die beliebte «That One»-Serie. Sobald McCain in der vorletzten Fernsehdebatte seinen Konkurrenten mit einem abschätzigen «der da» bezeichnet hatte, gab es ein neues T-Shirt-Motiv online zu kaufen. Und Auto-Aufkleber. Und Anstecker. Die Maschinerie gehe so rasend schnell, dass sie als lokal niedergelassene Händler kaum mithalten könnten, sagt Ronald Baker. Sie hätten eine ganze Menge «That One»-Shirts bestellt – sie können aber nicht geliefert werden, weil sie schon längst online ausverkauft sind.
Zusätzliche Obama-Ware eingekauft
Ronald Baker ist dennoch zuversichtlich. «Wir haben für nächste Woche noch mal eine extra Lieferung Obama-T-Shirts und andere Obama/Biden-Accessoires nachbestellt», verrät er und zwinkert. «Die gewinnen nämlich.» Dann darf Joe Biden auch wieder neben Barack Obama vor der Tür stehen. Er wurde nämlich zusammengefaltet und eingepackt, weil für einen Ladenhüter nicht so viel Platz ist.
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