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US-Wahlkampf
10. Juli 2008 13:52; Akt: 10.07.2008 13:58 Print
Jesse Jacksons Tritt unter die Gürtellinie
von Peter Blunschi - Er wolle Barack Obama «die E... abschneiden», sagte der Bürgerrechtler Jesse Jackson im rechtslastigen TV-Sender «Fox News». Er glaubte, das Mikrophon sei ausgeschaltet. Nun ist ihm die Sache furchtbar peinlich.
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Es geschah am Sonntag in den Studios von «Fox News» in Chicago. «Barack behandelt die Schwarzen von oben herab, mit dieser Glaubenssache … ich möchte ihm die E… abschneiden», flüsterte Reverend Jesse Jackson dem Vizepräsidenten einer Krankenkasse zu. Er glaubte, Kamera und Mikrofon seien ausgeschaltet. Für den rechtslastigen TV-Sender war es ein gefundenes Fressen. Der konservative Moderator Bill O’Reilly präsentierte das Video umgehend in seiner Talkshow.
Obama-Töchter nicht mehr im TVDas Interview sorgte für einiges Aufsehen: Barack Obamas zehnjährige Tochter Malia erklärte in der TV-Sendung «Access Hollywood», sie finde ihren Vater manchmal peinlich, etwa wenn er sich sogar gegenüber ihren Freundinnen wie ein Wahlkämpfer benehme. Nun bedauert Obama dieses Interview, allerdings nicht wegen der Äusserung seiner Tochter. Man habe am 4. Juli – dem Nationalfeiertag – Malias Geburtstag gefeiert und sich dabei möglicherweise «von der Feierlaune hinreissen lassen». Nun wolle er keine TV-Auftritte seiner Töchter mehr zulassen: «Wir wollen sie davor schützen, dass ihr Leben zu sehr von Kameras und Politik bestimmt wird».
Jesse Jackson veröffentlichte eiligst eine Entschuldigung, gefolgt von einer Pressekonferenz, in der er Obama als Krönung aller «Märsche, Martyrien und Morde» rühmte, die seine Generation im Kampf um die Bürgerrechte habe erdulden müssen. Jackson ist ein Veteran der Bewegung, er war ein Mitstreiter von Martin Luther King und kandidierte 1984 selber für die Präsidentschaft, wobei er einen Achtungserfolg erzielte. Nun betonte er: «Meine Unterstützung für Senator Obamas Wahlkampf ist breit, tief und unerschütterlich.»
Private oder staatliche Hilfe?
Den Widerspruch zwischen diesem Treuebekenntnis und den abschätzigen Bemerkungen sehen Beobachter als Folge eines Generationenkonflikts unter Afroamerikanern. Obama hatte zuletzt mehrfach schwarze Väter aufgefordert, sich mehr um ihre Familien zu kümmern. Er erklärte zudem, er wolle die von Präsident Bush eingeleitete Förderung von Sozialdiensten, die von Kirchen oder religiösen Gruppen betrieben werden, fortsetzen.
Jesse Jackson als Bürgerrechtler alter Schule setzt dagegen mehr auf staatliche Hilfe. Er habe Obama nur daran erinnern wollen, dass er «nicht nur an die moralische und persönliche Verantwortung der schwarzen Männer appellieren soll, sondern auch an die kollektive Verantwortung von Regierung und Öffentlichkeit», erklärte er.
Jackson jr. attackiert den Vater
Der Kritik konnte er sich trotzdem nicht entziehen. Die härteste kam vom eigenen Sohn, dem Kongressabgeordneten Jesse Jackson jr., einem hochrangigen Mitglied von Barack Obamas Wahlkampfteam. «Ich bin über Reverend Jacksons rücksichtslose Bemerkungen zutiefst wütend und enttäuscht.» Gegenüber der «Washington Post» legte er nach: «Er ist mein Vater und ich werde ihn immer lieben. Aber er sollte auch wissen, wie hart ich in den letzten eineinhalb Jahren für Barack Obamas Kandidatur gearbeitet habe. Deshalb weise ich sein übles Gerede vollumfänglich zurück.»
Für die «Washington Post» verdeutlicht der Zwist von Vater und Sohn Jackson die Kluft zwischen jener Generation schwarzer Führer, die in der Bürgerrechtsbewegung aktiv waren, und jüngeren Kräften, die ihren Führungsanspruch über die schwarze Gemeinschaft hinaus anmelden. Schon früher habe sich Jackson jr. gegen die Wünsche seines Vaters gestellt, Obama möge mehr wie ein klassischer Bürgerrechtler auftreten.
Obama könnte profitieren
Obamas Wahlkampfteam äusserte sich nur sehr knapp zur Kontroverse. Senator Obama werde weiterhin über die Verantwortung des Einzelnen gegenüber den Mitmenschen sprechen, «und natürlich akzeptiert er Reverend Jacksons Entschuldigung», sagte sein Sprecher Bill Burton. Am Ende dürfte ihm der Zwist sogar nützen. Selbst konservative Kreise glauben gemäss «Washington Post», dass Obama bei der weissen Arbeiterklasse punkten könnte, für die Jesse Jackson das Feindbild des «wütenden schwarzen Mannes» darstellt.


























