Phänomen Herman Cain

01. November 2011 19:10; Akt: 01.11.2011 19:11 Print

Der neue Liebling der KonservativenDer neue Liebling der Konservativen

von Peter Blunschi - Mit derben Sprüchen hat Herman Cain die Herzen konservativer Republikaner erobert. Nun muss sich der schwarze Präsidentschaftskandidat gegen Sex-Vorwürfe wehren.

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: Der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses hat bislang eine Achterbahnfahrt erlebt. Mit dem Sieg bei der Vorwahl in South Carolina war er zuletzt ganz oben. Unklar ist, wie lange dies so bleibt, denn Gingrich schleppt viel Ballast mit sich herum. : Der Ex-Gouverneur von Massachusetts und Multimillionär gilt als mehrheitsfähig. Doch viele Konservative tun sich schwer mit dem Mormonen, sie halten ihn für zu glatt und abgehoben. Nach gutem Start in die Vorwahlen ist er zuletzt in Rücklage geraten. Der 53-jährige Italoamerikaner sass zwölf Jahre für den Bundesstaat Pennsylvania im Senat, ehe er 2006 abgewählt wurde. Er politisiert am rechten Rand der Partei. Lange war er ein krasser Aussenseiter, doch in Iowa gewann er knapp gegen Romney. : Der Texaner hat mit seinen libertären, staatskritischen Ansichten eine grosse Fangemeinde erobert. Diese hat ihm bei den bisherigen Vorwahlen zu teilweise guten Resultaten verworfen. Eine Chance auf die Nomination hat er trotzdem nicht. Der Gouverneur von Texas stieg im August ins Rennen ein und erreichte in den Umfragen sofort Spitzenwerte. Doch nach einigen Patzern stürzte er immer tiefer ab. Nach schwachen Ergebnissen in Iowa und New Hampshire stieg er aus dem Rennen aus. : Er war Gouverneur von Utah, US-Botschafter in China und ist bekennender Mormone, wie Mitt Romney. Huntsman wollte sich als moderate Alternative zu diesem anbieten, doch wirklich durchsetzen konnte er sich nie. Am 16. Januar warf er das Handtuch. Die Kongressabgeordnete aus Minnesota hat fünf eigene und 23 Pflegekinder. Sie ist eine Favoritin der Tea-Party-Bewegung und berüchtigt für ihr loses Mundwerk. Nachdem sie bei der Vorwahl in ihrem Geburtsstaat Iowa nur den letzten Platz belegte, gab sie ihre Bemühungen auf. Der ehemalige Chef einer Pizza-Kette inszeniert sich als Anti-Politiker und kommt damit vor allem bei der Tea-Party-Bewegung an. Vorwürfe wegen sexueller Belästigung und peinliche Patzer haben ihm jedoch geschadet - so sehr, dass er am 3. Dezember 2011 seine Kandidatur vorläufig auf Eis gelegt hat. Mit seiner zupackenden Art hat er sich als Gouverneur von New Jersey schnell Respekt verschafft. Für viele Republikaner ist er ein Hoffnungsträger, doch am 4. Oktober 2011 stellte Christie ein für allemal klar, dass er nicht kandidieren wird. : Die ehemalige Gouverneurin von Alaska erhält viel Aufmerksamkeit, doch ob sie in der Lage wäre, gegen Barack Obama zu gewinnen, haben viele bezweifelt. Am 5. Oktober 2011 hat sie ihren Verzicht auf eine Kandidatur bekanntgegeben. Der Bruder von George W. Bush (l.) hat sich als früherer Gouverneur von Florida Respekt verschafft. Einen weiteren Bush im Weissen Haus will er den Amerikanern aber offensichtlich nicht zumuten. «Ich kandidiere nicht», hielt er in einer Mitteilung fest. Der Kongressabgeordnete von Wisconsin hat den radikalen Budget-Sparplan der Republikaner entworfen. Das macht ihn für viele in der Partei zu einem möglichen Kandidaten, doch Ryan will davon bislang nichts wissen. Der populäre Gouverneur von Indiana und Budgetdirektor in der Regierung von George W. Bush galt als Favorit der Parteiführung. Am 22. Mai 2011 erklärte er jedoch aus Rücksicht auf seine Familie den Verzicht auf eine Kandidatur. : Dem ehemaligen Gouverneur von Arkansas gelang 2008 zum Auftakt der Vorwahlen ein Überraschungssieg. Dieses Mal hat der Baptistenprediger frühzeitig das Handtuch geworfen. : Der Gouverneur von Minnesota hat versucht, sich als solider Konservativer zu profilieren. Allerdings fehlt es ihm an Charisma. Im Juli stieg er als erster Kandidat aus dem Rennen aus. Der New Yorker Immobilienmogul sorgte mit markigen Sprüchen für Furore und erklomm in den Umfragen kurzzeitig den Spitzenplatz. Dann krebste er zurück: Seine vermeintliche Präsidentschaftskandidatur war wohl nur ein Werbegag für seine TV-Show «The Celebrity Apprentice».

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Er galt lange als krasser Aussenseiter. Doch in den letzten Wochen hat Herman Cain das republikanische Bewerberfeld von hinten aufgerollt. Im Bundesstaat Iowa, wo am 3. Januar 2012 die erste Vorwahl stattfinden wird, liegt er laut einer neuen Umfrage in Führung, knapp vor Mitt Romney, dem Favoriten des Partei-Establishments. Cains Aufstieg erstaunt, denn der 65-jährige Gastro-Unternehmer hat noch nie ein politisches Amt bekleidet. Nun aber wird seine Präsidentschaftskandidatur einer ernsthaften Belastungsprobe unterzogen.

Laut der Website Politico soll Herman Cain in den 90er Jahren als Vorsitzender des US-Gaststättenverbandes zwei weibliche Angestellte sexuell belästigt haben. Der Verband habe darauf mit den Frauen einen Vergleich vereinbart. Cains Verteidigung wirkte am Montag wenig überzeugend. Erst wies er die Anschuldigungen als «komplett falsch» zurück. Später räumte er in einem Interview mit dem Fernsehsender PBS ein, er habe gegenüber einer der Frauen eine Bemerkung gemacht, welche diese als «unangemessen» empfunden habe.

Ein typischer Selfmademan

Für die «Washington Post» bleiben wichtige Fragen offen: Was wird Cain genau vorgeworfen? Und wie sieht der Vergleich aus, den die Frauen mit dem Restaurantverband geschlossen haben? Die angeblichen «Opfer» wollten sich bislang nicht äussern – offensichtlich wurden sie in der Vereinbarung zum Stillschweigen verpflichtet. Dafür wird umso lauter darüber diskutiert, ob der angebliche Sexskandal Herman Cain politisch «erledigen» wird.

Sexuelle Belästigung ist in den USA ein schwerwiegender Vorwurf, vor allem an die Adresse eines Kandidaten, der sich stramm konservativ gibt und an traditionelle Familienwerte appelliert. Doch Herman Cain scheint sich den üblichen Mechanismen zu entziehen. Er hat eine typische «Tellerwäscher-Karriere» absolviert. Aus einfachen Verhältnissen in Atlanta (Georgia) stammend, hat er sich zum CEO der Restaurantkette «Godfather’s Pizza» hochgearbeitet und diese vor dem Bankrott gerettet. «Auf die gleiche Weise werde ich Amerika erneuern», lautet die Botschaft des «Pizza-Manns» im Wahlkampf.

Rustikaler Humor

Der simple Ansatz ist Programm: Herman Cain inszeniert sich bewusst als «Anti-Politiker» und trifft damit den Nerv der Tea-Party-Bewegung mit ihrer Anti-Staat-Ideologie. Auch mit träfen Sprüchen und rustikalem Humor vermag er zu punkten. So forderte er etwa die Errichtung eines Elektro-Zauns an der Südgrenze der USA zur Abschreckung von illegalen Einwanderern aus Lateinamerika. Ein paar Tote müsse man dabei in Kauf nehmen, befand Cain. Damit sorgte er für Empörung, die er mit der Bemerkung konterte, dies sei «ein Witz» gewesen.

Es war nicht der einzige Ausrutscher, doch seine Umfragewerte bleiben hoch. Für seine konvervativen Anhänger könne Herman Cain «nichts falsch machen», stellte «Washington Post»-Kolumnist Dana Milbank fest. Ihnen ist es egal, dass die meisten Ökonomen Herman Cains 9-9-9-Steuerkonzept (je neun Prozent Einkommens-, Unternehmens- und Mehrwertsteuer) in der Luft zerreissen und als untauglich betrachten. Selbst den angeblichen Sexskandal dürfte er überleben, sofern keine neuen und belastenden Fakten auftauchen.

«Herman wird Herman bleiben»

Dabei fragen sich viele Kommentatoren, wie ernst es ihm mit seiner Kandidatur tatsächlich ist, und ob er nicht einfach Werbung für seine kürzlich erschienene Autobiographie machen will. Das bizarre Werbevideo, in dem sein Wahlkampfchef Mark Block genüsslich an einer Zigarette zieht, sorgt genauso für Irritationen wie die Tatsache, dass sich Cains Ehefrau Gloria vollkommen im Hintergrund hält, was nicht den Gepflogenheiten eines US-(Medien-)Wahlkampfs entspricht.

Der Erfolg des «Pizza-Manns» ist ein Symptom für die Schwäche des republikanischen Kandidatenfelds und die verzweifelte Suche des konservativen Lagers nach einem wählbaren Kandidaten. Michele Bachmann und Rick Perry haben enttäuscht, Mitt Romney ist und bleibt ungeliebt. Dennoch bleibt der Weg für Herman Cain ins Weisse Haus sehr weit, er geniesst keinerlei Rückhalt bei der Partei-Elite und den grossen Geldgebern – und ohne deren Unterstützung wird niemand Präsident. Doch das scheint ihn nicht zu erschüttern. «Herman wird Herman bleiben», erklärte er am Montag. Es klingt wie eine Drohung.

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  • S. Beyer am 06.11.2011 18:55 Report Diesen Beitrag melden

    Republikaner schlechte Kandidaten.

    Keine Frage, dass Obama wieder gewählt wird, obwohl er nicht gut ist. Die Rep. Kandidaten sind noch viel schlechter und unglaubwürdig. Einzig Ron Paul hätte eventuell Chancen, wenn er mind. 20 Jahre jünger wäre. Es wie einst mit Helmut Kohl. Er war ungenügend und wurde trotzdem wieder gewählt, weil die SPD Kandidaten noch schlechter waren.

  • Beat Rebmann am 01.11.2011 20:06 Report Diesen Beitrag melden

    Ron Paul

    Sehr geehrter Herr Blunschi Den mit Abstand fähigsten und beim Volk beliebtesten Mann haben Sie in Ihrer Aufzählung vergessen. Lustiger Weise passiert dies sonst nur FOX News in USA. Beste Grüsse Beat Rebmann