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Republikaner in Not
25. Januar 2012 15:35; Akt: 25.01.2012 15:44 Print
Die Sehnsucht nach dem «Messias»
von Peter Blunschi - Gingrich oder Romney? Für viele ist dies keine Wahl, sondern eine Qual. Manche US-Republikaner hoffen deshalb auf einen Späteinsteiger - doch die Risiken sind gross.

Die Gouverneure Bobby Jindal und Bob McDonnell sowie der Abgeordnete Paul Ryan (von links) waren offenbar als «wilde» Kandidaten im Gespräch. (Bild: Keystone)
Manch ein republikanischer Parteibonze dürfte am Sonntag mit brummendem Schädel erwacht sein. Wenn er denn überhaupt Schlaf gefunden hat. Denn die Vorwahl in South Carolina am Samstag hat die schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Amerikas Grand Old Party hat keinen überzeugenden Herausforderer für US-Präsident Barack Obama. Der vermeintlich wählbarste Anwärter, Mitt Romney, ist abgestürzt. Klar gewonnen hat Newt Gingrich, eine politische «Zeitbombe», die jederzeit detonieren und die Partei in Stücke reissen könnte.
Bildstrecken Obamas mögliche Herausforderer 2012Nun droht der Partei ein zermürbender Vorwahlkampf. Favorit bleibt Romney, er verfügt über eine finanziell und organisatorisch gut geölte Wahlkampf-Maschine. Doch South Carolina hat einmal mehr gezeigt: Die konservative Wählerschaft traut dem ehemaligen Gouverneur von Massachusetts nicht über den Weg. Wie gross der Frust an der Parteibasis ist, zeigt eine aktuelle Umfrage von «New York Times» und CBS News: 68 Prozent der republikanischen Wähler wollen eine grössere Kandidaten-Auswahl.
Diskussionen über «wilde» Kandidatur
Da erstaunt es nicht, dass verschiedene US-Medien über einen möglichen Späteinsteiger spekulieren, eine Art «Messias», der die Republikaner von ihrem Kandidaten-Elend erlösen könnte. Normalerweise wäre ein solches Szenario zu diesem späten Zeitpunkt «Science Fiction», schrieb CNN-Politanalyst David Gergen. Ein neuer Kandidat müsste einen Kaltstart hinlegen, ohne Organisation und ohne Geld. Doch dies sind keine normalen Zeiten. Und tatsächlich scheint es entsprechende Planspiele zu geben – oder gegeben zu haben.
Einige Wochen vor der Primärwahl in New Hampshire am 10. Januar hätten mehrere prominente Republikaner über die Lancierung einer «wilden» Kandidatur diskutiert, enthüllte das konservative Magazin «National Review». Drei Namen seien im Gespräch gewesen: Bobby Jindal, der indischstämmige Gouverneur von Louisiana, Bob McDonnell, sein Amtskollege im Bundesstaat Virginia, und der Abgeordnete Paul Ryan aus Wisconsin, der sich als Budget-Experte im Repräsentantenhaus und knallharter Sparpolitiker einen Namen gemacht hat.
Alle drei gehören zu jenen republikanischen Schwergewichten, die sowohl die konservative Basis als auch gemässigte Mitte-Wähler «abholen» können. Und alle drei haben eine Kandidatur stets ausgeschlossen. Doch in besagtem Szenario hätte man einen von ihnen auch gegen seinen Willen pushen können, als so genannten «Write in»-Kandidaten: Sein Name wäre handschriftlich auf den Wahlzettel eingetragen worden. Bei einem erfolgreichen Abschneiden in New Hampshire, so das Kalkül, hätte sich besagter Politiker kaum verweigern können.
Historisches Vorbild
Dafür gibt es sogar ein historisches Vorbild: 1964 waren die Republikaner tief gespalten in Anhänger des erzkonservativen Barry Goldwater und des liberalen Nelson Rockefeller. Eine kleine Gruppe von Fans lancierte deshalb in New Hampshire eine Write-in-Kandidatur für Henry Cabot Lodge, den damaligen US-Botschafter in Südvietnam. Er war vier Jahre zuvor von Richard Nixon als Vizepräsidentschafts-Kandidat erkoren worden. Das Undenkbare trat ein: Lodge gewann die Vorwahl in New Hampshire klar vor Goldwater und Rockefeller.
Letztlich zögerte Lodge aber zu lange mit einem Einstieg ins Präsidentschaftsrennen. Deshalb holte Barry Goldwater die Nomination und verlor die Wahl haushoch gegen Amtsinhaber Lyndon Johnson. Doch nicht nur wegen dieser historischen Erfahrung wurde der aktuelle Plan nicht weiter verfolgt. Nur wenige der prominenten Republikaner hätten ihren Namen für «einen dubiosen, späten, hoch riskanten Effort» hergeben wollen, welcher der Partei vermutlich nur Ärger eingebracht hätte, schreibt die «National Review».
Zu grosse Risiken
Tatsächlich wären die Risiken enorm. In einigen Bundesstaaten ist die Anmeldefrist für die Vorwahl bereits abgelaufen. Die «National Review» hat ausgerechnet, dass in jenen Staaten, in denen ein Späteinsteiger noch antreten könnte, insgesamt 994 Delegiertenstimmen vergeben werden. Für die Nomination werden 1144 benötigt. Das Risiko wäre folglich gross, dass am Ende des Primary-Zyklus kein Kandidat genügend Stimmen beisammen hätte und der Nominierungs-Parteitag Ende August nicht wie gewohnt als «Krönungsmesse» abgehalten würde, sondern in ein wüstes Geschacher ausarten könnte.
Hinzu käme der programmierte Widerstand der vorhandenen Kandidaten, vor allem von Mitt Romney. Sie würden es nicht tatenlos hinnehmen, dass ihnen ein Nachzügler die Suppe versalzt. Der ohnehin aufgeheizte Wahlkampf könnte dann endgültig entgleisen. Deshalb bleibt es höchst unwahrscheinlich, dass der ersehnte «Messias» noch auftauchen wird. Und weil der Fundi-Katholik Rick Santorum und der libertäre Querkopf Ron Paul als unwählbar gelten, bleibt den Republikanern wohl nur die Wahl zwischen dem wendigen Romney und dem sprunghaften Gingrich. Oder zwischen Pest und Cholera, wie manche stöhnen.
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Alle 36 Kommentare






























Ron Paul Wahn
Ron Paul mag eine interessante Figur sein, die für ihre Ideale einsteht. Dies ist zwar lobenswert, aber nur schon die Tatsache, dass er alle Sozialwerke abschaffen will und ablsolute Freiheit zum Tragen einer Waffe fordert, sollte uns Europäern klar machen, wieso er unwählbar ist. Zudem ist er 77 und das Risiko, dass ihm wie McCain ein völlig unfähiger Vizekandidat zur Verfügung gestellt wird und im Falle seines Todes Präsident würde, ist doch einfach zu gross.
Dennis Kucinich
Das mit den Sozialwerken ist kritisch, das stimmt. Jedoch würde Paul mit grosser Wahrscheinlichkeit Dennis Kucinich in sein Kabinet wählen, vielleicht sogar als VP, was ein riesiger Gewinn für das Volk wäre.
Ron Paul
Bin selber für Ron Paul, muss nur denen sagen, wieso er nicht erwähnt wird. Es hat damit zu tun, dass er keinen echten Republikaner ist. Hat selber versucht mit den Libertarians das weisse Haus in '88 zu gewinnen. Die Republikaner mögen ihn einfach nicht, v.a. was die Aussenpolitik angeht. Ist eigentlich traurig.
Ron Paul 2012!
Ron Paul ist der einzige Kandidat des VOLKES, die Kandidaten von Goldman Sachs, Barack Obama und Mitt Romney werden verlieren!