Republikaner in Not

20. November 2011 21:23; Akt: 20.11.2011 21:24 Print

Eine schrecklich lahme FamilieEine schrecklich lahme Familie

von Peter Blunschi - Langweiler, Dummschwätzer, Nobodys – das Bewerberfeld der Republikaner für die US-Präsidentschaft ist ein bedenklich schwacher Haufen. What’s going on?

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: Der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses hat bislang eine Achterbahnfahrt erlebt. Mit dem Sieg bei der Vorwahl in South Carolina war er zuletzt ganz oben. Unklar ist, wie lange dies so bleibt, denn Gingrich schleppt viel Ballast mit sich herum. : Der Ex-Gouverneur von Massachusetts und Multimillionär gilt als mehrheitsfähig. Doch viele Konservative tun sich schwer mit dem Mormonen, sie halten ihn für zu glatt und abgehoben. Nach gutem Start in die Vorwahlen ist er zuletzt in Rücklage geraten. Der 53-jährige Italoamerikaner sass zwölf Jahre für den Bundesstaat Pennsylvania im Senat, ehe er 2006 abgewählt wurde. Er politisiert am rechten Rand der Partei. Lange war er ein krasser Aussenseiter, doch in Iowa gewann er knapp gegen Romney. : Der Texaner hat mit seinen libertären, staatskritischen Ansichten eine grosse Fangemeinde erobert. Diese hat ihm bei den bisherigen Vorwahlen zu teilweise guten Resultaten verworfen. Eine Chance auf die Nomination hat er trotzdem nicht. Der Gouverneur von Texas stieg im August ins Rennen ein und erreichte in den Umfragen sofort Spitzenwerte. Doch nach einigen Patzern stürzte er immer tiefer ab. Nach schwachen Ergebnissen in Iowa und New Hampshire stieg er aus dem Rennen aus. : Er war Gouverneur von Utah, US-Botschafter in China und ist bekennender Mormone, wie Mitt Romney. Huntsman wollte sich als moderate Alternative zu diesem anbieten, doch wirklich durchsetzen konnte er sich nie. Am 16. Januar warf er das Handtuch. Die Kongressabgeordnete aus Minnesota hat fünf eigene und 23 Pflegekinder. Sie ist eine Favoritin der Tea-Party-Bewegung und berüchtigt für ihr loses Mundwerk. Nachdem sie bei der Vorwahl in ihrem Geburtsstaat Iowa nur den letzten Platz belegte, gab sie ihre Bemühungen auf. Der ehemalige Chef einer Pizza-Kette inszeniert sich als Anti-Politiker und kommt damit vor allem bei der Tea-Party-Bewegung an. Vorwürfe wegen sexueller Belästigung und peinliche Patzer haben ihm jedoch geschadet - so sehr, dass er am 3. Dezember 2011 seine Kandidatur vorläufig auf Eis gelegt hat. Mit seiner zupackenden Art hat er sich als Gouverneur von New Jersey schnell Respekt verschafft. Für viele Republikaner ist er ein Hoffnungsträger, doch am 4. Oktober 2011 stellte Christie ein für allemal klar, dass er nicht kandidieren wird. : Die ehemalige Gouverneurin von Alaska erhält viel Aufmerksamkeit, doch ob sie in der Lage wäre, gegen Barack Obama zu gewinnen, haben viele bezweifelt. Am 5. Oktober 2011 hat sie ihren Verzicht auf eine Kandidatur bekanntgegeben. Der Bruder von George W. Bush (l.) hat sich als früherer Gouverneur von Florida Respekt verschafft. Einen weiteren Bush im Weissen Haus will er den Amerikanern aber offensichtlich nicht zumuten. «Ich kandidiere nicht», hielt er in einer Mitteilung fest. Der Kongressabgeordnete von Wisconsin hat den radikalen Budget-Sparplan der Republikaner entworfen. Das macht ihn für viele in der Partei zu einem möglichen Kandidaten, doch Ryan will davon bislang nichts wissen. Der populäre Gouverneur von Indiana und Budgetdirektor in der Regierung von George W. Bush galt als Favorit der Parteiführung. Am 22. Mai 2011 erklärte er jedoch aus Rücksicht auf seine Familie den Verzicht auf eine Kandidatur. : Dem ehemaligen Gouverneur von Arkansas gelang 2008 zum Auftakt der Vorwahlen ein Überraschungssieg. Dieses Mal hat der Baptistenprediger frühzeitig das Handtuch geworfen. : Der Gouverneur von Minnesota hat versucht, sich als solider Konservativer zu profilieren. Allerdings fehlt es ihm an Charisma. Im Juli stieg er als erster Kandidat aus dem Rennen aus. Der New Yorker Immobilienmogul sorgte mit markigen Sprüchen für Furore und erklomm in den Umfragen kurzzeitig den Spitzenplatz. Dann krebste er zurück: Seine vermeintliche Präsidentschaftskandidatur war wohl nur ein Werbegag für seine TV-Show «The Celebrity Apprentice».

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Es treten an: Ein Favorit, den niemand mag (Mitt Romney), drei Witzfiguren (Michele Bachmann, Herman Cain, Rick Perry), ein paar mehr oder weniger Namenlose sowie als «Dekoration» der ewige Querkopf Ron Paul. Sie alle wollen Präsident werden – nicht irgend eines Bowling-Klubs, sondern der Vereinigten Staaten von Amerika. Eineinhalb Monate vor Beginn der parteiinternen Vorwahlen präsentiert sich das Bewerberfeld der republikanischen Partei als reichlich desolate Truppe, die niemanden mitzureissen vermag.

Amerikas Polit-Experten staunen, und der durchschnittliche Joe Sixpack wundert sich: Was ist nur los mit der stolzen Grand Old Party? Denn die Voraussetzungen, einen Amtsinhaber aus dem Weissen Haus zu werfen, waren selten so gut: Eine rekordhohe Arbeitslosigkeit, eine schwächelnde Wirtschaft, eine Nation in der Identitätskrise. Drei Viertel der Amerikaner sind gemäss Umfragen überzeugt, ihr Land bewege sich eindeutig in die falsche Richtung. Viele werfen Barack Obama vor, er zeige zu wenig Führungsqualitäten. Doch ein starker Herausforderer für den Präsidenten ist nicht erkennbar.

Sicher, Mitt Romney ist ein seriös wirkender Typ, der kaum Fehler macht. Aber der frühere Gouverneur von Massachusetts hat auch den Ruf einer prinzipienlosen Windfahne, die ihre Ansichten dem jeweiligen Publikum anzupassen pflegt. Und für viele in der Partei hat er als Mormone die falsche Religion. Der schwarze Gastro-Unternehmer Herman Cain fragt sich wohl immer noch, ob Libyen eine Essware ist oder ein Getränk. Und der texanische Gouverneur Rick Perry ist schon froh, wenn er einen geraden Satz hinbekommt.

And the Winner is: Obama

Zehn Fernsehdebatten haben die republikanischen Bewerber bereits hinter sich. Für Politico-Kolumnist Roger Simon steht fest, wer der grosse Sieger ist: Barack Obama. Eine neue Umfrage liefert den Beleg: Der Präsident bleibt zwar verwundbar, liegt aber gegenüber sämtlichen republikanischen Bewerbern in Front. Kein Wunder, denkt man an die letzte Debatte zum Thema Aussenpolitik. Wer sie verfolgte, musste sich die Augen reiben, denn ausser Plattitüden und dumpfem Kriegsgeraune hatten die potenziellen Herausforderer kaum etwas zu bieten.

«Wo sind die republikanischen Schwergewichte?» fragte der «Washington Post»-Blogger Ezra Klein fast schon verzweifelt. Es gäbe sie sehr wohl: Rudy Giuliani, Chris Christie, Mitch Daniels, Bobby Jindal, Paul Ryan, und das sind nur einige Namen. Doch sie alle stiegen früh aus oder traten gar nicht erst an. Über die Gründe rätselt ein ganzes Land, doch eine klare Antwort kann kaum jemand liefern. Fünf mögliche Gründe bieten sich an:

Die Leiche im Keller: Der eine oder andere potenzielle Bewerber mag sich vor unliebsamen Enthüllungen fürchten. Zum Beispiel John Ellis «Jeb» Bush, der jüngere und eigentlich politisch begabtere Bruder von Ex-Präsident «W». Doch der ehemalige Gouverneur von Florida lehnte eine Kandidatur stets kategorisch ab, was wohl nicht nur am «falschen» Nachnamen liegt. Jeb Bush war unter anderem mit der Skandalbank Lehman Brothers verbandelt, deren Konkurs im September 2008 beinahe das Finanzystem kollabieren liess. Auch wurden ihm aussereheliche Affären nachgesagt. Ähnliche Probleme privater Art hat auch der frühere New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani.

Der Zustand der Partei: Unter dem Einfluss der staatsfeindlichen Tea-Party-Bewegung sind die Republikaner noch weiter nach rechts gerückt. Die Hardliner treiben die Kandidaten vor sich her und zwingen sie zu radikalen Positionsbezügen etwa beim Reizthema illegale Einwanderung – zur Freude der Demokraten. Wer auch immer am Ende nominiert wird, steht vor einer äusserst heiklen Aufgabe. Er muss die rechte Basis weiterhin bei Laune halten und gleichzeitig die politische Mitte umwerben, ohne die niemand Präsident wird. Ein gewagter Spagat, bei dem man leicht auf die Nase fallen kann.

Die Lage der Nation: Aussenpolitisch hat Barack Obama die Kehrtwende eingeleitet, doch im Innern präsentieren sich die USA in einem bedenklichen Zustand. Das Land konsumiert zu viel und produziert zu wenig, die Arbeitslosigkeit ist hoch, nur eine kleine Minderheit profitiert von steigenden Löhnen, der Sozialstaat wird unbezahlbar, die Staatsverschuldung ist exorbitant, die Infrastruktur marode, der Immobilienmarkt liegt am Boden. Gleichzeitig herrscht in Washington eine politische Blockade, vernünftige Lösungen scheinen undenkbar. Kurzum: Der Begriff Herkulesarbeit ist eine glatte Untertreibung für die Aufgabe, diesen Augiasstall auszusmisten.

Die Kampfkraft des Amtsinhabers: Barack Obama mag viele enttäuscht haben. Doch seine Qualitäten als Wahlkämpfer sind seit 2008 bestens bekannt. Damals gelang es dem relativ unerfahrenen Senator, mit Hillary Clinton und John McCain zwei politische Schwergewichte platt zu machen. Nun ist seine Kriegskasse bereits wieder gut gefüllt, die gefürchtete Wahlkampf-Maschinerie angelaufen. Ausserdem ist er nicht so unpopulär, wie es den Anschein hat. Mehr als 40 Prozent haben eine positive Meinung von ihm – seine Chancen sind intakt.

Die Härte des Rennens: Die US-Präsidentschaftswahlen haben sich zu einem brutalen Marathon entwickelt, der den Bewerbern fast schon Unmenschliches abverlangt und Unsummen verschlingt. Wer einsteigt, braucht nicht Nerven aus Stahl, sondern aus Titan. Jedes falsche Blinzeln wird von den Medien zerpflückt. Den zehn Fernsehdebatten werden in den nächsten vier Monaten 13 (!) weitere folgen, und dann geht's erst richtig los. Nicht jeder will sich das antun. Mitch Daniels, der Gouverneur von Indiana, verzichtete auf eine Kandidatur, weil er seiner Familie den Verlust an Privatsphäre nicht zumuten wollte.

Fazit: Die Ausgangslage ist nicht so rosig, wie es auf den ersten Blick scheint, sondern wohl so schwierig wie nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Wen wundert's, dass gerade vernunftbegabte Leute abtauchen und Richtung 2016 oder sogar 2020 schielen. Deshalb scheint alles auf Mitt Romney hinauszulaufen, obwohl die Konservativen nach wie vor eine Alternative suchen. Nach den Flops mit Bachmann, Perry und Cain steht Newt Gingrich hoch im Kurs – der ehemalige Vorsitzende des Repräsentantenhauses, ein Mann mit turbulentem Privatleben, sprunghaftem Gebaren und diversen dunklen Flecken auf der Weste. Und einige hoffen immer noch auf einen «Weissen Ritter», der sie aus dem Elend befreit.

Einer kann derweil dem Treiben der Republikaner in aller Ruhe zuschauen: Barack Obama. Im Gespräch mit Journalisten erklärte der Präsident kürzlich, der von vielen befürchtete Negativ-Wahlkampf mit Angriffen auf den Charakter des Gegners sei eigentlich nicht nötig: «Vielleicht lassen wir einfach nur Clips laufen mit O-Tönen aus den republikanischen Debatten, ohne Kommentar, in einer Endlosschlaufe.» Selbstzerstörung im Akkord sozusagen.

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  • B. Kerzenmacher am 04.12.2011 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    Newt Gingrich

    mit seiner Erfahrung dürfte mit Abstand der beste Mann für das Präsidentenamt sein. Insbesondere seine harte Haltung gegenüber Terroristen braucht es dringenst. Das ständige Anbiedern an Terroristen muss schnellstens beendet werden. Mit Terroristen darf nicht verhandelt werden. Insbesondere den europäischen Staaten muss durch einen harten US-Präsidenten unmissverständlich klar gemacht werden dass das Anbiedern, Verhandeln und mit Unterstützen von Terroristen und seiner Helfer durch die europäischen Staaten mit den Steuergelder seiner Bürger nicht mehr geduldet wird.

  • Republican am 21.11.2011 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Paul ist nicht mehrheitsfähig

    Ich denke, dass ein Republikanischer Präsident in der momentanen Lage gut wäre für die USA, aber Ron Paul ist meines Erachtens zu extrem. Einerseits finde ich seinen strikten Konstitutionalismus interessant und ich Befürworte einiges daran, wie z.B. die Garantie für eine weiterhin liberale Durchsetzung des Waffentragerechts oder auch die klare Definition von Behördenkompetenzen. Andererseits finde ich dann seine Forderung nach kompletter Abschaffung JEGLICHER staatlicher Unterstützung, wie Sozialhilfe oder Krankenversicherung, für die heutige Zeit zu radikal.

    • tina am 21.11.2011 20:30 Report Diesen Beitrag melden

      obama

      ich bin americaner und democrat and habe für obama gewählt,werd es wieder tun. denk es ist für beide parteien nicht easy aber es sind keine guten republicaner aufgestellt. keiner ist es würdig president zu werden

    • Roman am 11.12.2011 13:26 Report Diesen Beitrag melden

      Obama bessere Lösung

      Würde als Amerikaner auch wieder Obama wählen. Obschon ich noch nicht viel vom "Change" mitbekommen habe. Man stelle sich vor wie die USA heute aussehen würde mit einer republikanischen Regierung, die alles den Bach runtergehen lassen hätte. Bilder wie seinerzeit in der grossen Depression.

    • Censilia am 02.01.2012 14:35 Report Diesen Beitrag melden

      @Roman

      Die Bilder, wie seinerzeit erleben wir gerade mit Obusher! Machen Sie die Augen auf und sehen Sie sich die Zeltstätte und co. an! Nein, es ist nicht Obamas oder Bushs "verschulden"! Die Saat wurde mit Clinton ausgebracht (Glass Steagal, Sub Primes etc.), ging bei Bush auf und treibt mom. unter Obama zur vollen Blüte! Der einzige, der sich selbst seit 30J treu geblieben ist ist Paul! Deshalb zeichnen die Medien, die Demokr. und die Reps(!) das Bild eines alten, extremen Eigenbrötlers - und trotzdem gewinnt er die meisten Fernsehdebatten und schart junge Wähler um sich.

    einklappen einklappen
  • jesses am 21.11.2011 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Mann oohhh Mann

    Deprimierend, dass dies die Vertreter von über 300 Mio Amerikanern werden könnten. Gibt es nichts besseres dort drüben? Im Vergleich dazu waren sogar Gaddhafi und Berlusconi echte intellektuelle Schwergewichte.