Debatte vor Primary

20. Januar 2012 17:05; Akt: 20.01.2012 17:05 Print

Gingrich geht aufs GanzeGingrich geht aufs Ganze

von Martin Suter - Mit Attacken auf die Medien und seine Rivalen versucht Newt Gingrich, den Sieg in den Vorwahlen in South Carolina zu erzwingen. Gut möglich, dass er dabei zu weit geht.

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Newt Gingrich empört sich über die Frage nach seiner gescheiterten zweiten Ehe. (Bild: Reuters/Jason Reed)

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Angriff ist die beste Verteidigung. Nach diesem Grundsatz hat Newt Gingrich, der frühere Sprecher des US-Repräsentantenhauses, am Donnerstag Abend eine massive Attacke gegen die amerikanischen Massenmedien geritten. In der letzten Debatte vor den Primärwahlen in South Carolina nannte der Republikaner die Medien «destruktiv», «bösartig» und «negativ». Was sich CNN als Organisator der Debatte geleistet habe, sei «verabscheuungswürdig», sagte er.

Mit seiner Tirade wollte Gingrich die Eröffnungsfrage des CNN-Moderators John King nach seinem Verhältnis zu seiner zweiten Ehefrau Marianne zurückweisen. Marianne Gingrich hatte am gleichen Tag ABC News ein Interview gegeben und darin den Charakter ihres Ex-Gatten in schwärzesten Farben gemalt. 1998 habe Gingrich von ihr nach 18 gemeinsamen Jahren eine «offene Ehe» verlangt, da er ein Verhältnis mit seiner heutigen Frau Callista eingegangen war. In den Augen Marianne Gingrichs, bei der damals Multiple Sklerose diagnostiziert wurde, ist Newt moralisch nicht für die Präsidentschaft geeignet.


Die aggressive Flucht nach vorn in der TV-Debatte hat Gingrich nicht unbedingt geholfen. Erstens wirkte er bitter und wütend - Emotionen, die das Wahlvolk bei Politikern selten goutiert. Zweitens wagte sich der Ex-«Speaker» auf die Äste hinaus, indem er sagte, die Behauptung Mariannes sei gelogen. Damit steht jetzt Aussage gegen Aussage, was viele Reporter dazu ermutigen wird, nach der Wahrheit zu grübeln. Die neue Kontroverse überschattet Gingrichs bisherige Antwort, wonach er bereue und bei seinen Kindern wie auch bei Gott um Verzeihung gebeten habe.

Romneys Steuererklärungen

Je nachdem wie die Primärwähler auf diese neuste Wendung reagieren, könnte Gingrich den Sieg in South Carolina erringen oder verfehlen. Nach letzten Umfragen vom Donnerstag hat der frühere Kongressführer seit seiner fulminanten Vorstellung in einer Debatte am Montag über zehn Prozentpunkte gutgemacht und den bisherigen Spitzenreiter, Ex-Gouverneur Mitt Romney, überflügelt.

Romney hinterliess in der sechzehnten Republikanerdebatte ebenso wie in vielen früheren einen gemischten Eindruck. Er hielt kraftvolle, wenn auch stereotypische Sätze gegen Barack Obama bereit, geriet aber bei der Diskussion seines Reichtums und der Offenlegung seiner Steuererklärung ins Schleudern.

Offensichtlich spricht der frühere Unternehmer, dessen Vermögen auf 250 Millionen Dollar geschätzt wird, nicht gern über seine persönlichen Finanzen. Auf die Frage, ob er wie einst sein Vater seine Steuererklärungen der vergangenen Jahre publizieren wird, antwortete er nervös lachend mit «vielleicht», was mit vereinzelten Buhrufen quittiert wurde. Darauf versprach er im April «ein paar Jahre» zu veröffentlichen. In den Augen vieler Experten kommt diese Offenlegung jedoch spät.

Santorum: Gute Figur, wenig Bedeutung

Unbeschadet von solchen Anschuldigungen bestritt Rick Santorum die CNN-Debatte. Der frühere Senator von Pennsylvania und sozial konservative Widersacher Romneys. Santorum hatte mehrere gute Momente vor den Kameras, besonders als er gegen Gingrich ins Felde zog. «Grandiosität war nie ein Problem Gingrichs, die beherrscht er blendend», sagte er einmal spöttisch.

Santorum könnte in letzter Minute noch Boden gut machen. Aber er wird in South Carolina kaum an das führende Duo Romney/Gingrich herankommen. Vom libertären Ron Paul wird ebenso wenig erwartet, dass er bei Primärwählern über seine 15 Umfrageprozente hinauskommt. Und Rick Perry, der Gouverneur von Texas, zog am Donnerstag seine Kandidatur zurück. Dass er seine Anhänger dazu aufrief, Newt Gingrich zu wählen, wird keine grossen Verschiebungen auslösen: Perry ist in dem Südstaat nie über fünf Prozent hinausgekommen.

Mit grösster Wahrscheinlichkeit wird am Samstag entweder Mitt Romney oder Newt Gingrich den Sieg davontragen. Dann ist der republikanische Herausforderer Barack Obamas aber längst nicht nominiert. Der nächste Vorwahltermin ist der 31. Januar in Florida.

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  • Hans W. am 21.01.2012 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Was bewegt die Europäische Presse?

    Was für einen Grund besitzen die Medien in Europa, Ron Paul auszublenden? Man muss ihn ja nicht für die Lösung aller Probleme halten, aber neutral berichten sollte man wohl. In den Kommentaren zeigt es sich mal wieder: Veröffentlichte Meinung ist nicht gleich Öffentliche Meinung.

  • wysiii am 21.01.2012 14:40 Report Diesen Beitrag melden

    this guy!

    Mein Favorit in South Carolina ist Herman Cain!

  • Larissa Sonderegger am 21.01.2012 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Ron Paul: Erneut souveräner Auftritt

    Unmöglich diese Berichterstattung! Es kann doch nicht angehen, dass ein Ron Paul nach den erzielten Erfolgen in den vergangenen Wochen in gerade einem Satz Erwähnung findet und in diesem auch noch ins Abseits gestellt wird. Sein Auftritt war der souveränste auch in dieser Fernsehdebatte und er gewinnt stetig an Zustimmung. Ich verurteile diese ignorante Berichterstattung und erwarte zukünftig objektive Artikel zu Ron Pauls ernst zu nehmenden Kandidatur.

    • hans am 21.01.2012 19:31 Report Diesen Beitrag melden

      Jawohl.

      Deiner Meinung.

    • Daniel B. am 21.01.2012 19:48 Report Diesen Beitrag melden

      Deutsche Medien

      Absolut, kann man nicht anders sagen. Ron Paul steht gerade zu allem, was er tut und hat im Gegensatz zu den anderen Kandidaten eine Linie, die verfolgt wird. Schade um die Deutschsprachige Medienwelt. Aber es wird ja auch momentan lieber über Obamas Gesänge geschrieben, als über seine Unfähigkeit.

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