Favorit unter Druck

10. Februar 2012 16:26; Akt: 10.02.2012 17:03 Print

Romney kämpft gegen den AbwärtstrendRomney kämpft gegen den Abwärtstrend

Nach der Dreifach-Niederlage vom Dienstag muss sich Mitt Romney in Maine gegen eine weitere Schlappe wehren. Bereits kursiert wieder die Idee einer Alternativ-Kandidatur.

Die republikanische Partei hält bis zum 26. Juni in allen 50 US-Bundesstaaten Vorwahlen ab, um ihren Kandidaten für Präsidentschaft zu bestimmen. Für die Nomination genügt eine einfache Mehrheit von 1144 der total 2286 Delegiertenstimmen. (Stand 29. Februar 2012)
Quelle: AP

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Der unerwartete Triumph des ultrakonservativen Rick Santorum bei den Vorwahlen in Colorado, Minnesota und Missouri am Dienstag hat bei den republikanischen Parteiführern die Zweifel an der Wählbarkeit ihres Favoriten Mitt Romney verstärkt – und das zu einem Zeitpunkt, in dem sich Präsident Barack Obama umfragemässig im Aufwind befindet. Und nun droht dem ungeliebten Ex-Gouverneur von Massachusetts neues Ungemach.

Am Samstag werden die Resultate der Parteiversammlungen in Maine bekannt gegeben. Im nordöstlichsten Bundesstaat der USA hat Romney eigentlich ein «Heimspiel», vor vier Jahren gewann er mit 52 Prozent. Santorum und Newt Gingrich liessen sich hier gar nicht erst blicken. Für die beiden konservativen Bewerber gibt es im eher liberalen Neuengland-Staat nicht viel zu holen. Dafür wittert der vierte im Bunde seine Chance. Der libertäre Aussenseiter Ron Paul war Ende Januar in Maine auf Wahlkampftour.

Ron Paul hofft auf Sieg

Auf CNN zeigte sich der Kongressabgeordnete aus Texas «vorsichtig optimistisch», dass er die Vorwahl gewinnen kann. Helfen könnte ihm die traditionell lausige Wahlbeteiligung. 2008 nahmen laut «Washington Post» nur etwa zwei Prozent der registrierten Republikaner an den «Caucuses» in Maine teil. Gute Voraussetzungen für einen Kandidaten, der seine Anhängerschaft so gut mobilisieren kann wie Paul. Und schlechte für einen wie Romney, der damit Mühe hat.

Die meisten Beobachter glauben dennoch an einen Sieg Romneys in seinem «Hinterhof». Doch nur schon ein schlechteres Ergebnis als vor vier Jahren dürfte ihm negativ ausgelegt werden. In seinem Umfeld wächst die Nervosität. Romney müsse seine oft uninspirierten Auftritte verbessern, seine Botschaft schärfen, sagten mehrere Berater der «Washington Post». Allerdings gebe es Grenzen: «Man kann aus ihm nicht etwas machen, das er nicht ist.» Im Klartext: Aus einem gemässigten Mitte-Politiker wird kein konservativer Hardliner, so sehr er sich auch bemüht.

Chance für neuen Kandidaten?

Wen wundert es da, dass die Gerüchte und Spekulationen über einen neuen Kandidaten, eine Art «Erlöser», nicht verstummen wollen. Sogar ein «langjähriger Parteiführer», der namentlich nicht genannt werden wollte, dachte gegenüber der «Huffington Post» laut darüber nach. Normalerweise wäre eine solche Idee «ein Witz», so der Politiker, doch angesichts des schwachen Bewerberfelds bestehe dafür «eine echte Chance».

Entsprechende Planspiele soll es gegeben haben. Sie scheiterten unter anderem an der Tatsache, dass ein Neueinsteiger bei den Vorwahlen, zu denen er noch antreten dürfte, nicht aus eigener Kraft auf die nötige Mehrheit von 1144 Delegiertenstimmen kommen könnte. Für den Parteiführer ist dies nur bedingt ein Problem: Beim Parteitag Ende August könnte die Nomination des Präsidentschaftskandidaten «ausgehandelt» werden.

Der ewige Hoffnungsträger

Einen Favoriten hat der republikanische Topshot auch ausgemacht: Chris Christie, Gouverneur von New Jersey und so etwas wie der ewige Hoffnungsträger seiner Partei. Er hat eine Kandidatur mehrfach abgelehnt und unterstützt Romney. Einer seiner Vertrauten lachte auf Anfrage der «Huffington Post» über die Spekulationen. Er gab aber zu, dass «immer mehr Leute» über einen Einstieg Christies ins Rennen diskutieren würden.

Unklar ist, ob ein derartiges «Geschacher» vom amerikanischen Volk goutiert würde. Der Parteibonze gab zu, er sehe niemanden, der etwas in diese Richtung unternehme. «Aber immer mehr Leute sagen: Verdammt, ich dachte, Mitt bekommt das hin.» Noch spricht vieles für Romney, er hat deutlich mehr Geld und eine stärkere Organisation als seine Rivalen. Er selber verwies darauf, dass John McCain 2008 die Vorwahlen in 19 Bundesstaaten verloren hatte und trotzdem nominiert wurde.

Michigan als nächster Stolperstein?

Die nächste Runde findet am 28. Februar in Arizona und Michigan statt. Dort droht Mitt Romney neues Ungemach: In Michigan wurde er geboren, hier war sein Vater Gouverneur, hier ist ein Sieg Pflicht. Doch zuletzt befand sich Rick Santorum im Aufwind, besonders bei den Automobilarbeitern in Detroit. Viele nehmen es Romney übel, dass er sich 2008 gegen das Rettungspaket der Regierung für die vom Bankrott bedrohte Branche ausgesprochen hatte. Eine Niederlage in Michigan würde die Diskussionen um seine Wählbarkeit mit Sicherheit neu anheizen.

(pbl)

20min Login Facebook Connect
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 72 Stunden, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.