19. Januar 2008 13:53; Akt: 19.01.2008 21:12 Print

200 Festnahmen an der Anti-WEF-Demo in Bern200 Festnahmen an der Anti-WEF-Demo in Bern

Die trotz fehlender Bewilligung in Bern durchgeführte Anti-WEF-Kundgebung des «Bündnisses für globalen Widerstand» hat zu zahlreichen Scharmützeln mit der Polizei geführt. Die Sachschäden blieben gering. 200 Personen wurden festgenommen. Ihr erklärtes Ziel, eine Demonstration gänzlich zu verhindern, erreichte die Polizei nicht.

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(Video: Maurice Thiriet)

Bei einer unbewilligten Demonstration gegen das Davoser Weltwirtschaftsforum sind am Samstag in Bern rund 200 Personen vorübergehend festgenommen worden. Die Berner Behörden zeigten sich befriedigt und führten das Ausbleiben von Ausschreitungen auf das rekordverdächtige Polizeiaufgebot zurück.

Hunderte von Polizisten und Polizistinnen aus dem Kanton Bern und der ganzen Nordwestschweiz standen am Samstag im Einsatz, um jede Demonstration zu verhindern. Sie markierten in den wichtigsten Einkaufsstrassen schon am Mittag Präsenz. Zusammen mit zahlreichen vergitterten Fahrzeugen bot sich Besuchern der Bundesstadt ein martialisches Bild. Polizisten kontrollierten laufend verdächtige Personen. Kontrollen waren am Vormittag auch auf den Autobahnausfahrten und im Hauptbahnhof durchgeführt worden.

Kurz bevor die eigentliche Protestkundgebung auf dem Waisenhausplatz stattfinden sollte, führte die Polizei den Organisator des Bündnisses für globalen Widerstand, Giovanni A. Schumacher, ab. Trotz der massiven Absicherung versammelte sich um 15.00 Uhr eine Gruppe von rund 100 Demonstranten, die Parolen skandierte. Ein Demonstrationszug wurde durch die Polizei aber verhindert. In der Innenstadt kam es dann zu mehreren weiteren Ansammlungen und zu Konfrontationen, bei denen die Polizei Tränengas sowie später beim Bahnhof auch Wasserwerfer einsetzte.

Polizeikommandant Stefan Blättler sagte am Abend, es seien nur vereinzelte Einsätze von Reizstoff und Wasser nötig geworden. In einem einzigen Fall seien auch Gummigeschosse eingesetzt worden. Die Polizei nahm vor und während der unbewilligten Kundgebung rund 200 Personen fest. Sie werden für maximal 24 Stunden in Gewahrsam genommen und nach Überprüfung der Personalien und Befragungen wieder freigelassen. Je nach Sachverhalt müssen sie aber mit Anzeigen rechnen.

Unter den Festgenommenen seien Führungspersonen der schweizerischen Aktivistenszene, sagte Blättler. Zum Fall Schumachers wollte er sich nicht äussern. Der Kommandant rief aber Gesetzesgrundlagen in Erinnerung, die auch auch bei blosser Androhung von Gewalttätigkeiten Festnahmen möglich machten. Keine Stellungnahme gab Blättler zu einem Protest der linken «WochenZeitung» ab, wonach eines ihrer Redaktionsmitglieder grundlos verhaftet worden sei.

Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät und Polizeidirektor Stephan Hügli zeigten sich am Abend befriedigt, dass es bisher zu keinen Ausschreitungen gekommen sei. Die Polizei registrierte einzig zwei kleinere Sachbeschädigungen. Tschäppät verteidigte den Widerruf der zunächst erteilten Demonstrationsbewilligung und verwies auf die Lagebeurteilung der Sicherheitsbehörden. Bern sei Zielort für gewaltbreite Störenfriede gewesen, ergänzte Hügli, der nach dem misslungenen Polizeieinsatz vom vergangenen 6. Oktober bei den Krawallen gegen die SVP-Demo massiv unter Druck geraten war. Die Stadtbehörden wollten aber nicht gelten lassen, dass sie nun überreagiert hätten. Zum Polizeiaufgebot, sagte Blättler einzig, es sei grösser als jenes vom 6. Oktober gewesen.

Die Organisatoren protestieren gegen die Festnahmen und sprachen von politischen Gefangenen. Das Bündnis habe nie zur Gewalt aufgerufen, heisst es in einer Mitteilung. Auch hätten die Kundgebungsteilnehmer keine Gewaltbereitschaft an den Tag gelegt.

Friedlich ging am Samstagnachmittag demgegenüber eine Anti-WEF-Demonstration in St. Gallen über die Bühne. Nach Angaben der Polizei versammelten sich rund 150 Leute beim Bahnhofplatz und zogen mit Transparenten durch die Innenstadt. Verschiedene Redner forderten eine «Globalisierung von unten und nicht von oben, in die alle Bevölkerungsschichten der Welt einbezogen werden».

(dapd)