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Rudolf Hess
21. Juli 2011 10:41; Akt: 21.07.2011 16:15 Print
Hitler-Stellvertreter aus dem Grab geholt
Genug von Neonazi-Pilgern: Die Gemeinde Wunsiedel hat das Grab von Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess aufgelöst. Seine Überreste sollen verbrannt und ins Meer gestreut werden.

Das Grab von Rudolf Hess mit der Aufschrift «Ich habs gewagt», vermutlich eine Anspielung auf den Flug nach Schottland 1941. (Bild: Reuters/Michael Dalder)
Am 17. August 1987 nahm sich der 93-jährige Rudolf Hess das Leben. Der letzte Insasse des Kriegsverbrechergefängnisses in Berlin-Spandau erhängte sich mit einem an einem Fenstergriff befestigten Verlängerungskabel. Seither pilgerten Alt- und Neonazis alljährlich am Todestag zum Grab von Adolf Hitlers Stellvertreter auf dem evangelischen Friedhof im bayerischen Wunsiedel. Sie legten Kränze nieder und erhoben die Hand zum Hitlergruss.
Den Behörden war dieser Pilgertourismus längst lästig. Seit 2005 sind die Aufmärsche am Todestag verboten. Nun sollen die Huldigungen für den fanatischen Nationalsozialisten endgültig Vergangenheit sein. Am frühen Mittwochmorgen wurde das Grab von Rudolf Hess aufgelöst, wie die «Süddeutsche Zeitung» berichtet. Die Gebeine wurden exhumiert, sie sollen nun verbrannt und die Asche auf dem offenen Meer verstreut werden.
Enkelin stimmte Auflösung zu
Die Auflösung wurde von der evangelischen Kirchgemeinde Wunsiedel beschlossen. Sie hatte schon nach Hess’ Tod gezögert, der Beisetzung zuzustimmen, denn der «Stellvertreter des Führers» hatte nie in Wunsiedel gewohnt, und man wusste um seinen Kultstatus in der rechtsradikalen Szene. Seine Eltern jedoch hatten im oberfränkischen Ort ein Ferienhaus besessen und sich dort bestatten lassen. In seinem Testament hatte Hess eine Beerdigung im Familiengrab gewünscht, und die Kirche hatte dies respektiert.
Einer Sprecherin der Kirchgemeinde zufolge wäre zwar der Vertrag für die Grabstätte in naher Zukunft ausgelaufen. Es sei jedoch der ausdrückliche Wunsch der Familie Hess gewesen, das Grab einebnen zu lassen. Die «Süddeutsche Zeitung» allerdings schreibt, die Kirche habe den Pachtvertrag gekündigt. Eine Enkelin von Rudolf Hess habe dies mit einer Klage verhindern wollen. Nach «diskreten Verhandlungen» habe sie der Exhumierung jedoch zugestimmt.
Der Bürgermeister von Wunsiedel, Karl Willi Beck (CSU), begrüsste die Einebnung des Grabes. «Ich bewerte das positiv», sagte er dem «Kölner Stadt-Anzeiger». Wenn es in Wunsiedel keine sterblichen Überreste von Hess mehr gebe, dann gebe es für Rechtsextremisten auch keinen Grund mehr, dorthin zu pilgern. Zugleich wertete Beck den jahrelangen Kampf gegen die Rechtsextremisten an der Grabstätte als Reifeprozess für die Stadt. «Hinschauen statt wegschauen - das wird für uns immer gelten.» Insofern hätten die Auseinandersetzungen um Hess auch ihr Gutes gehabt, sagte Beck.
Mysteriöser Flug nach Schottland
Rudolf Hess war einer der frühesten und fanatischsten Anhänger von Adolf Hitler. Gemeinsam sassen sie nach dem missglückten Putsch 1923 im Gefängnis in Landsberg, wo Hitler ihm seine Hetzschrift «Mein Kampf» diktierte. Dem Todesurteil in den Nürnberger Prozessen entging Hess nur, weil er 1941 zu seinem mysteriösen Alleinflug nach Schottland gestartet war. Die Motive sind bis heute nicht ganz geklärt. Vermutlich wollte Rudolf Hess einen Separatfrieden mit der britischen Regierung aushandeln.
(pbl/sda/dapd)


























