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Florida-Geschäft
15. November 2010 11:50; Akt: 15.11.2010 12:02 Print
SNCF «bedauert» Holocaust-Beihilfe
Die französische Staatsbahn SNCF hat erstmals «Bedauern» für ihre Rolle bei der Deportation von Juden im Zweiten Weltkrieg gezeigt. Sie tat es nicht ganz freiwillig.
Holocaust-Überlebende vor einem SNCF-Viehwaggon im ehemaligen Sammellager Drancy nördlich von Paris. Von dort aus wurden rund 65 000 Juden per Eisenbahn Richtung Osten deportiert. (Bild: Keystone/Michel Euler)
Bisher berief sich die Bahn darauf, dass das Unternehmen unter der Nazi-Besatzung in Frankreich zu den Deportationen gezwungen gewesen sei. Nun habe SNCF-Chef Guillaume Pepy beim Treffen mit Abgeordneten des US-Bundesstaates Florida «tiefen Kummer und Bedauern für die Folgen» geäussert, bestätigte die SNCF einen Bericht der Zeitung «Le Monde». Pepy war Anfang November in Florida, um die SNCF-Bewerbung für eine Schnellbahnstrecke zwischen Tampa und Orlando zu präsentieren.
Infografik Der Zweite WeltkriegDie SNCF befürchtet, sie könnte wegen ihrer Rolle bei den Judendeportationen von dem Milliardengeschäft ausgeschlossen werden. Der Bundesstaat Kalifornien hatte ein Gesetz verabschiedet, demzufolge alle Bewerber für Aufträge einer Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Los Angeles und San Francisco ihre Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg offenlegen müssen. Worauf sich Angehörige von Holocaust-Opfern in Florida kritisch zur Offerte der französischen Staatsbahn äusserten.
Direkte Entschuldigung verlangt
Das Unternehmen, das sich mit dem Zughersteller Alstom bewirbt, erklärte sich zur Öffnung der Archive bereit. Der SNCF wird seit Jahren vorgeworfen, ihre aktive Rolle bei den Todestransporten zu verschleiern. In einem Statement auf ihrer englischsprachigen Website räumt sie ein, dass Mitarbeiter und Material für den Transport von rund
Für jüdische Organisationen in den USA genügt dies nicht. Rositta Kenigsberg, die Vizepräsidentin des Holocaust Documentation and Education Center in Florida, forderte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP eine direkte Entschuldigung bei den Überlebenden des Holocaust. Sie verstehe nicht, «warum es so schwer ist, herzukommen und sich zu entschuldigen». Die SNCF betreibe einen grossen PR-Aufwand und rede mit allen, «ausser mit den direkt betroffenen Menschen», sagte Kenigsberg.
Frankreich hat sich mit seiner Rolle im Zweiten Weltkrieg und seiner Beteiligung am Holocaust lange schwergetan und die Verantwortung auf das Vichy-Regime abgeschoben, dass mit den Nazi-Besatzern kollaboriert hatte. Erst 1995 gestand der damalige Präsident Jacques Chirac die Mitschuld Frankreichs an dem Jahrhundert-Verbrechen ein. Doch Unternehmen wie die SNCF wehren sich bis heute gegen Entschädigungsforderungen.
(pbl/sda)



























