Witziger Genscher

16. Oktober 2009 09:07; Akt: 16.10.2009 10:01 Print

Als Reagan, Honecker und Gorbi bei Gott warenAls Reagan, Honecker und Gorbi bei Gott waren

Den Weg zur deutschen Einheit und dem damit verbundenen Zwei-Plus-Vier-Vertrag hat der damalige Aussenminister Hans-Dietrich Genscher auch mit Witzen geebnet. Ein besonders guter Joke wurde später auch im Politübro erzählt.

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Als er einmal mit seiner Frau in der Moskauer Stadtwohnung seines sowjetischen Amtskollegen Eduard Schewardnadse eingeladen war, hatte er mit solch einem Witz besonderen Erfolg, wie Genscher am Donnerstagabend im Frankfurter Presse-Club berichtete.

Er erzählte, wie US-Präsident Ronald Reagan, KPdSU-Generalsekretär Michail Gorbatschow und DDR-Staatschef Erich Honecker einmal beim lieben Gott zum Tee eingeladen waren. Dabei habe er ihnen über die Weltlage berichtet und allen dreien ins Gewissen geredet. Am Ende habe der liebe Gott aber gesagt, er müsse den drei Staatsmännern leider mitteilen, dass er nächste Woche eine Sintflut auf die Erde schicken werde. Schockiert seien die Politiker schliesslich in ihre Heimatländer gefahren und hätten sich in Fernsehansprachen an ihre Landsleute gewandt.

Version Reagan

So habe Reagan seinen Mitbürgern mitgeteilt, er habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Er sei beim lieben Gott zum Tee eingeladen gewesen, und der habe auch Gorbatschow und Honecker ins Gewissen geredet. Die schlechte: Nächste Woche komme eine Sintflut.

So dreht Gorbatschow die Geschichte

Gorbatschow sagte es im sowjetischen Fernsehen ein wenig anders. Er habe zwei schlechte Nachrichten: Erstens, den Gott der Christen gebe es wirklich, und zweitens, der schicke nächste Woche eine Sintflut.

Botschaft von Honecker

Doch DDR-Staatschef Honecker habe in seiner Fernsehrede drei ausschliesslich gute Nachrichten angekündigt: Erstens, er sei beim lieben Gott zum Tee eingeladen worden. Zweitens, damit sei die DDR nun auch von allerhöchster Stelle anerkannt. Und drittens, die Perestroika finde nicht statt, weil nächste Woche eine Sintflut komme.

Laut Genscher lachten nicht nur Schewardnadse und dessen Familie laut und amüsierten sich köstlich. Der sowjetische Aussenminister habe auch gesagt, er werde noch am selben Abend trotz der späten Stunde Gorbatschow anrufen und auch ihm den Witz erzählen.

Witz auch dem Politbüro erzählt

Am Rande der offiziellen Gespräche am nächsten Tag fragte Genscher seinen Amtskollegen, ob er wirklich noch den Kreml-Chef angerufen habe. «Natürlich», habe Schewardnadse geantwortet und hinzugefügt, Gorbatschow habe noch lauter gelacht als er selbst und versprochen, bei der nächsten Politbürositzung vor Eintritt in die Tagesordnung solle der Witz auch da erzählt werden. Und so geschah es dann auch, wie Genscher später erfuhr.

(dapd)