20 Jahre Mauerfall

05. November 2009 15:56; Akt: 05.11.2009 15:56 Print

Der Herbst 1989: «Wir sind das Volk»Der Herbst 1989: «Wir sind das Volk»

Die Montagsdemonstrationen in Leipzig läuteten im Herbst 1989 die friedliche Revolution ein. Die letzten Etappen bis zum Mauerfall im Überblick.

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Mit Wunderkerzen in den Händen freuen sich die Menschen auf der Berliner Mauer über die Öffnung der deutsch-deutschen Grenze. Ein West-Berliner reicht ostdeutschen Grenzbeamten die Hand — doch die stehen der Sache noch skeptisch gegenüber. Tausende Ostler strömen noch in der Nacht zu den Grenzen, die nach und nach geöffnet werden. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 besuchen etwa 50 000 DDR-Bürger West-Berlin. Noch nie war es so leicht und gefahrlos für die DDR-Bürger, die ungeliebte Masuer zu überwinden, wie in dieser Nacht. West-Berliner (r.) helfen tatkräftig mit. Die Grenzpolizisten und -Soldaten der DDR sind von dem Ansturm überrascht und überfordert. Unter dem Druck der euphorischen Masse geben sie schliesslich nach und öffnen die Grenze. Dass die überraschten Grenzposten nicht schossen und alles friedlich blieb, empfanden viele als Wunder. Menschenmassen besetzen die Mauer vor dem Brandenburger Tor im Zentrum von Berlin. Aus dieser Forderung wird bald Realität: Am 3. Oktober 1990, nicht einmal ein Jahr nach dem Mauerfall, findet die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten statt. Jubel am Grenzübergang. Die DDR-Bürger übernahmen an jenem 9. November die Macht auf der Strasse. Ostdeutsche Grenzbeamte trotzen mit einem westlichen Regenschirm dem Regen. Was noch in der Nacht zuvor undenkbar — und lebensgefährlich — war, wird nun in aller Öffentlichkeit gemacht: ... ... Die Mauer wird demontiert. Alle Mittel werden dabei eingesetzt. Zwei Jungen präsentieren stolz ihre Mauertrophäen. Bald klaffen Lücken in dem verhassten Bauwerk. Nicht alle scheinen gleichermassen begeistert zu sein ... Am 10. November lassen die ostdeutschen Behörden weitere Breschen als improviserte Grenzübergänge in die Mauer schlagen. Auch am 10. November sammeln sich riesige Menschenmengen, hier vor dem Reichstagsgebäude. Trabis wagen sich nach Westen. Es scheint, als wolle die ganze DDR zugleich den Westen besichtigen. Egal, ob per Auto oder ... ... zu Fuss. Endlich ist die Grenze weg. Am 11. November stehen ostdeutsche Grenzer auf der Mauer, nachdem sie die feiernden Berliner von dem Bauwerk vertrieben haben. Gemeinsamer «Ost-West-Sonntagsspaziergang» am 12. November auf dem Berliner Kurfürstendamm. DDR-Bürger stehen am 13. November vor einer Bank in Westberlin an, um ihr Begrüssungsgeld in Empfang zu nehmen. Bald wird in Westberlin das Geld knapp – die Landeszentralbank lässt tonnenweise Geldscheine einfliegen.

Am 9. November ist es soweit: Die Mauer fällt

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  • 4. September: In Leipzig versammeln sich nach dem traditionellen Friedensgebet mehrere hundert Menschen vor der Nikolaikirche. Sie fordern Reisefreiheit und die Abschaffung der Staatssicherheit (Stasi). Daraus entstehen die Montagsdemonstrationen.
  • 10. September: In Grünheide bei Berlin gründet sich die DDR- Reformbewegung «Neues Forum». Anfangs als «staatsfeindliche Plattform» abgelehnt, wird sie am 8. November als politische Vereinigung zugelassen.
  • 11. September: Mehrere tausend DDR-Bürger, die in Ungarn ausharren, dürfen ab 00:00 Uhr nach Österreich ausreisen. Bereits im Mai hatte Ungarn mit dem Abriss des «Eisernen Vorhangs» an seiner Westgrenze begonnen.
  • 30. September: Nach wochenlangem Tauziehen erklärt sich die DDR- Regierung bereit, die mehr als 6300 Flüchtlinge in den bundesdeutschen Botschaften in Prag und Warschau in die Bundesrepublik «auszuweisen». Sie fahren in den Westen.
  • 7. Oktober 1989: Bei seinem Besuch zum 40. Jahrestag der DDR mahnt der sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow grundlegende Reformen an. Zehntausende DDR-Bürger protestieren gegen das SED-Regime. Zahlreiche Demonstranten werden festgenommen.
  • 9. Oktober: Mit dem Ruf «Wir sind das Volk» demonstrieren in Leipzig 70 000 Bürger. 8000 bewaffnete Polizisten, Angehörige der Kampfgruppen und Soldaten der Nationalen Volksarmee (NVA) stehen bereit. Der Einsatzbefehl wird aber nicht gegeben.
  • 14. Oktober: Am Morgen trifft der 50 000. DDR-Flüchtling seit Öffnung der ungarischen Grenze in der Bundesrepublik ein.
  • 18. Oktober: Egon Krenz löst Erich Honecker als SED- Generalsekretär ab. Krenz verkündet die Einleitung einer «Wende», mit der die SED wieder in die politische und ideologische Offensive gehen will.
  • 23. Oktober: In Leipzig beteiligen sich an der bis dahin grössten Protestkundgebung in der DDR knapp 300 000 Menschen.
  • 26. Oktober: Erstmals findet ein Treffen von SED und Opposition statt. Der Ostberliner SED-Bezirkschef, Günther Schabowski, empfängt die Initiatoren des Neuen Forums, Bärbel Bohley und Jens Reich.
  • 29. Oktober: Bei einer Grossveranstaltung in Ost-Berlin stellen sich Spitzenfunktionäre zum ersten Mal der Diskussion mit der Bevölkerung.
  • 30. Oktober: In Leipzig gehen rund 250 000 Demonstranten mit Transparenten wie «Ein Land ohne Mauern» auf die Strasse. Die «Aktuelle Kamera» des DDR-Fernsehens berichtet erstmals live vom Ort des Geschehens.
  • 3. November: Alle 4500 DDR-Bürger in der bundesdeutschen Botschaft in Prag dürfen ohne Formalitäten in die Bundesrepublik ausreisen.
  • 4. November: Bei einer Kundgebung auf dem Alexanderplatz in Ost- Berlin demonstrieren nahezu eine Million Menschen für Versammlungs- und Meinungsfreiheit.
  • 6. November: Die DDR erlebt die grösste Demonstrationswelle. Bei Protesten in Leipzig ist die Stimmung der rund 200 000 Teilnehmer aggressiv. Sie fordern: «Die Mauer muss weg».
  • 7. November: Die DDR-Regierung tritt zurück, tags darauf auch das SED-Politbüro. Krenz wird als Generalsekretär bestätigt. Im neu formierten Politbüro, dem höchsten Machtzirkel, herrscht Konfusion.
  • 9. November 1989: Überraschend werden die Grenzübergänge geöffnet. Noch in der Nacht strömen Tausende zu einem Besuch in den Westen.

(sda)