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20 Jahre Mauerfall
09. November 2009 19:39; Akt: 10.11.2009 09:40 Print
Die Mauer fiel zum zweiten Mal
Zum 20. Jahrestag des Mauerfalls haben zehntausende Menschen in Berlin bei strömendem Regen das «Fest der Freiheit» gefeiert. Die ganze Welt machte Berlin ihre Aufwartung. Höhepunkt war der Fall einer symbolischen Mauer aus Dominosteinen.
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Jubel brandet auf, als der frühere polnische Solidarnosc-Führer Lech Walesa kurz nach 20.30 Uhr den ersten Dominostein anstösst und die Kettenreaktion auslöst. Langsam, fast wie in Zeitlupe, fallen die 1000 überdimensionalen, bunt bemalten Klötze um, vom Reichstag bis zum Brandenburger Tor. Vor 20 Jahren stand hier noch die Mauer, die Berlin teilte - und auf der am Abend des 9. Novembers 1989 die Öffnung gefeiert wurde. Am Montagabend feiern hier zum 20. Jahrestag des Mauerfalls wieder Zehntausende, trotz strömenden Regens und Kälte.
Um 20:30 Uhr brachte Lech Walesa die Dominostein-Mauer zum Fall
Der symbolische Mauerfall ist Höhepunkt des emotionalen «Fests der Freiheit». Gekommen sind auch zahlreiche Ehrengäste, mehr als 30 aktive und ehemalige Staats- und Regierungschefs aus aller Welt, mehrere Friedensnobelpreisträger und zahlreiche ehemalige Bürgerrechtler. Vor dem bunt illuminierten Brandenburger Tor dankt Kanzlerin Angela Merkel Amerikanern, Franzosen, Briten und den ehemaligen sowjetischen und polnischen Präsidenten Michail Gorbatschow und Walesa für ihre Hilfe.
«Für mich war es einer der glücklichsten Momente meines Lebens», sagt Merkel, die einsam an einem Rednerpult steht, weit durch die Dominosteine abgeschirmt von ihrem Volk, und vom Zelt, in dem die anderen Staatsgäste sitzen. Der 9. November markiere «eine wahrhaft glückliche Stunde der deutschen der europäischen Geschichte», an dem sich das Tor zur Freiheit geöffnet habe. Sie erinnert aber auch an den 9. November 1938, die Reichpogromnacht. Damals sei das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte aufgeschlagen worden, erklärt sie.
Lob an Berliner
Auch die Staats- und Regierungschef Frankreichs, Grossbritanniens und Russlands sowie US-Aussenministerin Hillary Clinton ergreifen das Wort - und loben die Berliner für ihre Leistung, die Mauer zum Einsturz gebracht zu haben. Beifall brandet auf, als US-Präsident Barack Obama per Videobotschaft eingeblendet wird. «Es konnte keine deutlichere Zurückweisung der Tyrannei und keine stärkeres Zeichen für Freiheit geben», erklärt er.
«Das ist die Berliner Luft»
Vor den Ansprachen eröffnet Daniel Barenboim mit der Staatskapelle Berlin das Fest mit einem Konzert, auf der Ostseite des Brandenburger Tors. Für Stimmung sorgt seine Überraschung, die selbst die Staatsgäste zum Klatschen animiert: Placido Domingo singt vom Orchester begleitet Linckes Schlager «Das ist die Berliner Luft». Bundespräsident Horst Köhler freut sich, auch Kanzlerin Merkel, eingerahmt von ihrem Mann Joachim Sauer und Sarkozy, lacht und wirkt glücklich, bevor sie mit ihren Gästen auf die Westseite des Brandenburger Tors schreitet.
Umjubelt wird Jon Bon Jovi. Er präsentiert sein selbst komponiertes Revolutionslied mit dem Titel «We weren't born to follow» («Wir waren nicht zu Untertanen geboren»). Moderiert wird das Fest von Thomas Gottschalk, der unter anderem Gorbatschow und dem ehemaligen Aussenminister Hans-Dietrich Genscher Worte zu deren Erleben des Mauerfalls entlockt.
Angetan vom Fest sind viele Besucher, auch wenn sie das Geschehen nur auf den grossen Videoleinwänden neben dem Brandenburger Tor verfolgen können. Gerd Stark, der schon vor 20 Jahren bei den Feiern dabei war, sagt: «Vor 20 Jahren war es überwältigend. Wir lagen uns alle in den Armen. Ganz so ist es zwar heute nicht, aber die meisten Leute sehen glücklich aus.»
Feuerwerk zum Abschluss
Absoluter Höhepunkt des Abends ist jedoch der Fall der Dominosteine. Rund 15 000 Jugendliche hatten die jeweils 2,50 Meter hohen, einen Meter breiten und 40 Zentimeter tiefen Styropor-Steine künstlerisch gestaltet. Kurz nach 21 Uhr stossen EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek eine weitere Reihe von Dominosteinen an, die vom Potsdamer Platz zum Brandenburger Tor führt. Die wird dann von einem symbolischen Betonstein aufgehalten, als Mahnmal für Mauern, die noch einzureissen sind. Am Ende fallen aber auch noch die letzten Steine vor dem Brandenburger Tor, über das dann ein glitzerndes Feuerwerk steigt
(dapd)


























