Wikileaks

08. Februar 2011 16:37; Akt: 08.02.2011 19:12 Print

Justizschlacht um Assange

Der Kampf um die Auslieferung des Wikileaks-Gründer wird mit harten Bandagen geführt. Jetzt erhält Julian Assange aber Schützenhilfe aus Schweden.

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Julian Assange (links) trifft am Dienstag mit Jennifer Robinson von seinem Anwälte-Team beim Londoner Gericht ein. (Bild: AFP)

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Julian Assanges Verteidigung warf der schwedischen Justiz am Dienstag Parteilichkeit vor. Doch Clare Montgomery, die britische Staatsanwältin, die die Interessen Schwedens vertritt, hielt dagegen: «Bei Herrn Assange besteht ganz offensichtlich Fluchtgefahr und es kann nicht als Überreaktion betrachtet werden, ihn festzusetzen».

Der frühere schwedische Staatsanwalt Sven-Erik Alhem hält die Auslieferung von Assange nach Schweden dagegen nicht für nötig. Der 39-Jährige könne genauso gut per Videoschaltung in Grossbritannien verhört werden, sagte Alhem vor Gericht in London: Er verstehe nicht, «warum das nicht gehen soll».

Langes Verfahren erwartet

Die Göteborger Staatsanwältin Marianne Ny wirft Assange vor, im August in Stockholm zwei Frauen sexuell belästigt und eine von ihnen vergewaltigt zu haben. Dabei geht es um die Frage, ob Assange gegen den Willen der Frauen und mit Gewalt durchgesetzt hat, dass der grundsätzlich einvernehmliche Sex ungeschützt erfolgte.

Das zuständige britische Gericht vertagte am Dienstag die Entscheidung über eine Auslieferung von Assange an Schweden. Die Anhörung solle am Freitag fortgesetzt werden, teilte Richter Howard Riddle am Dienstag mit. Die angesetzten zwei Tage hätten nicht ausgereicht, um das Verfahren abzuschliessen.

Unabhängig vom Ausgang wird ohnehin damit gerechnet, dass die unterlegene Seite Berufung einlegt, so dass sich der endgültige Entscheid noch Wochen oder sogar Monate hinziehen könnte.

Straflager und Todesstrafe?

Assange wird in dem Prozess von einem ganzen Stab von Anwälten aus Grossbritannien, Australien und Schweden vertreten. Sein schwedischer Anwalt Björn Hurtig legte dem Gericht am Dienstag eine schriftliche Stellungnahme vor.

Er habe in seiner juristischen Karriere noch kaum einen Vorwurf erlebt, der auf schwächeren Füssen stehe, heisst es darin. Es sei augenscheinlich, dass die beiden Frauen, die sich als Opfer von Assange ausgäben, etwas im Schilde geführt hätten.

Die von der Assange-Verteidigung vorgebrachte Befürchtung, ihr Mandant könnte im Falle einer Auslieferung nach Schweden später in die USA weiter geschoben werden, wo ihm Straflager und Todesstrafe drohten, hielt am Dienstag selbst der schwedische Ex-Staatsanwalt Alhem - von der Verteidigung aufgeboten - für überzogen.

(sda)