Whistleblower-Website

07. Dezember 2010 15:04; Akt: 08.12.2010 14:36 Print

Ein klares Bekenntnis sieht anders aus

von Henning Steier - Julian Assange ist verhaftet; Amazon, PayPal und Postfinance unterstützen WikiLeaks nicht mehr. Doch wie reagieren Facebook und Twitter?

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Die offiziellen Accounts von WikiLeaks auf Facebook und Twitter werden vorerst nicht gelöscht.

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In den vergangenen Tagen mussten die Macher von WikiLeaks nicht nur die Verhaftung ihres Chefs, Julian Assange, sondern unter anderem auch den Verlust ihres Speicherplatzes bei Amazon, des PayPal-, Mastercard- und Visa-Accounts sowie des DNS-Servers und des Postfinance-Kontos hinnehmen.

Doch die Enthüllungs-Website, welche seit Ende November mit der Veröffentlichung von Diplomaten-Depeschen Schlagzeilen macht, ist nicht kleinzukriegen. Denn seit dem Wochenende rufen die Betreiber Unterstützer dazu auf, Mirror-Server einzurichten, auf denen Kopien von Geheimdokumenten publiziert werden können. Wer einen übers Internet ansteuerbaren Unix-Server betreibt, kann diesen im Rahmen des Projekts Mass-Mirroring WikiLeaks zur Verfügung stellen, in dem er WikiLeaks das Hochladen von Daten per RSYNC+SSH oder FTP ermöglicht. Die Macher der Whistleblower-Website haben dazu einen öffentlichen Schlüssel ins Netz gestellt, über den WikiLeaks mit dem passenden privaten Schlüssel Daten auf die Server kopieren kann.

Über 350 Spiegel-Server

WikiLeaks hat überdies auf wikileaks.ch/mirrors.html eine Liste der Mirror-Server ins Netz gestellt, die wiederum auf allen Spiegel-Servern zu finden ist. So soll es immer schwieriger werden, die Dokumente aus dem Netz zu entfernen. Zurzeit sind auf der Liste über 700 Server zu finden - beispielsweise von Mitgliedern der Piratenpartei. In ihrer Ankündigung betonten die WikiLeaks-Macher zugleich, dass das Betreiben eines Mirror-Servers mit persönlichen Risiken verbunden sein könnte.

Für die offiziellen WikiLeaks-Accounts auf Facebook und Twitter sind derartige Anstrengungen vorerst nicht nötig. «Die Seite verstösst nicht gegen unsere Richtlinien für Inhalte, weswegen wir keinen Grund sehen, die Facebook Page zu entfernen», sagte ein Sprecher des weltgrössten sozialen Netzwerkes zu 20 Minuten Online. Entsprechende Befürchtungen waren von Bloggern geäussert worden, denn im April hatte Facebook eine WikiLeaks-Fan-Seite geschlossen. Als Grund hatte Sprecher Andrew Noyes damals angegeben, dass sie gegen die Nutzungsbestimmungen verstossen hatte, weil ihr Administrator kein Mitglied von WikiLeaks war.

WikeLeaks kein Trendthema

Kürzlich war unter anderem Bloggern von studentactivism.net aufgefallen, dass es der WikiLeaks bislang nicht in die Trending Topics auf Twitter geschafft hat. In den Trends ist zurzeit zwar «Assange Arrested» zu finden. Dass es für WikiLeaks nicht gereicht hat, kommentierte der Microblogging-Dienst in einer Stellungnahme so: «Twitter schliesst Begriffe wie Cablegate und WikiLeaks nicht aus der Trends-Liste aus. Dass sie nicht darin auftauchen, kann viele Gründe haben. So könnte beispielsweise die Zahl der Tweets zu einem festgelegten Zeitpunkt nicht wesentlich höher sein als zuvor... Es könnte aber auch sein, dass Themen nicht so populär sind wie die Leute denken.» Ob Twitter den Account von WikiLeaks bestehen lassen wird, liess das Statement allerdings offen. Bislang gibt es keine neue Äusserung des Unternehmens.

Vergangene Woche hatten Organisatoren von Studentenprotesten am University College London (UCL) Twitter vorgeworfen den Hashtag #demo2010 aus den Trending Topics verbannt und ihre Accounts nicht verfügbar gemacht zu haben. Der Microblogging-Dienst wies die Anschuldigungen als «absurd» zurück.