Ausgezwitschert

09. Dezember 2010 07:48; Akt: 09.12.2010 08:58 Print

Twitter schmeisst die Wiki-Hacker raus

Nach Angriffen auf Mastercard und Postfinance hat Anonymous am Mittwoch die Visa-Website lahmgelegt. Twitter ging gegen die Hacker-Gruppe vor, doch sie schlägt zurück.

storybild

Twitter verpasst den Untersützern von Wikileaks einen Maulkorb (Bild: 20 Minuten)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Nach Mastercard war Visa dran: Wikileaks-Anhänger haben am Mittwoch die Website des nächsten grossen Finanzdienstleisters blockiert. Beide Kreditkarten-Firmen hatten angekündigt, keine Zahlungen an die Enthüllungsplattform mehr zuzulassen.

Dass es den unbekannten Aktivisten gelang, auch die Visa-Website vom Netz zu nehmen, ist umso erstaunlicher, da das weltgrösste Kreditkartenunternehmen Zeit zur Vorbereitung hatte. Mittlerweile ist die Webseite wieder erreichbar.

Attacke angekündigt

Nach der Attacke auf Mastercard war klar, dass Visa unter den nächsten Zielen sein würde. Die Hacker nehmen Unternehmen ins Visier, die ihre Geschäftsbeziehungen zu Wikileaks aufgekündigt hatten. Zudem kündigte die Gruppe Anonymous, die auch hinter den bisherigen Angriffen vermutet wird, die Attacke auf Visa eine Stunde im Voraus über den Online-Dienst Twitter an.

In der Nacht zum Donnerstag wurde der Account der «Anonymous»-Gruppe (twitter.com/Anon_Operation) gesperrt. Eine Begründung dafür lieferte Twitter zunächst nicht: «Wir kommentieren unser Vorgehen gegen einzelne Accounts nicht», zitiert die BBC einen Twitter-Sprecher. Der letzte Tweet vor der Sperrung soll einen Link auf eine Datei mit Informationen von Kreditkartenbesitzern enthalten haben. Mittlerweile ist die Gruppe aber mit einem neuen Account auf der Microblogging-Website zu finden - unter twitter.com/anonops. Ob auch dieser gelöscht werden wird, ist noch nicht bekannt.

Bereits 4000 Unterstützer

Die Hacker-Gruppe Anonymous soll mit weniger als 50 Unterstützern angefangen und mittlerweile schon rund 4000 Supporter haben. Jeder mit einer «Anti-Wikileaks-Agenda ist in unserem Angriffsbereich», erklärte die Gruppe am Mittwoch in einem Internet-Chat mit der Nachrichtenagentur AFP. Sie würden überall via Internet in aller Welt «rekrutiert», unter anderem im sozialen Netzwerk Facebook und über den Kurznachrichtendienst Twitter.

Zuerst hatte Anonymous am Samstag den Unternehmensblog des Internet-Bezahldienstleisters PayPal stundenlang lahmgelegt, nachdem PayPal seine Dienste für Wikileaks eingestellt hatte.

«Märtyrer der freien Meinungsäusserung»

Als Nächstes wurden die Internetseiten anderer Institutionen angegriffen, die sich gegen Wikileaks und den Mitbegründer der Plattform, Julian Assange, gewendet hatten. Dazu zählten das Kreditkarten-Unternehmen Mastercard und die Schweizer Postbank Postfinance, die Assanges Konto gesperrt hatte. Auch die Website der schwedischen Staatsanwaltschaft griffen die Hacker an. Assange bezeichnete es in dem Chat als «Märtyrer der freien Meinungsäusserung».

Der Wikileaks-Chef steht nach eigener Aussage nicht hinter den weltweiten Hacker-Angriffen auf Unternehmensserver. Sein Mandant habe keine Anweisungen zu Attacken gegeben, sagte der Londoner Anwalt des Australiers am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.

(mlu/aeg/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Christian Palancon am 09.12.2010 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so

    Weiter so Jungs, legt lahm wer Wikileaks die unterstüztung etzieht, die Welt braucht Wikileaks und Menschen wie Julian Assange. Meiner meinung nach ein Mann der in die Geschichte eingeht, als Held.

    einklappen einklappen
  • Wiki Leads am 09.12.2010 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    Anonops

    Die Hacker sind keine "Wiki-Hacker". Diese Leute stehen für die freie Meinungsäusserung ein, gegen die Zensur im Internet, für Netzneutralität. Wikileaks ist Opfer der versuchten Zensur geworden und das Fass zum überlaufen gebracht. Anonops Server werden z.Z. angegriffen. PayPal und Visa sind noch immer nicht erreichbar. (ping auf visa.com resultiert in Packet filtered). Desweiteren ist DDoS kein Hacking. Die Bezeichnung "Wiki-Hackers" sugeriert eine Relation zwischen Anonops und WikiLeaks - was pure Spekulation und unwahr ist.

  • Tom am 09.12.2010 10:34 Report Diesen Beitrag melden

    Hacker???

    Das sin keine Hacker! Sie rufen nur die Website auf, aber das halt sehr viel und schnell!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin am 15.12.2010 17:59 Report Diesen Beitrag melden

    Das war erst der Anfang.

    Ich bin Informatiker und ich verspreche euch, das hier war NICHT der schlimmste anzunehmende Fall. Da brodelt noch viel mehr. Wir sind inzwischen derart süchtig und sorglos im Umgang mit all diesen Medien. Da helfen keine Kontrollen, keine Firewall und kein kontrollsüchtiger Staat. Nicht Hacker sind da schuld, sondern wir, die immer mehr wollen, jederzeit erreichbar sein müssen, alle unsere Daten dumm und dämlich freiwillig ins Netz stellen - und nichts hinterfragen. Entweder schafft die Menschheit diesen Evolutionssprung oder sie kriegt mächtig eins hinter die Löffel.

  • Bruno am 12.12.2010 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    Sprung in der Schüssel?

    Wie lustig das Thema doch ist. Ist kaum zu glauben wie viele "Verschwörungstheoretiker" hier aus ihren Löchern gekrochen kommen. Ja ja schon klar, die Amis waren nie auf dem Mond, die CIA ist selber in die Twin Towers geflogen, El Kaida gibt es gar nicht, der Klimawandel ist nur ein Hirngespinnst und WIKI-Leaks sagt die Wahrheit... Jaja natürlich, alles klar. Ihr habt doch euren eigenen Knall nicht gehört. *Lach*

  • die hoffnungsvolle am 11.12.2010 22:00 Report Diesen Beitrag melden

    free assange

    es ist eine unglaubliche sauerei, was mit assange passiert. es ist so offensichtlich fingiert, dass sich die mächte selbst ins aus spielen. sie können so nicht mehr lange weitermachen. es ist schön zu lesen, dass es viele "da draussen" gibt, die aufwachen! ich finde diese "hackerangriffe" genial. fight the power!

  • EuroTanic am 09.12.2010 16:16 Report Diesen Beitrag melden

    Wie Du mir, so ich Dir

    Die Politik und die Wirtschaft trifft Entscheidungen ohne das Interesse der Bürger zu berücksichtigen. Jetzt treffen Bürger Entscheidungen gegen die Politik und die Konzerne ohne diese zu fragen. Ich finde das beides nicht gut. Aber wenn es Politik und Wirtschaft nicht gelingt die Bedürfnisse und Anliegen ihrer Bürger Ernst zu nehmen wird derartige Selbstjustiz zunehmen. Längst ist ein Kampf Staat und Wirtschaft gegen die eigenen Bürger im Gange.

  • Daniel Lenzin am 09.12.2010 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    Ist Wikileaks so schlimm?

    Die Wahrheit hat doch noch niemandem geschadet. Oder? Man müsste nur vermeiden, dass auch bei Wikileaks plötzlich "gelogen" wird! Aus taktischen Gründen oder wie auch immer!