Wikileaks

11. Dezember 2010 09:46; Akt: 11.12.2010 10:08 Print

«Ein solcher Hackerangriff ist kein Spiel»

Für den Beauftragten für Informatiksicherheit des Bundes haben die jüngsten Serie von Angriffen auf Internetseiten eine «ganz neue Qualität» erreicht. Besonders beängstigend: Bei solch «primitiven» Angriffen könne jeder mitmachen.

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Die Postfinance wurde von Hacker geknackt. (Bild: Keystone)

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«Ich habe noch nie erlebt, dass ein Angriff so schnell organisiert werden konnte», sagte Pascal Lamia, Leiter der Melde- und Analysestelle Informatiksicherheit des Bundes (MELANI) in einem Interview mit «Der Bund» und «Tages-Anzeiger» vom Samstag. Dabei könne jeder mitmachen, «ohne ein Fünkchen IT-Wissen».

Die Angriffe auf die Postfinance-Website seien auch von «ein paar Dutzend» Nutzern aus der Schweiz ausgegangen. Denn das Programm zur Teilnahme am sogenannten Distributed-Denial-of-Service-Angriff sei auch von Schweizer IP-Adressen heruntergeladen und eingesetzt worden.

Die Ermittlungsbehörden könnten aber nur aktiv werden, wenn eine Strafanzeige vorliege, betonte Lamia. Der MELANI-Leiter plädierte dafür, dass Postfinance eine Strafanzeige einreichen sollte. «Die Polizei hätte dann die Möglichkeit, anhand der Log-Einträge herauszufinden, welcher Schweizer Computer am Angriff gegen Postfinance beteiligt war.»

Es sei wichtig, mit einer Strafanzeige ein Zeichen zu setzen. «Wer einfach aus Neugierde mitgemacht hat, muss wissen, dass ein solcher Hackerangriff kein Spiel ist.» Und verzichte Postfinance auf eine Anzeige, sei dies, «als ob die Polizei Geschwindigkeitskontrollen machen, aber keine Bussen verteilen würde.»

Ob die Postfinance eine Strafanzeige einreiche, werde gegenwärtig im Rahmen der juristischen Aufarbeitung des Falles abgeklärt, sagte Sprecher Alex Josty auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Wann dieser Entscheid fällt, ist ebenfalls offen.

Im Extremfall «Schotten dicht machen»

Die Angriffe auf das Internetportal von Postfinance waren eine Reaktion von Wikileaks-Anhängern auf eine Sperrung eines Spendenkontos für Wikileaks-Gründer Julian Assange. Laut Postfinance waren aber zu keinem Zeitpunkt Kundendaten oder Zahlungen gefährdet. Den Aktivisten gelang es aber, den Zugriff auf das Portal teilweise lahmzulegen.

Laut Lamia ist der Bund mit Notfallplänen gegen Hackerangriffe gewappnet. In einer «absoluten Extremsituation» - wenn nebst der Bundesverwaltung auch gleichzeitig die Webseiten von Banken und anderen Grosskonzernen angegriffen würden - «müssten wir die Schotten dicht machen».

Eine Möglichkeit wäre dann, «die Schweiz vom Internet abzuhängen und sämtliche Zugriffe aus dem Ausland zu sperren.» Eine solche Massnahme wäre aber mit «extremen wirtschaftlichen Schäden verbunden und dürfte nicht leichtfertig getroffen werden», sagte Lamia weiter.

(sda)