US-Informant

08. Dezember 2010 17:11; Akt: 08.12.2010 17:19 Print

Westerwelle feuert den Maulwurf

Der Informant, der den USA geheime Informationen aus dem Umfeld des deutschen Aussenministers Guido Westerwelle preis gegeben hat, muss seinen Posten räumen.

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Die FDP-Spitze hat sich endgültig von dem US-Informanten in ihren eigenen Reihen, Helmut Metzner, getrennt. Das Arbeitsverhältnis zwischen der Bundesgeschäftsstelle und dem ehemaligen Büroleiter von FDP-Chef Guido Westerwelle sei «einvernehmlich» aufgelöst worden, sagte Parteisprecher Wulf Oehme am Mittwoch. Über Details der Vertragsauflösung wurde Stillschweigen vereinbart. Metzner ist damit ab sofort nicht mehr für die Partei tätig.

Der ehemalige FDP-Mitarbeiter soll der US-Botschaft in Berlin unter anderem Interna aus den Koalitionsverhandlungen zwischen Union und FDP verraten haben. Die Liberalen erfuhren von einem «Maulwurf» in ihren Reihen durch vertrauliche Dokumente des US-Aussenministeriums, die von der Internetplattform Wikileaks veröffentlicht wurden. Der Informant soll vom amerikanischen Botschafter Philip Murphy als junger, aufstrebender FDP-Mitarbeiter beschrieben worden sein, der gerne auch aus seinen persönlichen Gesprächsnotizen vorgelesen habe.

Nach internen Befragungen geoutet

Nach hausinternen Befragungen outete sich Metzner, der zum Zeitpunkt der Koalitionsverhandlungen Leiter der Abteilung «Strategie und Kampagne» war, vor einer Woche schliesslich. Der 41-Jährige wurde daraufhin von der Parteispitze beurlaubt. Die FDP hob zugleich stets hervor, dass keine vertraulichen Dokumente übergeben oder zur Einsicht gewährt worden seien und es keine Anhaltspunkte für ein «rechtlich angreifbares Verhalten» gebe.

Metzner seinerseits schaltete eine Anwalt ein, um der Parteizentrale seine Forderungen für die berufliche Zukunft mitzuteilen. «Ich muss meine Existenz sichern», begründete er den Schritt am Wochenende in der «Bild am Sonntag».

Wikileaks hatte vor knapp zwei Wochen rund 250 000 teils vertrauliche Dokumente des US-Aussenministeriums ins Internet gestellt. Darin wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unter anderem als risikoscheu und wenig kreativ beschrieben, Westerwelle als eitel und überschäumend, CSU-Chef Horst Seehofer als unberechenbar.

(ap)