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Angst um Assange
05. Dezember 2010 18:41; Akt: 10.12.2010 08:57 Print
Wikileaks droht mit «Nuklearschlag»
Der Londoner Anwalt von Julian Assange droht, Wikileaks sei in Besitz von «thermonuklearem» Geheimmaterial. Die Schlinge um Assange zieht sich unterdessen immer weiter zu.
Das Enthüllungsportal Wikileaks und sein Gründer Julian Assange geraten immer mehr unter Druck. Nach der Veröffentlichung hunderttausender geheimer Dokumente aus US-Botschaften durch Wikileaks hatte der Australier die Befürchtung geäussert, dass ihm Geheimdienste oder andere US-Stellen nach dem Leben trachten könnten.
Bildstrecken Wie tickt Julian Assange? Video
«Assange sollte ermordet werden»
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Peter Regli: Assange in Todesgefahr
Der frühere Schweizer Geheimdienstchef Peter Regli sieht Wikileaks-Gründer Julian Assange in ernsthafter Gefahr. «Ich wäre nicht überrascht, wenn er plötzlich Opfer eines Autounfalls, von einem U-Bahnperron auf die Geleise stürzen oder an einem 'Herzinfarkt' sterben würde», sagte Regli gegenüber dem «Sonntag». Regli, der von 1991 bis 1999 Direktor des Schweizer Nachrichtendienstes war, bezeichnet Assange zudem im Interview als «verantwortungslosen, mediensüchtigen, in sich selbst verliebten Egomanen, der einen sehr tiefen Hass gegen die USA haben muss».
Assanges Londoner Anwalt Mark Stephens sagte, es sei zu befürchten, dass sein Mandant an die USA ausgeliefert werde. Dort hätten hochrangige Politiker wegen der seit einer Woche laufenden Enthüllung teilweise geheimer amerikanischer Diplomaten-Depeschen seine Verurteilung zum Tode verlangt. Die schwedische Staatsanwältin Marianne Ny, die nach Assange wegen angeblicher Vergewaltigung fahndet, schloss eine Auslieferung an die USA jedoch aus.
Laut Anwalt Stephens ist die Wikileaks-Website seit Tagen Ziel einer «grossen Zahl von Cyberattacken». Stephens bestätigte auch, dass die Organisation im Besitz von Geheimmaterial sei, das sie selbst als «thermonuklear» einstufe. Dies werde veröffentlicht, falls Wikileaks sich schützen müsse, sagte der Anwalt.
Schlinge um Assange zieht sich zu
Unterdessen geht das juristische Tauziehen um Julian Assange weiter. Schwedens Justiz schliesst ein Verhör in London wegen der gegen ihn erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe aus und beharrt auf einer Auslieferung, wie Oberstaatsanwältin Marianne Ny deutlich machte.
Assanges Anwalt Mark Stephens bezeichnete den von Schweden erwirkten internationalen Haftbefehl als «politischen Trick». Assange werde sich gegen eine Überstellung in das Land juristisch wehren. Der 39-Jährige soll zwei Schwedinnen bei einem Besuch im August zu ungeschütztem Sex gezwungen haben. Er weist die Vorwürfe zurück.
Seit dem Wochenende prüft auch die australische Bundespolizei, ob Assange auch in seiner Heimat gegen geltendes Recht verstossen hat.
Paypal verloren - Schweizer Postkonto (noch) aktiv
Nachdem das Portal am Freitag seine angestammte Web-Adresse wikileaks.org verloren hatte, sperrte nun der Bezahldienst Paypal ein Konto der Internet-Aktivisten, über das Spenden abgewickelt wurden. Spenden zur Unterstützung von Wikileaks sind inzwischen bei Paypal unmöglich. Wegen «Verletzung der Nutzungsbedingungen» sei das Wikileaks-Konto dauerhaft gesperrt worden, teilte die Tochter der Handelsplattform Ebay auf ihrer Blogseite «thepaypalblog.com» mit. Paypal schliesst die Benutzung seiner Dienste aus, wenn dadurch «illegale Aktivitäten» gefördert werden.
Bei der Schweizer Postfinance verfügt Assange über ein Spendenkonto. Aus diesem Topf werden «Verteidigungs-Kosten» bestritten, wie es auf der Internet-Seite der Organisation heisst. Gemäss einem Bericht der «NZZ am Sonntag» überprüft die Postfinance die Geschäftsbeziehung mit Assange. Namentlich dessen angeblicher Wohnsitz in Genf zum Zeitpunkt der Kontoeröffnung werde unter die Lupe genommen, sagte ein Sprecher gegenüber verschiedenen Medien.
Nach Angaben des Wikileaks-Gründers braucht die Plattform pro Jahr mindestens
Auch diese Stiftung darf Paypal nun nicht mehr nutzen, wie sie auf ihrer Internetseite mitteilt. Nach Informationen des deutschen Nachrichtenmagazins «Focus» waren in kürzester Zeit nach Veröffentlichung der US-Diplomatendossiers
Wikileaks nicht zu stoppen
Nach der Blockade der zentralen Internet-Adresse von Wikileaks richteten Unterstützer des Projekts bis Sonntag mehr als 70 andere Adressen ein. Mit solchen «Mirrors» (Spiegelungen) der Website an unterschiedlichen Orten werde es unmöglich, «Wikileaks jemals völlig aus dem Internet zu verbannen», erklärten die Betreiber der Plattform.
Die zentrale Adresse wikileaks.org ist seit Freitag nicht mehr erreichbar, weil die US-Firma EveryDNS.net, bei der diese Adresse geführt wurde, den Eintrag aus ihrer Datenbank entfernte.
Piratenpartei: Keine Hacker-Angriffe
Die Schweizerische Piratenpartei, die die Adresse wikileaks.ch vor rund sechs Monaten für sich reserviert hat, konnte bislang keinerlei Hacker-Angriffe festellen. EveryDNS.net hatte dies als Argument für den Rauswurf von Wikileaks genannt. Es ist der Piratenpartei deshalb «unerklärlich, wie EveryDNS zum Schluss kommen konnte, wikileaks.org verursache zuviel Traffic und gefährde ihren regulären Betrieb.»
Gemäss Angaben der Partei hat die Domainregistrationsstelle Switch
versichert, es gäbe keinen Anlass, wikileaks.ch zu sperren - auch nicht seitens des Bundesamtes für Kommunikation (BAKOM). Zur Zeit würden pro Sekunde 3000 Besucher von wikileaks.ch auf die Wikileaks-Server weitergeleitet. Dank der Unterstützung der Enthüllungsplattform sei die Mitgliederzahl der Piratenpartei am Wochenende auf über 1000 gestiegen.
(rub/sda)



























