Trauer in Winnenden

13. März 2009 11:32; Akt: 13.03.2009 12:29 Print

«Der 11. März ist unser 11. September»«Der 11. März ist unser 11. September»

Kerzen, Stofftiere und Abschiedsbriefe: Die Trauer vor der Albertville-Realschule in Winnenden ist auch zwei Tage nach dem Amoklauf noch greifbar. Die Wut über den grossen Medienrummel steigt.

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«Der 11. März ist unser 11. September», steht mit Bezugnahme auf die Terroranschläge in den USA vor siebeneinhalb Jahren auf einer der zahlreichen handgeschriebenen Botschaften. Hunderte Kerzen und Blumen haben die Trauernden vor dem Schulgebäude abgelegt.

Die Schule selbst ist noch immer abgesperrt, die Klassenzimmer sind dunkel. Ein Lastwagen bringt Umzugskartons. Auch nächste Woche wird nach Auskunft der Schulleiterin der Unterricht noch nicht wieder aufgenommen, und auch danach wird er sicher nicht in dem Gebäude stattfinden, in dem der Amokläufer Tim K. am Mittwoch die ersten Schüsse abgab und zwölf Menschen tötete. Was aus der Schule wird, ist nach Angaben der Stadt noch nicht entschieden.

Übertragungswagen neben Trauerkerzen

Auch am zweiten Tag nach dem Amoklauf kommen Schüler und vereinzelt auch Erwachsene zu der Realschule, um Kerzen anzuzünden und Briefe an die Getöteten niederzulegen. «Warum?» ist die Frage, die darin am häufigsten auftaucht.

Die Trauer findet auch am Freitag neben knapp einem Dutzend Übertragungswagen der Fernsehsender statt. Stromgeneratoren brummen direkt neben dem Kerzen-Meer, mitten darin steht eine Kabeltrommel. Abgasgestank liegt in der Luft, leere Kaffeebecher und Zigarettenschachteln liegen herum. Am Morgen bricht offener Streit aus zwischen einer Lehrerin, die mit ihrer Klasse in Ruhe die Schilder und Briefe betrachten möchte, und einem Fernsehteam.

Wut gegen die Medien

«Keine Presse», «Gegen Paparazzi» haben Schüler im angrenzenden Gebäude mit Hauptschule und Gymnasium auf Plakate geschrieben und in das Fenster ihres Klassenzimmers gehängt. Auch sie sind genervt von dem Medienauflauf.

Und selbst wenn die letzten Journalisten den Tatort verlassen haben, wird es noch Wochen dauern, bis wenigstens wieder etwas Normalität in der Kleinstadt einkehrt.

(dapd)