PK zum Amoklauf in Winnenden

12. März 2009 09:51; Akt: 13.03.2009 07:19 Print

Er hatte mehr als 250 Schuss Munition dabeiEr hatte mehr als 250 Schuss Munition dabei

Tim K. war letzten Sommer wegen Depressionen in Behandlung, brach die Therapie aber ab. Dies ist eine der Erkenntnisse, über welche die Polizei heute Mittag informierte. In Winnenden und Wendlingen gab der 17-Jährige 109 Schüsse ab, bevor er sich selbst tötete. Seinem Amoklauf an seiner alten Schule fielen 15 Menschen zum Opfer.

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An der Medienkonferenz informierten der Innenminister von Baden-Württemberg, Heribert Rech, und Vertreter der ermittelnden Polizeien sowie der Staatsanwaltschaft Stuttgart über den Stand der Ermittlungen. Danach hatte Tim K. seine Tat in einem Chatroom des deutschsprachigen Internetportals Krautchan.net angekündigt. Der Server des Portals steht in den USA, es gilt laut Polizeiaussage als «Spass-Forum».

Um 2.45 Uhr am Mittwochmorgen, also rund sechs Stunden vor der Tat, schrieb Tim K. dort: «Ich werde morgen mal in meine alte Schule gehen und richtig gepflegt grillen. Merkt euch den Namen: Winnenden.»

Allerdings schrieb er auch, man müsse jetzt nicht zur Polizei laufen, er sei nur ein Troll. User, die die Meldung sahen, reagierten denn auch nicht. Erst, als die Tragödie bereits geschehen war, zeigte ein Junge seinem Vater den Eintrag im Chatroom.

Pornobilder auf dem Computer

Die Polizei fand auf Tim K.s Computer Spiele wie «Counterstrike» sowie Pornobilder, aber «nicht in einem ungewöhnlichen Ausmass».

Im Haus der Eltern des Täters fand die Polizei neben den Schusswaffen, für die der Vater eine Besitzerlaubnis hat, rund 2500 Schuss Munition. Tim, der seinen Vater öfters in den Schützenverein begleitet hatte, sei «geübt» gewesen im Umgang mit Schusswaffen.

Insgesamt schoss Tim K. 112 Mal aus der Waffe, die sein Vater im Schlafzimmer und nicht im Waffenschrank aufbewahrt hatte. Man fand bei ihm noch weit über 100 Schuss Munition. Insgesamt habe er mehr als 250 Schuss bei sich gehabt, als er die Realschule Albertville betrat und gezielt in zwei Klassenzimmer ging, wo er seine Opfer mit Kopfschüssen tötete.

Trittbrettfahrer kündigen Amokläufe an

Nach der Tat sind laut Polizeipräsident Erwin Hetger im Land Baden-Württemberg sechs Ankündigungen eines ähnlichen Amoklaufs eingegangen.

Die Opfer des Amoklaufs werden gemeinsam in der Gemeinschaftshalle des psychiatrischen Zentrums in Winnenden aufgebahrt werden. Einzig der Täter werde obduziert, teilte die Staatsanwaltschaft Stuttgart mit, um den Angehörigen weiteres Leid zu ersparen.

Tim K. hatte dort im September 2008 fünf Behandlungstermine wegen Depressionen. Danach brach er die Behandlung ab. Seine Eltern wussten davon. Sie könnten sich aber die Tat ihres Sohnes nicht erklären und hätten sie ihm nie zugetraut. Die psychischen Probleme waren aktenkundig: Bei seiner Musterung legte er Hinweise auf eine Erkrankung vor, die eine psychiatrische Behandlung erforderlich machten.

Gegen den Vater wird derzeit nicht ermittelt

Nach den Sommerferien 2008 begann Tim K. einen zweijährigen Berufsvorbereitungskurs für einen kaufmännischen Beruf.

Gemäss Polizei haben die bisherigen Zeugenbefragungen keine Hinweise auf eine Amoktat von Tim K. ergeben. Gegen den Vater des Täters sei bisher kein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, bisher sei er Zeuge.

Hans-Dieter Wagner von der Polizei Esslingen schildert, wie Tim K. in Wendlingen wütete: «Nachdem der Täter zu Fuss ins Industriegebiet Wendlingen gelangt war, ging er ins Autohaus, um seine Flucht mit einem Auto fortzusetzen. Als seiner Forderung nicht nachgegeben wurde, gab er 13 Schüsse auf den Verkäufer und auf einen Kunden ab. Weil er nachladen musste, gelang einem weiteren Verkäufer und einem Kunden die Flucht durch den Hinterausgang.»

Augenzeugen sahen, wie er sich erschoss

Als der Täter das Autohaus verliess, kam es zur Schiesserei mit der Polizei, bei der Tim K. starb. Laut Polizei gibt es Augenzeugen, die beobachtet haben, wie er sich selbst mit seiner Waffe gerichtet hat.

Vorher hatte Tim K. in Winnenden eine Geisel genommen, die ihn im Auto zur Flucht verhelfen musste. Es handelt sich um einen 41-jährigen Mann, der im Auto auf dem Parkplatz sass und auf jemanden wartete. Tim K. riss die Autotür auf und hielt dem Mann die Waffe an den Kopf. Polizist Wagner: «Die Geisel hatte permanent Todesangst. Der Täter hat ihn mit vorgehaltener Waffe bedroht, hat ihm vorgeschrieben, auf welcher Spur er fahren soll. Irgendwann fragte der Täter, ob er Spass machen und auf andere Autos schiessen solle.»