Schüsse in Schwulen-Disco

02. August 2009 08:23; Akt: 02.08.2009 08:31 Print

«Das war eine Tat voller Hass»«Das war eine Tat voller Hass»

Bei einem Angriff auf ein Homosexuellen- Zentrum in Tel Aviv sind zwei Menschen getötet und mindestens elf weitere verletzt worden. Nach Angaben der israelischen Rettungsdienste starben ein junger Mann und eine junge Frau sofort.

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Zuvor war von drei Toten die Rede gewesen. Der Tod eines dritten Opfers sei in der Nacht irrtümlich von Spitalmitarbeitern gemeldet worden, teilten Einsatzkräfte am Sonntagmorgen mit. Von den elf Verletzten hätten drei schwere Verletzungen erlitten.

Der laut Augenzeugen ganz in Schwarz gekleidete Mann stürmte den Club und begann unvermittelt, um sich zu schiessen. «Das war eine Tat voller Hass, ein geplantes Verbrechen», sagte der Augenzeuge Janiv Weisman dem Fernsehsender Kanal 10. Die Opfer seien sehr jung gewesen.

Der maskierte, ganz in schwarz gekleidete Täter konnte unerkannt fliehen. Er hatte mit einer Schnellfeuerwaffe in eine vor dem Treffpunkt stehende Menschengruppe gefeuert. Nach Angaben von Augenzeugen versuchte der Angreifer, auch noch eine nahegelegene Schwulenbar anzugreifen. Wachposten verwehrten ihm jedoch den Zutritt.

Der Club «Café Noir» im Keller eines Hauses der Tel Aviver Innenstadt sei bei Jugendlichen sehr beliebt gewesen, sagte Weisman. In dem Gebäude hat auch der Verband der Lesben und Schwulen seine Räume.

Schwulen-Feindlichkeit als mögliches Motiv

Das Motiv des Täters sei noch unklar, sagte der Polizeichef von Tel Aviv, Schahar Ajalon. Es habe keine Drohungen gegen das Homosexuellen-Zentrum gegeben. Er rief zu erhöhter Wachsamkeit auf.

Der Minister für Innere Sicherheit, Jizchak Aharonowitsch, vermutetete Homosexuellenfeindlichkeit hinter dem Angriff. Die Polizei werde alles tun, um den Täter festzunehmen, sagte er im Militärradio.

Tausende Menschen demonstrierten in der Nacht gegen den Angriff. Mitglieder der Homosexuellen-Vereinigung, die den Treffpunkt unterhält, gingen von einem gezielten Angriff auf ihre Gemeinschaft aus.

»Angesichts der Anstiftung zum Hass gegen die homosexuelle Gemeinschaft ist es nicht überraschend, dass so ein Verbrechen begangen werden kann», sagte der Präsident von Tel Avivs Homosexuellen-Vereinigung, Mai Pelem, unter Verweis auf feindliche Äusserungen in religiösen Kreisen.

In der Vergangenheit sei der Eingang des Zentrums mit Hakenkreuzen beschmiert worden. Der Treffpunkt liegt im Zentrum von Tel Aviv. Im Gegensatz zu Jerusalem ist die Stadt am Mittelmeer für ihre gesellschaftliche Offenheit bekannt.

Sollte der Täter tatsächlich aus Homosexuellen-Feindlichkeit gehandelt haben, wäre es der schwerste Angriff auf die Schwulen- und Lesbengemeinschaft in Israel. 2005 hatte ein ultraorthodoxer Jude drei Teilnehmer einer Homosexuellenparade erstochen. Er wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

(sda/dapd)