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Begleiter des Entführten
02. Februar 2012 11:50; Akt: 09.02.2012 13:22 Print
«Ich dachte: Spring oder stirb»
Philippinische Marines suchen mit Hochdruck nach dem verschleppten Schweizer Tierpräparator. Nun schildert sein Begleiter, wie er in extremis vor den Kidnappern fliehen konnte.
Hunderte Soldaten durchkämmen in diesen Stunden den äussersten Südwesten der Philippinen nach dem entführten Schweizer Lorenzo V. und seinem holländischen Kollegen. Die beiden Männer wollten in der unzugänglichen Tawi-Tawi-Region den vom Aussterben bedrohten Sulu-Nashornvogel fotografieren.
Reiseführer Ivan Sarenas. Foto: key
Führer von Extremisten tot
Die philippinischen Streitkräfte haben gestern bei einem Luftangriff auf die Insel Jolo den Anführer der Extremistengruppe Abu Sayyaf, Umbra Jumdail, getötet. Die Organisation wird für die Entführung des Schweizers Lorenzo V. verantwortlich gemacht. Ausserdem wurde den Angaben zufolge Zulkifli bin Hir, der meistgesuchte Terrorist Südostasiens und Führer des Netzwerks Jemaah Islamiyah, das enge Verbindungen zu El Kaida unterhält, getötet.
«Wir haben die Geiseln noch nicht lokalisieren können», erklärt ein Armeesprecher vor Ort. Die Hoffnung auf ein rasches Ende des Dramas schwinde mit jeder Stunde.
Letzte Chance: In die Tiefe tauchen
Während die Geiseln um ihr Leben fürchten müssen, schildert der philippinische Begleiter seine Flucht vom Kidnapper-Boot. Auf der Rückfahrt vom dreitägigen Dschungel-Trip seien sie auf offener See verschleppt worden. «Die Entführer gaben Warnschüsse auf uns ab und befahlen uns, in ihr Boot umzusteigen», sagt Ivan Serenas zur Nachrichtenagentur AP. Mehr als zwei Stunden seien sie dann womöglich in Richtung der Islamisten-Hochburg Jolo gerast.
«Da musste ich mich entscheiden: Flüchten oder in den Händen der Islamisten sterben.» Dann fasste sich der Triathlet in der Nähe einer Insel ein Herz und sprang vom Boot: «Ich dachte, sie werden auf mich schiessen. Deshalb tauchte ich sehr tief und blieb so lange wie möglich unter Wasser», so Serenas. Herbeigeeilte Fischer konnten den Mann vor den Entführern retten. Zuvor habe er den zweifachen Familienvater Lorenzo V. in seinen Fluchtplan eingeweiht: «Er sagte: Viel Glück, gehe jetzt», so Sarenas.
Weshalb sich Lorenzo V. gegen eine Flucht entscheiden hat, ist unklar. «Er ist kein Draufgänger», sagte gestern ein Arbeitskollege gegenüber 20 Minuten Online. Über die Entführer ist bislang noch nichts bekannt. Laut Medienberichten vermuten die Behörden, dass womöglich Banditen die Geiseln an die Terroristen-Organisation Abu-Saiaf, die der Al Kaida nahesteht, verkaufen wollen. Dies ist in der Region bereits des Öfteren geschehen.
Lehnte der Schweizer bewaffnete Begleitung ab?
Lorenzo V. hatte die Gegend bereits einmal bereist. Er verzichtete offenbar auf Schutzmassnahmen: «Er und sein Freund wollten sich nicht von bewaffneten Männern begleiten lassen. Deshalb schickten wir einen unbewaffneten Polizisten und einen Gemeindevertreter auf den Dschungeltrip mit», sagt der Provinzgouverneur gegenüber AP.
Diesen Entscheid dürfte – wenn diese unbestätigte Information denn stimmt – Lorenzo V. mittlerweile bitter bereuen. Den Geiseln droht nun eine lange Gefangenschaft im dichten Dschungel der Philippinen. Seit Mitte 2010 haben Extremisten in der Region zehn Ausländer entführt, um Lösegeld zu erpressen. Im Januar tauchte ein Video von einem verschleppten Australier auf, wo Islamisten zwei Millionen Dollar für die Freilassung fordern. Andere Geiseln wurden getötet, weil das Lösegeld nicht bezahlt wurde. Bleibt nur zu hoffen, dass Lorenzo V. so rasch wie möglich wieder zu seiner Familie in der Ostschweiz zurückkehren kann.
(am)


























