Hölle für Tiere

30. April 2010 08:35; Akt: 30.04.2010 08:50 Print

«Kein Zoo ist so schlimm wie der beste Zirkus»«Kein Zoo ist so schlimm wie der beste Zirkus»

von Carlos Valdez, AP - Die bolivianische Regierung hat entschieden, dass Tiere nicht mehr im Zirkus auftreten dürfen. Sie werden in den Ruhestand geschickt. Der Grund: Die Zootiere wurden grausam gequält.

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Ein Löwe im Zirkus von Cochabamba in Bolivien. Sein Schicksal ist ungewiss. (Bild: Keystone/AP)

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Die Löwin «Maiza» hätte in der Wildnis 40 Jahre alt werden können. Doch in Gefangenschaft wird sie wohl nur halb so lange leben. Nach 18 Jahren im Zirkus ist sie gebrechlich und fast blind. Es waren lange Jahre, in denen sie durch Feuerreifen springen und unter ständiger Androhung von Peitschenhieben ihrem Dompteur gehorchen musste.

Zwei ihrer Welpen wurden die Fangzähne gestutzt, damit Dompteure ihnen publikumswirksam den Kopf ins Maul stecken konnten. Einem anderen Jungtier wurden kurz nach der Geburt die Krallen herausgerissen - ohne Betäubung. Tierschutzorganisationen haben viele solcher Geschichten zusammengetragen und teilweise heimlich gefilmt. Das Material hat dazu beigetragen, dass das bolivianische Parlament das weltweit restriktivste Auftrittsverbot für Tiere in Zirkusshows erliess. Es erstreckt sich nicht nur auf Wildtiere, sondern verbietet auch Nummern mit Haustieren.


Gesetz tritt im Juli in Kraft

«Maiza», vier ihrer Jungtiere und der Pavian «Tillin» sind die ersten, die von dem Verbot profitieren. Erst im Juli tritt das Gesetz offiziell in Kraft, doch ihr Besitzer schenkte ihnen schon jetzt die Freiheit. Die fünf Grosskatzen dürfen ihren Lebensabend in einem kalifornischen Reservat für ehemalige Zirkustiere verbringen. Der Affe wird voraussichtlich in einem Tierheim in Grossbritannien unterkommen. Aber noch niemand kann sagen, was mit den Tieren passieren soll, die im Moment noch mit einem Zirkus durchs Land ziehen.

Die bolivianischen Zoos sind jetzt schon überbelegt und grösstenteils in schlechtem Zustand. Selbst für die ersten sechs Tiere, um die sich die britische Organisation Animal Defenders International (ADI) kümmert, musste erst einmal ein Platz gefunden werden. Ausserdem gab es in Bolivien keinen qualifizierten Pfleger für die Grosskatzen. ADI musste einen Experten einfliegen.

Das in Zentral-Bolivien gelegene Wildtiergehege Inti Wara Yassi beherbergt aktuell rund 1.000 Tiere, hauptsächlich Affen und Aras. Es hat angekündigt, die heimatlosen Tiere aufnehmen zu wollen, wenn dafür Geld von der Regierung fliesst. ADI hat an das bolivianische Parlament appelliert, Regeln zu schaffen, die den Umgang und die Unterbringung der betroffenen Tiere regeln - und zwar noch bevor das Verbot in Kraft tritt.


«Sie waren ein Teil meiner Familie»

Obwohl Zirkusbesitzer ein Jahr Zeit hatten, das Verbot umzusetzen, entliess Salvador Abuhadba seine Löwen und den Pavian bereits im vergangenen August. Er sagt, er brauche keinen Ärger mit dem neuen Gesetz. Er bestreitet, die Tiere jemals misshandelt zu haben. «Sie waren ein Teil meiner Familie. Sie verdienen einen würdigen Ruhestand», sagt Abuhadba, der seinen nun tierlosen Betrieb in Abuhadbas ökologischen Zirkus umbenannt hat. «Ich verdiene nicht so viel Geld wie früher, aber ich glaube, ich habe das richtige getan», sagt er.

Die Löwen sind bis zu ihrer Umsiedelung nach Kalifornien in einem Wildpark in Bolivien untergebracht. Sie haben nach einem Leben in Gefangenschaft nicht mehr die Erhabenheit und den Mut ihrer in der Wildnis lebenden Artgenossen. Aber grosse Portionen Fleisch, Nahrungszusätze und aufopfernde Pflege haben dafür gesorgt, dass sie zugenommen und einige ihrer Instinkte zurückgewonnen haben.

«Jetzt hat ihr Fell wieder Glanz bekommen und sie pflegen sich gegenseitig - ein gutes Zeichen», sagt Richard Talavera, ihr Chef-Pfleger. Doch «Maiza», prophezeit er, werde nicht mehr lange zu leben haben.

Zusammen mit ihren Jungen wird die Löwenmutter im Mai in das 931 Hektar grosse Reservat der Performing Animal Welfare Society (PAWS) nach Kalifornien gebracht. ADI hat sich bereiterklärt, die Kosten für die Unterbringung der Tiere zu übernehmen. 75 Dollar (57 Euro) am Tag plus den Lohn für die Pfleger kosten die Plätze im Reservat.

«Es wäre mir am liebsten, wenn das keine Ausnahme bliebe», sagt Pat Derby, Präsidentin und Gründerin von PAWS. «Für Zirkustiere gibt es keine schönen Tage. Der schlimmste Zoo der Welt ist nicht so schlimm wie der beste Zirkus.»

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  • S. Lippert am 11.05.2010 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    Daumen hoch...

    für Bolivien!!! Ich hoffe aus tiefstem Herzen, dass sich auch alle anderen Länder für ein solches Verbot entscheiden. Kein Applaus für Tierquälerei (gilt für mich übrigens auch für Zoos...)!!!

  • Helmut Rentsch am 02.05.2010 22:30 Report Diesen Beitrag melden

    Wer behauptet, "kein Zoo sei so schlimm

    Wer behauptet, "kein Zoo sei so schlimm wie der beste Zirkus" kennt offenbar Zoos nicht, siehe bspw. Passend dazu: von Zoos im Ausland gar nicht zu sprechen, bei denen man sogar Tiere quälen darf, wenn man die Tierpfleger besticht.

  • zZony am 02.05.2010 21:05 Report Diesen Beitrag melden

    FÜR EIN Weltweites Verbot !!!

    Wildtiere leiden in der Manege und hinter den Kulissen. Sie können nicht artgerecht gehalten werden. Sie werden in engen und viel zu kleinen Käfigen transportiert und sind ständig unterwegs. Die Tiere leben die meiste Zeit im Transportwagen. Käfige werden ständig auf und abgeladen. Die Wildtiere haben keine Auslaufmöglichkeiten, können weder klettern, schwimmen noch springen oder sich austoben. Zu den unnatürlichen Zirkustricks werden sie mit fragwürdigen Methoden gezwungen, Futterentzug und Schlägen. Was ist das für ein Tier-Leben? Ein armseliges und entwürdigendes!!!