Drohendes Verbot

19. März 2010 17:14; Akt: 22.03.2010 14:30 Print

«Killergames sind entspannend»«Killergames sind entspannend»

von Adrian Müller - Ausgeballert: Das Parlament hat beschlossen, besonders brutale Ego-Shooter zu verbieten. Zwei Gamer erzählen, was den Reiz des virtuellen Tötens ausmacht.

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Zivilisten erschiessen als Freizeitbeschäftigung: Flughafen-Szene in "Call of Duty: Modern Warfare II".

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Diese Szene aus «Modern Warefare II» erschüttert selbst hartgesottene Zocker: Als schwer bewaffnetes Mitglied eines Terrorkommandos schreitet man in das Moskauer Flughafenterminal, zückt das Gewehr und muss innert Sekunden dutzende Zivilisten über den Haufen «mähen». Das Blut spritzt, die Menschen schreien. Nicht zuletzt wegen diesem Spiel hat der Ständerat am Donnerstag eine Motion von Evi Allemann (SP) an den Bundesrat überwiesen.

Gamen als Kriegserfahrung

Das Verbot von brutalen Ego-Shootern könnte hunderttausende Schweizer Gamer treffen. Einer von ihnen ist der 32-jährige Daniel Wegmann. Warum zockt er Ego-Shooter besonders gerne? «Diese Spiele sind besonders schweisstreibend und erfordern höchste Konzentration», sagt der im Online-Business tätige Zürcher. Er habe schon im Militär gerne geschossen. «Diese Games sind die nächstmögliche Erfahrung einer Kriegssituation und sind deshalb besonders reizvoll.» Aggressionen verspüre er nach dem Spielen keine, im Gegenteil: «Nach einer Zock-Session bin ich eher müde und erschöpft.»

Gamen als Sportart

Auch Dario Salice steht auf Ballergames. Der Präsident der Swiss E-Sports Federation (SESF), die Gamen als Sportart etablieren will, hat an vorderster Front gegen die Killergames-Vorstösse im Parlament gekämpft. Mit 15 hat er sein erstes Ballergame gespielt, seither ist er vom Game-Virus infisziert; oftmals zockt er Online-Multiplayerspiele wie «Counterstrike». «Bei uns steht nicht Gewalt und Ballern im Mittelpunkt, sondern Strategie und Kommunikation im Team», betont Salice. Die SESF stellt sogar Schweizer Nationalteams, welche in Ego-Shootern wie «Battlefield» virtuell gegen andere Nationen kämpfen. Er plädiert auch für einen besseren Jugendschutz: «Wie andere Medien sollen Videogames unbedingt in der Schule thematisiert werden.» Denn viele Eltern seien überfordert, wenn ihr Kind plötzlich mit einem Brutalo-Game nach Hause komme.

Gamen als Geschäft

Mehr Geschäft als Sportart sind Killerspiele für Michael Wyler, Geschäftsführer des Schweizer Onlineshops «World of Games». Auch er musste ob der Flughafenszene in Modern Warfare II leer schlucken – trotzdem hat er auch die unzensierte, englische Version verkauft. Dies weil nur in einem Level sinnlose Gewalt angewendet werde. Manhunt II, eines der brutalsten Spiele der Game-Geschichte, geht bei ihm hingegen nicht über den Ladentisch: «Bei diesem Spiel ist die hohe Brutalität das Hauptkaufargument – es ist für uns schlicht zu brutal.»

Sturmgewehr statt Videospiel

Wie Salice wehrt er sich aber gegen ein generelles Verkaufsverbot von Killergames, wie es die Räte entgegen der Meinung von Justizministerin Widmer-Schlumpf anstreben. «Extreme Brutalospiele wie «Manhunt» sollte man verbieten, für den Rest reicht die Alterbeschränkung», sagt Wyler. Ein generelles Verbot sei ein völliger Irrsinn: «14-Jährige dürfen auf dem Schiessstand mit einem echten Sturmgewehr schiessen, virtuelle Games hingegen sollen verboten sein.»

Ob Verbot oder nicht, Daniel Wegmann wird weiterhin drauflosballern. «Wenn ich die Games nicht mehr kaufen dürfte, würde ich sie aus dem Netz herunterladen.» Zudem sei nach wie vor nicht bewiesen, dass Killergames auch im realen Leben Menschen aggressiv mache. Nichtsdestotrotz plädiert auch Wegmann für einen stärkeren Jugendschutz.

Für ihn steht neben Kino-Felling vor allem die Ablenkung von der strengen Arbeit im Vordergrund: «Mit Ego-Shootern bin ich sofort in einer anderen Welt, Killergames sind total entspannend.»

Passanten sind sich bezüglich des Killerspiel-Verbots einig, wie diese Umfrage vom 19. März 2010 zeigt:
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  • Heizimm am 19.11.2010 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Fuer wen entspannend ?

    Natürlich für die die schon gespannt sind im Kopf. Sie leiden an einer nicht sichtbaren Krankheit, welche heisst Verfolgungswahn. Wer würde es ihnen vergraulen, denn daran leiden wir alle, müssen wir ja auch, denn in der "freien Marktwirtschaft" zählt der, wer rücksichtsloser für seine Interessen "fighten" kann, die anderen bleiben auf der Strecke. machen wir uns nichts vor, in diesem Primitivzeitalter stecken wir eben jetzt, und es braucht Zeit zu jener Intelligenz vorzstossen, wo dies dann nicht mehr nötig ist. Ich meine aber dies nicht als Religion, sondern Einsicht in Vorgänge im Hirn

  • COD (weibliche Gamerin =)) am 04.06.2010 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Verbot bewirkt nichts

    1. Die Flughafenszene finde ich persönlich unnötig. In der europäischen Version ist es jedoch so, dass die Mission sofort abgebrochen wird, wenn man auf Zivilisten schiesst (was gut ist!) 2. Wenn meine Freunde solche Spiele zocken, werden sie kein bischen aggressiv, spielt man mit ihnen jedoch FiFa liegen die Nerven blank, soviel dazu. Und wenn man nun die Amokläufe auf diese Spiele schiebt ist das wirklich nur, weil die Politiker zu faul sind, nach den wirklichen Gründen zu suchen (zb Mobbing!) Verbietet die Killerspiele, wenn es wieder ein Amoklauf gibt, müsst ihr euch aber eine neue Ausrede überlegen.

  • Fabrizio.K am 15.04.2010 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Flughafen-Szene

    Bevor die Mission startet, wird der Spieler darauf hingewiesen dass die folgende Mission für manche Spieler eventuell anstössig sein könnte und man kann sie ÜBERSPRINGEN. (Ohne verlusst von Punkten). Was aus meiner sicht schon aussreichende Zensur ist.