Schweizer Zoos

06. August 2009 12:04; Akt: 06.08.2009 13:43 Print

«Prison Break» im Zoo«Prison Break» im Zoo

von Andrea Löpfe - Da könnten die Actionfilmer in Hollywood noch etwas lernen: Mit spektakulären Sprüngen schaffte es am Sonntag ein Pavianmännchen auf die Mauer seines Geheges. Die Besucher des Zürcher Zoos waren verblüfft. Auch andere Zootiere brechen aufsehenerregend aus.

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Für einmal war die Aufregung vor dem Paviangehege grösser als darin. Ein Blutbrustpavianmännchen sprang am Sonntag im Zoo Zürich auf die Mauer der Anlage. Mit dieser Aktion ist der Blutbrustpavian nicht alleine. In den Schweizer Zoos wird gern mal ausgebrochen.

Die eigentlichen Könige in der Disziplin Ausbruch sind im Zoo Zürich nicht die Paviane. Der Kleine Panda beansprucht im Zoo Zürich ganz klar den ersten Platz. Widerholt macht er sich auf und klettert aus seiner Anlage, meist auch wieder zurück. Ein unverbesserlicher Ausreisser musste sogar umplatziert werden. «Der Kleine ist so oft aus seinem Gehege gesprungen, dass wir einen anderen Platz für ihn finden mussten», erzählt Zoo-Kurator Robert Zingg.

Ein Familienausflug mit Hindernissen

Nicht nur in Zürich, auch in anderen Zoos gehen die Tiere ab und zu auf Entdeckungsreise. Die Ausbrecherkönige im Basler Zolli sind die Meerkatzen. Im Sommer 2008 gelang es den neugierigen Affen, mit der ganzen Familie auszubüxen. Zum Glück konnten die Pfleger die drei erwachsenen Tiere und ihre Jungen wieder einsammeln. Glimpflich ist der Ausbruch eines jungen Geparden im April 2008 verlaufen. Das Tier konnte am Rande des Teiches durch den Zaun schlüpfen. Da er bald von Heimweh geplagt wurde, konnten ihn die Pfleger schnell wieder einfangen.

Die erfolgreichsten Flüchtlinge sind die Fischotter aus dem Tierpark Dälhölzli in Bern. Im Frühling 2006 türmten das Weibchen Orawa und das Männchen Lumpi in die Aare. Dort zogen die beiden sogar drei Jungen gross. Dieser Erfolg hatte leider auch seine Schattenseite. «Wir mussten das Weibchen einschläfern, nachdem es von einem Raubtier schwer verletz wurde», sagt der Kurator des Tierparks, Marc Rosset. Lumpi und ein Junges konnten inzwischen wieder eingefangen werden. Zwei der Jungen befinden sich noch auf freiem Fuss. «Wir bemühen uns aber weiterhin, die Tiere einzufangen.»

Frei wie ein Goldkopflöwenäffchen

Von den Ausbrüchen überrascht werden die Zoos aber nicht. Es gibt für die Tierparks immer ein Abwägen zwischen tiergerechter Haltung und ausbruchsicheren Gehegen. Im Zoo Zürich hat man nun reagiert. Das Herumklettern auf der Mauer, wie letzten Sonntag, wird für das Pavianmännchen nicht mehr möglich sein. Das Gehege wurde zusätzlich mit einem Elektrozaun gesichert.

Frei herumturnen dürfen im Zoo Zürich nur die Goldkopflöwenäffchen. «Ist die Tierart ungefährlich, nimmt man auch mal Abstriche bei der Ausbruchsicherheit der Anlage in Kauf», erklärt Zingg. Dass die Tiere ausreissen, ist unwahrscheinlich. «Wir bieten den Goldkopflöwenäffchen alles, was sie brauchen, damit sie hierbleiben.» Bei manchen Tierarten sind die Umzäunungen eher «psychologische» Grenzen. «Zebras könnten ohne Problem den Graben vor ihrem Gehege überspringen, wenn sie wollten. Die Angst vor der Ungewissheit und das Zugehörigkeitsgefühl zu der Herde hält sie davon ab», erklärt der Kurator.

Der letzte grosse Ausbruch

Anders sieht es bei den gefährlichen Tieren wie Raubkatzen, Elefanten und Menschenaffen aus. «Bei den bedrohlichen Tieren wird darauf geachtet, dass sie mehrfach vom Besucherbereich abgetrennt sind», so Zingg.

Deshalb ist der letzte Ausbruch eines Raubtieres auch schon lange her. 1933 konnte sich ein schwarzer Panther aus seinem Käfig befreien und flüchtete in die Zürcher Wälder. Das Tier wurde einige Wochen später abgeschossen.