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Bertrand Piccards zweiter Streich
06. November 2009 16:38; Akt: 06.11.2009 16:38 Print
«Solarimpulse» testet für den Erstflug
von Adrian Müller, Dübendorf - Heute Mittag ist der Experimentalflieger «Solarimpulse »von Betrand Piccard zum ersten Mal aus dem Hangar in Dübendorf gerollt. Der Erstflug hängt allerdings an einem seidenen Faden.
Hektisches Treiben herrscht diesen Freitagmittag auf dem Flugplatz Dübendorf: Mit Funkgeräten im Ohr montieren Mitarbeiter des Projekts Solarimpulse die letzten der zehntausenden Teile der Maschine, auf deren Flügel über 16000 Silizium-Zellen Strom produzieren.
Das erste Solarflugzeug der Welt hat eine Spannweite von 63,4 Metern und wiegt dank Karbonfaser-Gerüst lediglich 1600 Kilogramm. Auf der Oberfläche der Flügel sind 12'000 Silizium-Zellen eingelassen, die genügend Energie produzieren sollen, um die «Solar Impulse» eine ganze Nacht lang in der Luft zu halten. (sda)Im Krebsgang aus dem Hangar
Mit dem Experimentalflugzeug will Betrand Piccard die Welt umrunden und der Menschheit zeigen, wie leistungsfähig Solarenergie ist. «Der heutige Tag ist sehr wichtig für uns, da das Flugzeug zum ersten Mal den Konstruktionshangar verlässt», sagt Rachel Bros von Solarimpulse. Auch Petrus scheint das futuristische Projekt zu begeistern: Die Sonne vertreibt die Wolken, es ist praktisch windstill - perfektes Wetter für ein vorsichtiges Roll-Out. So einfach ist der erste Schritt in die weite Welt HB-XYZ aber nicht. Da das Flugzeug über eine dermassen grosse Spannweite verfügt, muss die aufgebockte Maschine im Zig-Zack-Kurs aus dem Hangar gezogen werden. «Sie sieht fast ein bisschen aus wie das Fluggerät der Gebrüder Wright», schwärmt ein Solarimpulse-Mitarbeiter.
Cockpit-Käfig soll Piloten schützen
Testpilot Markus Schredel muss wie die Flugpioniere anno 1903 vorerst mit einem offenen Cockpit vorlieb nehmen. «Bei den Bodentest und Kurzflügen benützen wir aus Sicherheitsgründen einen Cockpit-Käfig.» Selbst wenn etwa der Flügel brechen sollte, könne dem Pilot so nichts passieren. Vorerst läuft aber auf dem Flugplatz Dübendorf alles nach Plan: Ein Hubstapler zieht das Solarflugzeug im Schritttempo zum Testgelände. Dort starten zum ersten Mal die vier 10 PS «starken» Motoren. «Die Solarpanels produzieren aber noch keine Energie – der Strom für den Antrieb kommt noch aus einer Batterie», erklärt Rachel Bros.
Am heutigen Testtag unterziehen die Ingenieure dem Flieger nur statische Tests. «Sechs Jahre Entwicklung und Erprobungen müssen sich nun bestätigen», bibbert Bros. Die grösste Gefahr sei, dass das 63 Meter breite und nur 1600 Kilo leichte Flugzeug auseinander brechen könnte.
«Solarimpulse »hüpft noch dieses Jahr
Ob die Konstruktion des Experimentalflugzeugs stabil genug ist, wird sich beim Erstflug um den 20. Dezember zeigen. «Es wird nicht mehr als ein kleiner Hüpfer, aber ein grosser Schritt für das Programm sein», so die Solarimpulse-Crew. Der Erstflug hängt allerdings an einem seidenen Faden: «Schlechtes Wetter könnte alle unserere Bemühungen zunichte machen», befürchtet Rachel Bros.
Richtig in den Himmel steigen wird Solarimpulse aber sowieso erst, wenn das Fluggerät sein neues Quartier auf dem Militärflugplatz Payerne(VD) bezogen hat. Dort stehen Testflüge in grösserer Höhe und ein vollständiger Tag-Nacht-Flug auf dem Programm.
Trotz allen Fortschritten: Es ist noch ein weiter Weg bis Ballon-Weltumrunder Betrand Piccard mit der «Solar Impulse» im Jahr 2012 einmal die Erde umrunden will - angetrieben lediglich durch Sonnenenergie.


























