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22. Januar 2007 18:47; Akt: 23.01.2007 09:04 Print
Die Plünder-Party von Branscombe
Fässerweise edle Tropfen, Parfüm, Motorräder, Kleider: Die Plünderer lassen sich nicht lumpen und nehmen mit, was die gestrandete «MSC Napoli» Verwertbares verloren hat. Lange Zeit musste die britische Polizei die Diebe gewähren lassen.
Die Anwohner des Strandes von Branscombe, wo die Container der havarierten «MSC Napoli» angespült worden waren, schleppten teilweise unter Beobachtung von Fernsehkameras und Fotografen Umengen von Material weg. Container mit Luxusfahrzeugen, darunter BMW-Motorrädern mitsamt Ersatzteilen wurden aufgebrochen und geplündert. Gegenüber «Spiegel Online» sagte eine Frau, die von Journalisten beim Plündern beobachtet worden war: «Ich schäme mich. Es war wie ein Rausch.» Andere versuchten sich rauszureden, gaben vor, den Strand vor Verunreinigung schützen zu wollen - und brachten ihre eben geplünderten Kosmetikartikel in Sicherheit.
Schaulustige besehen sich eine Reihe von Autoersatzteilen. (Bild: Keystone/Barry Batchelor)
Mit Schlüssel und Papieren
Die Polizei versuchte, wenigstens die Diebe der Motorräder aufzuhalten, konnte zunächst jedoch nichts unternehmen. Die Leute hatten sowohl die Papiere als auch die Schüssel für die Motorräder und brausten gleich über den Strand ausser Reichweite, wie ein Augenzeuge erzählte. Erst im Laufe der Nacht gelang es den Beamten den Strand abzusperren.
Die Rechtslage um die Besitzverhältnisse der havarierten Güter ist unklar. Laut dem britischen Handelsschiffahrtsgesetz von 1995 darf die Fracht von havarierten Schiffen nicht entwendet werden. Wenn der Besitzer die Ware zurückverlangt, muss sie herausgegeben werden. Die Besitzverhältnisse müsse später die «zuständige Behörde» klären.
Öl soll abgepumpt werden
Aus der «MSC Napoli» liefen bisher rund 200 Tonnen Öl in den Ärmelkanal. Das britische Verkehrsministerium erklärte, der Frachter habe insgesamt 3.000 Tonnen Diesel und Öl geladen. Man gehe jedoch davon aus, dass keine grösseren Tanks aufbrechen würden, betonte ein Sprecher. Die Einsatzkräfte konzentrierten sich am Montag darauf, den Treibstoff aus dem Schiff abzupumpen.
Bergungsmannschaften bemühten sich übers Wochenende vergeblich, das im Orkan «Kyrill» beschädigte und von der Besatzung aufgegebene Schiff zu stabilisieren. Der Frachter mit seinen 2.400 Containern liegt mit 30 Grad Schlagseite vor der südenglischen Küste in der Nähe von Sidmouth. Das Schiff drohte nach Angaben laut Küstenwache auseinander zu brechen. Wind in Orkanstärke behinderte die Arbeit der Bergungsmannschaften.

























