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Noch drei Vermisste
04. Januar 2010 08:43; Akt: 04.01.2010 14:13 Print
Viertes Lawinenopfer gestorben
Das Lawinendrama im hinteren Diemtigtal hat ein viertes Todesopfer gefordert. Mindestens drei weitere Skitourenfahrer werden nach dem Unglück vom Sonntagmittag noch vermisst.

Ein Rettungshelikopter und Helfer bei der Unglücksstelle im Diemtigtal. (Bild: SF)
Ob die Alpine Rettung Schweiz am Montag eine weitere Suchaktion durchführt, werde sie nach einer Analyse der Sicherheits- und Wetterlage entscheiden, teilten das Untersuchungsrichteramt Berner Oberland und die Kantonspoliei Bern am früheren Montagmorgen mit.
Rettungskräfte tragen eine geborgene Person. (Bild: SF)
Die Abbruchstelle der Lawine, die sich im Walliser Bruson am Sonntag auf einer Höhe von 2400 Metern löste und ein Todesopfer forderte.(Bild: Keystone)
«Mir ist kein vergleichbarer Fall bekannt»
Gery Baumann war der Rega-Einsatzleiter der Bergungsaktion. Er trauert um einen Kollegen.
20 Minuten: Wie erfuhren Sie vom Niedergang der zweiten Lawine?
Gery Baumann: Kurz nach 12 Uhr hat uns einer der beiden Helikopter, die wegen der Lawine ausgerückt waren, per Funk benachrichtigt. Daraufhin haben wir sofort sechs weitere Helis ins Gebiet geschickt. Der erste Anruf war ja von Kollegen des verschütteten Tourengängers per Handy eingegangen.
Wie viele Männer standen am Unfallort schliesslich im Einsatz?
Insgesamt waren rund 100 Retter plus zwölf Lawinensuchhunde und acht Helikopter auf dem Feld. Die Bergungsarbeiten gestalteten sich schwierig, insbesondere weil es vor Ort nur schlechte Funk- und Handyverbindungen gab.
Sie haben bei diesem Einsatz einen Kollegen, einen Arzt der Rega, verloren.
Das ist für die Angehörigen des Arztes und für die Rega selbst – wir sind eine kleine Familie – ein furchtbarer Tag. Wir sind alle tief traurig und schockiert.
Können Sie sich an einen ähnlichen Vorfall erinnern?
Nein, mir ist kein vergleichbarer Fall bekannt. In den letzten Jahren gabs bei der Rega auch bei Helikopter-Abstürzen keine tödlichen Unfälle mehr.
Simone Hubacher / 20 Minuten
Die bisherige Bilanz des schweren Lawinenunglücks vom Sonntag im Berner Diemtigtal: Vier Menschen, darunter ein Rega-Arzt, verloren ihr Leben, fünf weitere Personen liegen mit Unterkühlungen im Spital. Mindestens drei Personen werden nach jetzigem Kenntnisstand noch vermisst. Die Rettungskräfte - rund hundert Mann, ein Dutzend Hunde und acht Helikopter - mussten ihre Suche am Sonntagabend gegen 18 Uhr aus Sicherheitsgründen abbrechen.
Zwei Schneebretter in kurzem Abstand
Das Lawinenunglück im Diemtigtal nahm seinen Anfang, als am Sonntag um 11.30 Uhr eine erste Lawine niederging. Ein Tourenskifahrer wurde dabei verschüttet. Per Handy alarmierten die anderen Mitglieder der Skitouren-Gruppe die Rega, wie das Untersuchungsrichteramt Berner Oberland und die Kantonspolizei Bern mitteilten. Wie bei solchen Ereignissen üblich, entsandte die Rega einen Helikopter mit einem Notfallarzt. Auch eine Maschine der Berner Oberländer Helikopter AG (BOHAG) flog an die Unglücksstelle.
Acht Helis waren im Einsatz
Die Rettungsarbeiten waren noch nicht abgeschlossen, als sich kurz nach 12 Uhr weitere Schneemassen lösten und den eingeflogenen Rettungsarzt der Rega sowie die übrigen Tourenskifahrer verschütteten. Nachdem die Meldung per Funk eingegangen war, flogen die Rega, die BOHAG und Air Glacier mit einem Grossaufgebot an die Unglücksstelle.
Insgesamt standen rund 100 Rettungsspezialisten und ein Dutzend Lawinenhunde im Einsatz, wie Gery Baumann, Einsatzleiter der Rega am Sonntagabend an einer Medienkonferenz in Gesigen BE sagte. Acht Helikopter, Mitglieder der Alpinen Rettung Schweiz mit Hunden und weitere Ärzte beteiligten sich an den Bergungsarbeiten.
Schliesslich konnten die Retter neun Personen bergen. Ein Skifahrer war bereits tot. Acht Personen wurden ins Spital geflogen. Drei von ihnen - der als Erster eingeflogene Rega-Arzt sowie ein Skifahrer - erlagen bis am Sonntagabend im Spital ihren schweren Verletzungen.
Trauer bei der Rega
Das hintere Diemtigtal ist ein beliebtes Gebiet für Skitouren, so dass sich in der Nähe der Unglücksstelle weitere Gruppen aufgehalten haben könnten. Das Gebiet Chummli gelte allerdings nicht als besonders gefährlich, hielt von Allmen fest. Gemäss Wetter-Bulletin habe zum Zeitpunkt des Unglücks «mässige Lawinengefahr» geherrscht.
Für die Rega war es das erste Mal in ihrer Geschichte, dass sie bei einem Lawineneinsatz den Verlust eines eigenen Mitglieds des Rettungsteams zu beklagen hat. «Es ist ausserordentlich tragisch, wenn Retter, die Verunglückten in Not helfen wollen, dabei ihr Leben verlieren», wird Ernst Kohler, Vorsitzender der Rega-Geschäftsleitung, in einer Mitteilung vom Sonntagabend zitiert. «Ich bin aufgewühlt und denke in diesen Stunden an die Angehörigen und an die Betroffenen dieses tragischen Lawinenunglücks.»
Hotline für Angehörige: 031 634 34 34

Ein Lawinentoter im Wallis
In Bruson bei Verbier im Unterwallis sind am Sonntagnachmittag zwei Skitourenfahrer von einer Lawine mitgerissen worden. Einer von ihnen starb noch auf der Unglücksstelle, der Zweite wurde ins Spital geflogen.
Nach Angaben der Walliser Kantonspolizei vom Sonntagabend handelte es sich bei den Verunglückten um einen Walliser Bergführer und seinen Kunden. Sie waren in der Region Tête de la Payenne unterwegs, als sich auf einer Höhe von rund 2400 Metern plötzlich eine Lawine löste. Beide wurden von den Schneemassen mitgerissen.
Die Rettungskräfte konnten den Bergführer rasch befreien. Wenig später fanden sie auch den anderen Mann unter einer 80 Zentimeter dicken Schneedecke. Er erlag noch vor Ort seinen Verletzungen. Zur Identität des Opfers konnte die Polizei zunächst keine Angaben machen.
(erf/sda/dapd)

























