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Katholische Kirche in der Krise
15. März 2010 09:29; Akt: 15.03.2010 11:04 Print
Papst schweigt - Gläubige wollen Erklärung
Die katholische Jugend hat kein Verständnis für das Schweigen des Papstes zu den Missbrauchsfällen in kirchlichen Einrichtungen in Deutschland. Sie sind allerdings nicht die einzigen.
Nach den Missbrauchsfällen an katholischen Einrichtungen sieht Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse die Vertrauenswürdigkeit der Kirche als schwerbeschädigt an. Die Kirche müsse ehrlicher sein, das gelte auch für den Papst, mahnte der SPD-Politiker, der auch Mitglied im Zentralkomitee der Katholiken ist, am Montag im ARD-Morgenmagazin. Den Opfern diene man vor allem dann, wenn Kirchen, Schulen und Gesellschaft mit diesen Verbrechen offen umgingen und ernsthaft über Konsequenzen diskutierten.
Das Kloster Ettal in Bayern: Der Verwaltungsleiter des Klosters, Pater Johannes Bauer, räumte auf der Pressekonferenz ein, selbst in den 1980er Jahren Kinder «brutal koerperlich misshandelt» zu haben. (apn Photo/Christof Stache)
Natürlich müsse im Bundestag über Verjährungsfristen diskutiert werden, sagte Thierse weiter. Allerdings müsse man vorsichtig damit umgehen, da diese Fristen «ein hohes rechtsstaatliches Gut» seien. Die Debatte über die Aufhebung des Zölibats hält Thierse für unangemessen. Es gebe keinen automatischen Zusammenhang zwischen Zölibat und Kindesmissbrauch, meinte er.
Tiefe Sinneskrise
Auch die katholische Jugend zeigte wenig Verständnis für das Schweigen des Papstes beim Angelus-Gebet am Sonntag. Der Missbrauchsskandal «beschäftigt die Menschen, ob sie gläubig sind oder nicht, und der Heilige Vater sollte sich dazu äussern», sagte der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Dirk Tänzler, der «Berliner Zeitung». Dies sei auch deshalb nötig, weil die Kirche in Deutschland in einer ihrer tiefsten Sinnkrisen seit 1945 stecke.
Tänzler stellte aber im Gegensatz zu Bundestagsvizepräsident Thierse das Verbot der Priesterehe in Frage. «Ich habe meine Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Zölibats», sagte er der Zeitung und unterstützte damit ähnliche Äusserungen des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Allerdings – hier stimmt er Thierse zu - habe dies nichts mit Pädophilie zu tun. Die Kirche solle einen offeneren, unverkrampften Umgang mit Sexualität pflegen, meinte Tänzler.
Reformbewegung mahnt Wort des Papstes zu Missbrauch an
Die katholische Reformbewegung «Wir sind Kirche» zeigte sich ebenfalls enttäuscht, dass sich Papst Benedikt XVI. bei der Sonntagsmesse nicht zu den jüngsten Missbrauchsfällen geäussert hat. «Viele kirchentreue Katholiken bedauern es, dass Benedikt XVI. nicht einmal ein kleines Wort des Mitgefühls geäussert hat», sagte Vorstandsmitglied Christian Weisner der Münchner Zeitung «tz». Offenbar habe das Kirchenoberhaupt «das wahre Ausmass der Verunsicherung nicht wahrgenommen».
Weisner wies auch die Äusserungen von Vatikan-Sprecher Federico Lombardi vom Samstag zurück, in denen dieser Kritik als persönliche Attacken gegen den Papst bewertet hatte. «Das ist die denkbar schlechteste Kommunikationsstrategie», wird der Sprecher der Reformbewegung zitiert. Schliesslich könne man «auch aus Liebe zur Kirche heraus kritisieren», argumentierte Weisner.
(dapd)


























