Münchner S-Bahn-Schläger

09. Februar 2010 11:52; Akt: 09.02.2010 14:30 Print

Staatsanwaltschaft rekonstruiert TathergangStaatsanwaltschaft rekonstruiert Tathergang

Der Fall schockierte Deutschland: Münchner S-Bahn-Schläger prügelten Geschäftsmann Dominik Brunner zu Tode. Doch er soll zuerst zugeschlagen haben – aus Notwehr. Dies geht aus der Anklageschrift hervor.

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Der Tatort an der S-Bahn-Haltestelle München-Solln. (Bild: Keystone/Uwe Lein)

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Mit einem Faustschlag ins Gesicht eines der Täter sei Brunner einem unmittelbar bevorstehenden Angriff der beiden Jugendlichen zuvorgekommen, berichtete die «Süddeutsche Zeitung» mit Berufung auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München. Er habe sozusagen aus Notwehr gehandelt. Die Staatsanwaltschaft hat den Tod Brunners am 12. September 2009 in ihrer gut 90-seitigen Anklageschrift minutiös rekonstruiert.

«Der Spiegel» hatte am Wochenende berichtet, dass Brunner nach Zeugenaussagen als erster zugeschlagen habe. Bei der Auseinandersetzung an der S-Bahn-Haltestelle München-Solln habe er demzufolge die Fäuste gehoben, sei auf die zwei Jugendlichen zugegangen und habe einem von ihnen ins Gesicht geschlagen. Brunner habe mindestens ein Jahr lang in einer Boxschule trainiert, hiess es.

Aggressiv aus dem Zug gestiegen

Die Münchner Staatsanwaltschaft hat die beiden Tatverdächtigen im Alter von 18 und 17 Jahren wegen Mordes angeklagt. Markus Sch. und Sebastian L. hatten an jenem Tag vier Schüler erst an der S-Bahn-Station Donnersbergbrücke und dann in der S7 Richtung Sendling verbal belästigt und versucht, von ihnen Geld zu erpressen. Der 50-jährige Manager Dominik Brunner, unterwegs zu seiner Zweitwohnung in Solln, versuchte die Schüler zu schützen und drohte den beiden Jugendlichen mit der Polizei.

In Solln stieg Brunner um 16.10 Uhr mit den Schülern aus, Sch. und L. folgten. Laut Aussagen von Zeugen legte Brunner Jacke und Tasche in ein Wartehäuschen und nahm eine Kampfhaltung ein. Die beiden Täter seien schon aggressiv aus dem Zug gestiegen, hätten wieder und wieder vom Schlagen geredet und seien in aggressiver Pose auf den Geschäftsmann zugegangen. Nachdem Brunner Sch. die Faust ins Gesicht schlug, habe erst für einige Sekunden Ruhe geherrscht, dann sei die Auseinandersetzung eskaliert. Die jungen Männer hätten wie von Sinnen auf Brunner eingeschlagen.

Schlägerei wurde aufgezeichnet

Der konnte sich anfangs aufgrund seines Boxtrainings halten, sackte dann aber zu Boden. Gemäss der Staatsanwaltschaft sollen die Täter mehrfach mit den Füssen von oben auf seinen Kopf getreten haben, mit voller Wucht, begleitet von üblen Schimpftiraden. Die Schlägerei, die rund eine Minute dauerte, wurde aufgezeichnet, weil Brunners Handy in seiner rechten Hosentasche wohl durch Zufall eingeschaltet und mit der Polizei-Notrufzentrale verbunden war.

Kurz vor dem Eintreffen der Polizei liessen die Täter von ihrem Opfer ab und versteckten sich in einem Gebüsch, wo sie von einer Polizistin entdeckt wurden. Dominik Brunner starb um 18.20 Uhr im Spital, die Ermittler stellten 22 einzelne schwere und schwerste Verletzungen an seinem Körper fest. Die Staatsanwaltschaft wirft Markus Sch. und Sebastian L. Mord aus niedrigen Beweggründen vor. Gemäss dem psychiatrischen Gutachter waren beide in der Lage, ihr Unrecht einzusehen.

Einer bereut, der andere nicht

Ein Geständnis gibt es nicht, die im Gefängnis Stadelheim einsitzenden Jugendlichen schweigen. Gemäss der «Süddeutschen Zeitung» gehen sie in ihren Briefen an Freunde und Verwandte ganz unterschiedlich mit der Tat um. Während Sebastian L. immer wieder betone, er habe das alles nicht gewollt und würde es am liebsten ungeschehen machen, fabuliere sein um ein Jahr älterer Kumpel vom Saufen, Fighten und Zocken. «Er tut dies in Reimen, es soll cool wirken.» Die Tat vom letzten September erschütterte ganz Deutschland, Dominik Brunner wurde posthum mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

(pbl)